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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Die Heimat mit anderen Augen sehen

19.05.2017

Rodenkirchen /Seefeld Ein rot-weiß-roter Leuchtturm, die Seefelder Mühle, Butjathas Thron. Dazu Bilder mit Schlick und Sand vom Dangaster Strand. Die neue Ausstellung im Rathaus Rodenkirchen zeigt Motive aus der näheren Umgebung. Nichts Besonderes also? Doch!

Denn die Schöpfer der Bilder kommen nicht von hier. Sondern aus Syrien, Tschetschenien, Afghanistan, dem Iran und dem Kosovo. Sie, die Krieg und Verfolgung gesehen haben, sehen jetzt das, was die Menschen in dieser Region auch sehen – aber eben mit ihren eigenen Augen.

Bilder tun dem Auge gut

Bürgermeister Klaus Rübesamen brachte es in seiner Begrüßung am Mittwochabend gleich auf den Punkt: Was die Kinder und Jugendlichen hier sehen, ist schön. Es tut dem Auge gut und hebt die Stimmung.

Alle zwölf Einwanderer besuchen die Oberschule Rodenkirchen. Deren Leiter Jürgen Janssen sah die Bilder bei der Vernissage zum ersten Mal. Und der sonst so eloquente gab zu: „Ich bin sprachlos.“

Tatsächlich sind diese Bilder für einen Kunstkursus einer Schule außergewöhnlich. Auch deshalb empfindet der Kunsterzieher Wolfgang Rosteck die Arbeit mit diesen Schülern als einen Höhepunkt in seinem Berufsleben. Dass es überhaupt dazu kommen konnte, ist der Seefelder Mühle zu verdanken. Die hatte im vergangenen Jahr das Projekt WIR // IHR gestartet, das sich mit dem Aufeinandertreffen von Einheimischen und Flüchtlingen beschäftigt. Zum Projekt gehörten etwa der Interkulturelle Führerschein an der Grundschule Seefeld, ein internationales Frauenfrühstück und die Mandala-Ausstellung von Mariska Stuijt in der Mühle.

Weil noch etwas Geld übrig war, schlug Cornelia Iber-Rebentisch, die Zweite Vorsitzende des Mühlenvereins, eine Aktion mit der Oberschule vor. Jürgen Janssen sagte sofort zu.

Stefan Wefer, der an der Schule Sprachunterricht erteilt, half dabei, Schüler herauszufinden, die überdurchschnittlich gut malen können. Jüngste Teilnehmerin war die elfjährige Syrerin Ranim, ältester der 18-jährige Afghane Emal, der in der Ausstellung mit einem Franz Radziwill nachempfundenen Stillleben von einer Kanne beeindruckt.

Im Radziwill-Haus

Das Projekt fand Anfang April statt und dauerte drei Tage. Am ersten Tag stand die Inspiration im Mittelpunkt. Die Schüler fuhren mit Wolfgang Rosteck und der Sozialpädagogin Gunda Rozema nach Dangast, für viele Flüchtlinge war es die erste Begegnung mit dem Schlick. Dann ging es ins Franz-Radziwill-Haus, wo sie die Ehre hatten, als Erste die neue, noch nicht eröffnete Ausstellung zu sehen. Letzte Station war die Seefelder Mühle, durch die sie der Freiwillige Müller Pastor Walter Janßen führte.

Die nächsten beiden Tage verbrachten die jungen Flüchtlinge im Atelier der Oberschule. Dort stehen seit einer freundlichen Spende vor einem Jahrzehnt ein Dutzend Staffeleien – ein Schatz, den beileibe nicht jeder Kunsterzieher seinen Schülern bieten kann. Aus den Projektmitteln schaffte Wolfgang Rosteck Pinsel, Farbe und Leinwände der Größe 60 mal 80 Zentimeter an. Einige Flüchtlinge waren so eifrig bei der Sache, dass sie auch nach Schulschluss am Nachmittag weiter malten. Bald zeigte sich, dass einige von ihnen äußerst geschickt mit Pinsel und Farbe umgehen können, beispielweise der Afghane Emal.

Und die Sozialpädagogin Gunda Rozema freute sich, dass die 11- bis 18-Jährigen aus verschiedenen Ländern zu einer Gruppe zusammenwuchsen.

Nur ein Wunsch ist für sie und den Kunsterzieher Wolfgang Rosteck noch offen geblieben: Dass sich ein Sponsor findet, der die Wiederholung dieses Projekts ermöglicht. Den ersten kleinen Schritt dahin machte die Verwaltungsangestellte Sigrid Burmester, die auch diese Ausstellung organisiert hatte: Sie überreichte jedem Flüchtling einen Buntstift.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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