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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Ein Forscherdorf an der kühlen Küste

28.10.2010

NORDENHAM Der Südpol liegt auf einem Kontinent, der Antarktis. Der Nordpol dagegen liegt im Wasser. Eine Forschungsstation würde dort entweder untergehen oder auf einer großen Eisscholle wegdriften. Deshalb liegt die nördlichste zivile Forschungsstation in Ny Ålesund auf Spitzbergen, 1100 Kilometer vom Nordpol entfernt.

Ny Ålesund ist aber keine Forschungsstation, sondern ein ganzes Forscherdorf, in dem im Sommer bis zu 170 Menschen wohnen – Wissenschaftler und ihre Helfer. Darunter sind auch 16 Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Für die Ausrüstung der Koldewey-Station und des Observatoriums ist der Biologe Dirk Mengedoht zuständig. Er berichtete am Dienstagabend im großen Hörsaal des Gymnasiums aus diesem einzigartigen Dorf am Königsfjord.

Forschung statt Bergbau

Es ist 1916 von der King‘s Bay Company gegründet worden, die dort Kohle förderte. Immer wieder gab es Bergwerksunglücke, auch wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen. Das schlimmste geschah 1962 und ging als Ny-Ålesund-Affäre in die norwegische Geschichte ein. Daraufhin wurde der Bergbau eingestellt, und die King‘s Bay Company musste sich neue Bewohner für die Häuser suchen, in denen bislang die Bergmänner gewohnt hatten. Forschungsinstitute nahmen die Angebote gern an. In Ny Ålesund sind die Forscher in bester Gesellschaft, denn auch der große Roald Amundsen (1872 bis 1928) hatte in den 20er Jahren von hier aus den Nordpol erforscht.

Norwegen, von dem aus Spitzbergen verwaltet wird, hat die größte Forschungsstation. Außerdem sind Schweden, Italien, Großbritannien, die Niederlande, Japan, Korea, die Volksrepublik China, Deutschland und Frankreich vertreten. Deutschland und Frankreich arbeiten seit 2003 sogar in einem gemeinsamen Institut zusammen, das ist in der Polarforschung einmalig. Es heißt AWIPEV, weil sich an dieser Stelle das deutsche Alfred-Wegener-Institut (AWI) und das französische Institut Paul Emile Victor (IPEV) zusammengeschlossen haben.

Deshalb war nicht nur der BUND-Kreisverband Wesermarsch Veranstalter des Vortrags, sondern auch der Freundeskreis Petit Caux in Stadland, der gerade sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Spitzbergen heißt so, weil der holländische Entdecker Willem Barents 1596 zuerst die spitzen Berge im Westen der Hauptinsel sah. Die Norweger nennen nur die Hauptinsel Spitsbergen, die gesamte 61 000 Quadratkilometer große Inselgruppe Svalbard, das heißt auf altnorwegisch kühle Küste. 2900 Menschen leben ständig dort, davon 1800 im Hauptort Longyearbyen.

In Ny Ålesund erforschen die deutsch-französischen Wissenschaftler in der Koldewey- und der Rabot-Station Spurengas in der Stratosphäre, die optische Tiefe atmosphärischer Partikel, mit einem Laserstrahl erkunden sie die Konzentration von Aerosolen und Ozon, und Sensoren an einem Ballon zeichnen regelmäßig Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck auf. Zudem erforschen Taucher die Meeresbiologie des Königsfjords.

Sechs Kilometer östlich von Ny Ålesund betreiben die Franzosen die Station Corbel, in der sie ebenfalls die Atmosphäre untersuchen. Denn in Ny Ålesund ist die Luft nicht mehr ganz sauber, weil die King‘s Bay Company ein Dieselkraftwerk betreibt und im Sommer jeden Tag mehrere Kreuzfahrtschiffe mit großen Schornsteinen anlegen, aus denen jeweils mehrere tausend Besucher steigen.

Eisbären im Dorf

Auch andere Besucher haben es in sich: Die Eisbären, die manchmal ins Dorf kommen. „Eine bedrohte und bedrohliche Tierart“, wie Dirk Mengedoht sagt. Deshalb darf sich kein Forscher ohne Gewehr in die Natur wagen. Aber schießen darf er nur in äußerster Notwehr – die Bären stehen unter Schutz.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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