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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Eine Rückkehr der Segelschiffe

18.08.2012

Elsfleth Von tiefschwarzer Farbe ist der Kaffee, den sich Bernhard Schwarz-Röhr eingeschenkt hat. Der Diplom-Physiker steht an einem Fenster seines Büros in der Seefahrtschule und schaut auf die Hunte. Der Blick ist klar. Ein Binnenschiff liegt fest vertäut an den Dalben, am strahlend blauen Himmel zeigen sich nur wenige Wolken. Der Diplom-Physiker freut sich aber nicht nur über den herrlichen Sommertag. Auch das Projekt zum Thema alternative Schiffsantriebe, mit dem sich der 53-Jährige befasst, fasziniert ihn.

Projektleiter seit Mai

Der Beluga-Gründer Niels Stolberg war ein Visionär: Die mit revolutionären Drachensegeln ausgerüsteten Schiffe seiner Reederei sollten die Energiekosten fast halbieren. Die Idee setzte sich zwar noch nicht durch, zu groß waren bislang die Vorbehalte. Die Pläne des Reeders und Kapitäns waren nach den Worten von Bernhard Schwarz-Röhr jedoch mit ausschlaggebend dafür, sich mit der Entwicklung alternativer Antriebstechniken für die Schifffahrt zu befassen. Seit Mai leitet er ein entsprechendes Projekt im Fachbereich Seefahrt der Jade Hochschule in Elsfleth.

Es ein sogenanntes Interreg-Projekt der Europäischen Union, an dem sich Partner aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und Schweden beteiligen. Das Projekt wird bis Juni 2015 mit insgesamt 3,1 Millionen Euro gefördert, 420 000 Euro entfallen auf den Fachbereich in Elsfleth. Welche Antriebe für die Schifffahrt überhaupt in Frage kommen und ob diese wettbewerbsfähig sind, soll an der Hochschule zunächst untersucht werden. Reeder, Schiffbauer, Hafenverwaltungen und viele andere, mit der Seefahrt verwobene Bereiche, seien involviert, sagt Bernhard Schwarz-Röhr.

Für den Wissenschaftler zeichnen sich drei Systeme ab, die untersucht werden sollen. Da ist zum einen das Drachensystem, mit dem Niels Stolberg schon experimentiert hat. Zum anderen soll der Antrieb von Frachtschiffen mit Flettner-Rotoren – die Windräder wurden bereits zum Antrieb von Schiffen eingesetzt – erforscht werden. Und dann gibt es laut Bernhard Schwarz-Röhr noch den klassischen Segel-Antrieb. Und vielleicht kristallisiert sich eine weitere Technik heraus, so der Projektmanager. Das aber sei ungewiss.

Ziel des Projektes ist es, die Kosten zu drücken. „Die Treibstoffkosten steigen gewaltig“, weiß Bernhard Schwarz-Röhr. Der Physiker ist aber nicht nur begeistert über die Ersparnis beim Treibstoff, die erzielt werden könnte, sondern auch über die damit verbundene Senkung umweltschädlicher Emissionen. Er schränkt jedoch ein, dass dies alles nur mit Hybrid-Antrieben zu leisten sei. Die Schiffe würden wie bisher manövriert. „Den Gewinn zieht man aus den Segeln“, betont er. Daher stünden sie auch an erster Stelle der Untersuchungen. „Wir gucken, was es gibt, und was Segel leisten“, sagt der Dozent.

Viele Fragen sind noch zu klären. Spezielle Kenntnisse seien erforderlich, um ein solches Schiff zu steuern. Das müsste bei der Ausbildung der Seeleute berücksichtigt werden. Und auch die Wettervorhersage sei enorm wichtig.

Rollen und Stampfen

Ein weiteres Projekt soll Ende des Jahres abgeschlossen werden. Dabei handelt es sich um ein Messverfahren, das vor gefährlichem Seegang warnt. Ein Messgerät hat Bernhard Schwarz-Röhr dazu entwickelt. Es zeichnet das Rollen und Stampfen des Schiffes auf. Beim Manövrieren müsste die Besatzung aufpassen, um in keine kritische Situation zu geraten. „Es ist noch schwer vorherzusagen, was in schwerer See passiert. Es gibt noch keine Instrumente“, merkt er an und nippt an seinem Kaffeebecher.

Ulrich Schlüter
Elsfleth
Redaktion Brake
Tel:
04401 9988 2320

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