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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Frohgemut im täglichen Chaos

17.06.2017

Rodenkirche Es war wie im richtigen Leben: Jürgen Janssen musste Platz nehmen auf dem Rektorenstuhl und abwarten, was der Tag ihm bringt. Eine ratlose Mutter, eine zigarettenrauchende Fünftklässlerin und viele Lehrer mit allerlei drängenden Problemen kamen auf ihn zu. Und in all dem Chaos blieb Jürgen Janssen frohgemut – wie im richtigen Leben.

Das Spiel seines Lebens

Bei seiner Verabschiedung durfte er dieses Spiel seines Lebens am Freitagmittag in der Mensa der Oberschule noch einmal spielen; der didaktische Leiter Henning Reimers hatte es für ihn vorbereitet. Doch am Mittwoch, 21. Juni, ist Schluss mit Schule: Denn wechselt Jürgen Janssen in den Ruhestand.

Im September wird er 66 Jahre alt; anzusehen ist das dem charmanten und witzigen und nichtsdestoweniger durchsetzungsfähigen Lehrer nicht. Geboren wurde er 1951 in Norden, studiert hat er Deutsch, Geschichte und Erdkunde in Oldenburg. Am 3. Februar 1975 fing er an der damaligen Grund- und Hauptschule Rodenkirchen an und ist nie wieder weggegangen. Mehr als 42 Jahre Schulgeschichte versammeln sich in diesem einen Mann.

Die nördliche Wesermarsch war ihm als Schulbezirk zugeteilt worden, für Rodenkirchen hat er sich selbst entschieden – aus freien Stücken und mit ganzem Herzen. Sofort nahm er sich eine Wohnung an seinem neuen Lebensmittelpunkt. 1978 lernte er seine jetzige Frau Elke Kuik-Janssen kennen. Er traf die gebürtige Elsfletherin beim Fest der Schifffahrtsschule Elsfleth.

Lange wohnten sie dicht bei seinem Arbeitsplatz, an der Schulstraße, zur Miete. Anfang der 90er Jahre bauten sie sich ihr Haus in Abserdeich.

Sänger in der Beat-Band

Die Hauptschule arbeitet nach dem Klassenlehrerprinzip, das heißt: Jürgen Janssen gab bald auch Englisch, Biologie und Sport. 1997 ließ er sich zum Religionslehrer ausbilden. Nur mit Mathematik und Naturwissenschaften tat er sich schwer. Ganz besonders gern unterrichtete er Musik. Als Jugendlicher war er Sänger einer Beat-Band gewesen, und auch in der Schule legte er großen Wert darauf, dass gesungen wird. „Jeder kann singen, der eine besser, der andere schlechter“, sagt er.

Anfang der 80er Jahre erreichte die Friedensbewegung seine Zehntklässler. Sie nahmen das Thema im Unterricht durch, besuchten Veranstaltungen und bekamen die Idee, ihre Schule nach Pfarrer Martin Niemöller zu benennen. Nach einigen Wirren erhielten sie von dem Pfarrer die Erlaubnis, ihre Schule nach ihm benennen – doch da machte die   CDU/FDP-Mehrheit im Kreistag nicht mit. Erst als die SPD 1986 wieder dran war, wurde der Wunsch der Schüler Wirklichkeit.

Ein neues Kapitel begann 2004 mit der Einführung der Vertieften Berufsorientierung und Berufsstartbegleitung (VBoB), die schulmüden Jugendlichen einen neuen Weg eröffnete und sich als Erfolgsgeschichte erweist.

Nach diversen Umformungen wurde aus der alten Haupt- und der Realschule 2012 die Oberschule, die Jürgen Janssen seit dem 1. Februar 2013 leitet. „Der Schüler steht im Mittelpunkt – immer!“, lautet seine Maxime. „Wenn etwas gut ist für einen Schüler, kann es kein juristisches Hindernis geben.“

Die Schüler danken es ihm mit großer Anhänglichkeit. So gehe es beim obligatorischen Rundgang über den Rodenkircher Markt sehr langsam voran, weil Janssen immer neue Schüler umarmen müsse, schilderte Hannelore Menke, die dienstälteste Kollegin.

An der Feier nahmen auch Janssens Tochter Swantje und ihr dreijähriger Sohn Gregor teil; im November erwartet sie ihr zweites Kind, aber schon im August will sie in Varel als Lehramts-Anwärterin beginnen.

Jetzt will Jürgen Janssen viel radeln und laufen und generell mehr Sport treiben und kommunalpolitisch aktiv bleiben. Auch in die Schule wird er nach den Ferien gelegentlich zurückkehren, weil – das steht nun fest – sein Nachfolger nicht zu Beginn des neuen Schuljahres kommt.


Ein Video sehen Sie unter   www.nwzonline.de 
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Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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