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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

So spannend kann Chemie sein

14.11.2017

Iggewarden Rund 35 Chemie-Betriebe gibt es in der Region; etwa ein Drittel davon bildet aus. Das sei eine riesige Chance für interessierte Jugendliche, sagen unisono Dr. Wolfgang Meiners als Leiter der Umweltstation Iffens und Kurt Buchholz als Vorsitzender der Ortsgruppe Wesermarsch der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Und trotzdem: Es mangelt an qualifiziertem Nachwuchs.

Die Umweltstation und die Gewerkschaft haben vor neun Jahren im Schulterschluss ein bundesweit einzigartiges Projekt ins Leben gerufen: Sie laden Jahr für Jahr Jugendliche zu einem achtstündigen Praxistag der Chemie ein. Diesmal wurden die Bewerbungen von 14 Mädchen und Jungen aus den Abschlussklassen der Oberschule 1 Nordenham, der Zinzendorfschule in Tossens und der Hauswirtschaftsschule Brake berücksichtigt.

Die Umweltstation bot den Jugendlichen ein bisschen notwendige Theorie, vor allem aber ganz viel Praxis – genau die richtige Mischung, um junge Leute anzuspornen und für Chemie zu begeistern. Der Spaß am Experimentieren stand dabei im Vordergrund. Und so gab es von Langeweile oder Phasen mit Durchhängern keine Spur.

„Das ist unser Rezept,“ sagt Dr. Wolfgang Meiners. In der Schule, bei dreißig Schülern in der Klasse, könne man nicht wirklich Praxischemie betreiben. Und auch die Betriebspraktika seien nur bedingt geeignet, weil viele Firmen nicht mehr das Personal bereitstellen könnten, das für eine optimale Betreuung notwendig wäre.

Beim „Praxistag der Chemie“ dagegen kümmert sich ein Lehrer mit fundierter Praxiserfahrung um lediglich drei Schüler. Hinzu kommt, dass in Iffens jenseits jeglicher Schulatmosphäre gearbeitet wird. So lernen die Jugendlichen, dass es in den chemischen Berufen besonders wichtig ist, im Team zu arbeiten, während in der Schule wegen der Bewertbarkeit eher Einzelleistungen gefragt seien. „In unserem Seminar lernen die Jugendlichen so viel wie in einem ganzen Schuljahr“, ist Wolfgang Meiners überzeugt.

Der Leiter der Umweltstation engagiert sich auch für die Ausbildung angehender Chemikanten. „Der Kenntnisstand der Schulabgänger ist in der Regel gut. Es gibt aber gravierende handwerkliche Defizite“, sagt er. Diese Lücke zu schließen, ist eines der Ziele der Ortsgruppe der IG BCE, die den nicht ganz billigen Praxistag der Chemie finanziert. „Wir wollen unseren Teil zur Berufsfindung beisteuern und die Jugendlichen aus der Region dafür begeistern, in die Chemie zu gehen,“ so Kurt Buchholz weiter. Die jungen Leute sollen auf diese Weise auch dazu motiviert werden, in der Region zu bleiben statt in die Ballungszentren abzuwandern.

Entsprechend speziell auf die Region zugeschnitten ist deshalb auch das Programm des Praxistags. Es setzt ganz auf Experimente, die für die hier ansässigen Chemiebetriebe relevant sind – darunter zum Beispiel Versuche zur Verbrennung von Zinkerz.

Ein ganz toller Tag sei das in Iffens gewesen, schwärmt Kurt Buchholz. Die Jugendliche seien begeistert gewesen. Die Praxistage zeigen nach Auskunft des Gewerkschaftsvorsitzenden übrigens Wirkung. Etliche junge Leute, die bei einem solchen Seminar in den Beruf hineingeschnuppert haben, trifft Wolfgang Meiners später wieder, wenn er in den Betrieben die Azubis betreut.