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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Maulkorb für Braker Gymnasiasten

09.05.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-07-20T21:19:42Z 280 158

Nach Kritischem Nwz-Bericht:
Maulkorb vom Land für Braker Gymnasiasten

Brake Schülersprecher Johannis Wilbertz (17) kann die Welt nicht mehr begreifen. Er steht vor der Tür des Braker Gymnasiums und ringt nach Worten. Er denkt lange nach. Dann sagt er: „So muss es wohl in einem totalitären Staat sein. Ich fühle mich wirklich nicht gut.“ Dutzende Schüler stehen an diesem Freitag stumm neben ihm. Sie halten sich die Hände vor den Mund. Alles, was sie heute zu sagen haben, ist auf zwei Zetteln zu lesen, die einige Schülerinnen in die Höhe halten. Meinungsfreiheit, steht auf ihnen geschrieben. Die Atmosphäre wirkt beklemmend.

Was ist passiert? Die Regionalabteilung Osnabrück der niedersächsischen Landesschulbehörde hat am Freitag veranlasst, dass der NWZ -Bericht über die Schüler-Demo gegen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) von der Homepage des Braker Gymnasiums entfernt wird.

Kommentar

Zur Freiheit erziehen

Die Ministerin sagt sich zum Besuch an. Es warten keine Kinder, die Lieder singen, sondern 1000 Schüler, die Wut im Bauch haben. Die NWZ  ist vor Ort, berichtet, die Schule stellt den Artikel ins Internet.

Zugegeben, Werbung in eigener Ministerinnen-Sache ist das nicht. Deswegen musste der Bericht wohl verschwinden, auch wenn Heiligenstadt dementiert, das veranlasst zu haben. Glauben mag man ihr nicht. Es ist eines der höchsten Güter der Demokratie, sagen zu dürfen, was man denkt. Das ausgerechnet eine Bildungsbehörde dazu beiträgt, in Kindern daran einen Zweifel zu säen, ist so unerträglich wie verantwortungslos.

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1000 Gymnasiasten hatten sich am Dienstag zu einer Demonstration gegen die niedersächsische Schulpolitik vor der Integrierten Gesamtschule (IGS), direkt gegenüber des Gymnasiums, versammelt. Dort hatte sich die Kultusministerin zum Schulbesuch angemeldet. Die NWZ  war vor Ort, berichtete darüber. Den Bericht veröffentlichte die Schule anschließend auf ihrer Homepage.

Nicht nur der Bericht musste verschwinden. Nach NWZ -Recherchen ist außerdem Schulleiter Klaus Dannemann zu einem Disziplinar-Gespräch vorgeladen worden. Die Aufsichtsbehörde interessiert sich wohl besonders für die Rolle, die er bei der Demonstration gespielt hat.

Die Ministerin, heißt es aus dem Kultusministerium auf Anfrage, habe damit nichts zu tun. Sie habe weder das Entfernen des Artikels veranlasst, noch habe sie im Vorfeld etwas davon gewusst. Am Braker Gymnasium glaubt das niemand. Die Schüler fühlen sich mundtot gemacht. „Man bringt uns im Politikunterricht etwas über Demokratie bei. Und dann kommen ausgerechnet Politiker und verbieten uns, zu sagen, was wir denken“, sagt der Zehntklässler Hekmat Al Kassou (17).

„Die Demo war allein unsere Idee“, sagt Schülersprecherin Lotta Köhlken (16). „Herrn Dannemann dafür zu bestrafen, ist nicht fair. Das nehmen wir nicht hin.“ Die Schulbehörde teilt auf Anfrage mit, warum der Artikel verschwinden musste: „Die bis zur Anordnung vorgefundene Darstellung auf der offiziellen Homepage des Gymnasiums Brake ist mit der Funktion der Homepage einer staatlichen Schule und dem damit verbundenen Auftrag der Öffentlichkeitsarbeit einer Schule nicht vereinbar.“

Zudem dürfe eine Schule nicht „gegen das Mäßigungsgebot verstoßen“. Mit der Beschränkung von Meinungsfreiheit habe das Entfernen des Artikels nichts zu tun.