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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Heimatbund: Müller kennen keine Langeweile

01.04.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-04-01T05:24:43Z 280 158

Heimatbund:
Müller kennen keine Langeweile

Moorsee Es ist schon beeindruckend, wie Anton Günter Reumann die steilen Holztreppen hoch flitzt. Und das mit 79! Der Mann in dem braunen Arbeitsanzug weiß genau, wo man den Kopf einziehen muss und wo Stolperfallen lauern. Besucher kommen kaum hinterher, wenn er in der Moorsee Mühle durch die verwinkelten Ecken läuft und zielsicher die verschiedenen Geräte ansteuert. Der historische Galerieholländer ist das zweite Zuhause des Stollhammers. Es vergeht kaum ein Tag, an dem er dort nicht nach dem Rechten sieht. Anton Günter Reumann gehört zum Team der freiwilligen Müller im Mühlenmuseum.

Neben Anton Günter Reumann, den seine Mitstreiter wahlweise als „Mann für alles“ oder als „guten Geist der Mühle“ bezeichnen, arbeiten Eckhard Dunkhase (73), Hans-Gerd Gerdes (65) und Klaus Kuck (70) in der ehrenamtlichen Müllermannschaft mit. Sie verbindet die Begeisterung für Technik, Handwerk und Heimatgeschichte.

Freitag ist Mahltag in Moorsee

Die Anfänge des Mühlenstandorts in Moorsee reichen über 300 Jahre zurück. Es ist überliefert, dass sich dort damals eine kleine Bockwindmühle befunden hat. Ihre jetzige Gestalt hat die Moorseer Mühle seit 1904. Das achtkantige Ziegelsteinmauerwerk stammt aus der Vorgängermühle von 1840.

Am 1. Mai 1899 erwarben Anton Gerhard Reinken und sein Sohn Johann Hinrich Gerhard die Moorseer Mühle. Von 1945 bis zur Aufgabe des Unternehmens im Jahr 1977 führte Heinrich Reinken den Betrieb.

In der Saison von April bis Oktober ist an jedem Freitag ab 14 Uhr Mahltag in Moorsee. Dann führen die freiwilligen Müller vor, wie die Mühle mit Wind betrieben wird. Voraussetzung ist natürlich, dass geeignete Windbedingungen herrschen.

Die vier sind auch Mitglieder der Mühlen-Arbeitsgruppe im Rüstringer Heimatbund, der im Auftrag des Landkreises Wesermarsch das Museum in Moorsee betreibt. „In den besten Zeiten waren wir um die 20 Leute“, sagt der Arbeitsgruppenleiter Hans-Gerd Gerdes. Aber mittlerweile ist die Zahl der Aktiven auf die Hälfte zusammengeschrumpft. „Nachwuchs können wir sehr gut gebrauchen“, betont Hans-Gerd Gerdes.

Während der Großteil der Arbeitsgruppe vor allem beim Mühlenfest im August gefordert ist, haben die freiwilligen Müller das ganze Jahr über gut zu tun. Ihre selbstauferlegte Aufgabe ist es, die Technik zu warten, die Mühle funktionsfähig zu halten und natürlich auch sie zu betreiben.

Um ihren ehrenamtlichen Job ausüben zu können, mussten sie einen einjährigen Volkshochschullehrgang absolvieren. Die Ausbildung der freiwilligen Müller erstreckt sich über 160 Stunden und findet an den Wochenenden an verschiedenen Orten in Niedersachsen und Bremen statt.

Die ersten Mühlenfreunde aus Moorsee nahmen 2001/2002 an einer solchen Schulung teil. Dabei handelte es sich um Rosemarie Gerdes, Hans-Gerd Gerdes und Hans-Hermann Struß. Später folgten Anton Günter Reumann, Nils Meyer, Eckhard Dunkhase und Klaus Kuck. In den Lehrgängen haben sie sich ein umfassendes Wissen angeeignet. Die Themenbreite reicht von Sicherheitstechnik, Mühlenhistorie und Gesetzgebung in alten Zeiten über Getreide- und Mehlkenntnisse bis zur Wetter- und Schädlingskunde.

Das Mühlenteam freut sich, dass der Galerieholländer noch voll betriebsbereit ist. Das liegt vor allem daran, dass der letzte gewerbliche Moorseer Müller, Heinrich Reinken, viel Wert auf eine zeitgemäße und wettbewerbsfähige Technik gelegt hatte. Was aber Sorgen bereitet, ist die Drehbarkeit der Mühlenkappe. Die fast 15 Tonnen schwere Kappe rotiert je nach Windrichtung auf einem Metallring. Es sind Unwuchten aufgetreten, die die Leichtgängigkeit beeinträchtigen und bei einem schweren Sturm zum Problem werden könnten.

Bei den Vorführungen können Besucher die Mahlgänge beobachten und sehen, wie das Getreide zu Schrot oder Mehl wird. Die freiwilligen Müller sind sich einig, dass es eine schöne Attraktion wäre, wenn das selbst hergestellte Mehl gleich vor Ort in der Bäckerei des Mühlenmuseums verarbeitet werden könnte. „Aber das ist aus hygienischen Gründen nicht erlaubt“, sagt Hans-Gerd Gerdes. Daher dürfen die Produkte aus der Moorseer Mühle nur noch als Tierfutter dienen.

Der 1921 installierte Elektromotor läuft ebenfalls noch einwandfrei. Zum Einsatz kommt er jedoch nur höchst selten: „Wir haben schließlich eine Windmühle“, betont Anton Günter Reumann.

Langeweile kommt bei den freiwilligen Müllern nie auf. „Es gibt immer etwas zu erledigen“, sagt Klaus Kuck. Zurzeit sind sie damit beschäftigt, den Getreide-Elevator wieder in Gang zu bringen. Das ist ein Förderband mit Bechern, in denen das Getreide nach oben in die Mühle zum Mahlen transportiert wird.