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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Cybermobbing Unter Schülern: Eltern haben wichtige Vorbildfunktion

16.02.2019

Nordenham Cybermobbing ist kein reines Großstadtproblem. Laut einer Schülerbefragung in der Kriminologischen Regionalanalyse der Stadt Nordenham waren mehr als die Hälfte der Siebt- bis Zehntklässler in Nordenham schon Opfer von Mobbing. Das große Interesse an der Problematik zeigte sich am Donnerstagabend. Die Aula des Gymnasiums war zur Informationsveranstaltung „Whatsapp, Instagram & Co.“ mit rund 200 Teilnehmern so voll besetzt, dass Gäste abgewiesen werden mussten.

Durch den Abend führte Norbert Hartfil, Leiter der NWZ-Lokalredaktion Nordenham. Er wollte von den Vertretern der Nordenhamer Schulen wissen, inwieweit sie betroffen sind. Mobbing ist an allen Schulen Thema waren sich Vera Eckermann, Koordinatorin der Sekundarstufe 1, Dr. Sebastian Wegener, stellvertretender Schulleiter, und Beratungslehrerein Dr. Nina Offergeld vom Gymnasium Nordenham, die kommissarische Schulleiterin der Oberschule 1, Tanja Buse, und Rainer Janßen, Schulleiter an der Oberschule Am Luisenhof, einig.

Smartphone als Anlass

Smartphones seien häufig ein Anlass, berichtete Tanja Buse. Auch wenn sie an den Schulen teilweise verboten sind. Schulleiter Rainer Janßen schätzt, dass die Dunkelziffer sehr hoch sei. Mobbing werde häufig verschwiegen. Obwohl Cybermobbing eher in der Freizeit stattfinde, werde das Problem an den Schulen angegangen. Alle weiterführenden Schulen in Nordenham haben Beratungslehrer oder Schulsozialarbeiter. Regelmäßig finden Präventionsmaßnahmen statt. Es gibt Sozialtrainings und Mobbinginterventionsteams. Dennoch wären mehr Personal sowie Fortbildungen für Lehrer und Schüler hilfreich, sagte Beratungslehrerin Nina Offergeld.

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Mobbing ist kein Kavaliersdelikt

Mobbing kann mit Geld- und Haftstrafen geahndet werden. Rechtsanwalt Bernd Bierfischer zählt vier Straftatbestände auf:
 Beleidigung: Geldstrafe und eine Haftstraße von bis zu einem Jahr. Kommt eine Tätlichkeit hinzu, drohen bis zu zwei Jahre Haft.
 Üble Nachrede: Geldstrafe und bis zu ein Jahr Haft. Üble Nachrede mittels sozialer Netzwerke: bis zu zwei Jahre Haft.
 Verleumdung: Geldstrafe und bis zu zwei Jahre Haft. Verleumdung mittels sozialer Netzwerke: bis zu 5 Jahre Haft.
 Stalking: Geldstrafe und bis zu 3 Jahre Haft. Bei schweren Gesundheitsschäden, muss sich das Opfer zum Beispiel in Therapie begeben, drohen 3 Monate bis 5 Jahre Haft. Begeht das Opfer Suizid, drohen dem Täter 1 bis 10 Jahre Haft.

Aufgrund des großen Interesses an der Infoveranstaltung haben sich die Schulen dazu entschlossen, die Informationsveranstaltung „Whatsapp, Instagram & Co.“ zu wiederholen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest, wird aber rechtzeitig bekannt gegeben, teilen die Veranstalter mit.

Weitere Informationen finden Interessierte auch auf der Homepage des Präventionsrates der Stadt Nordenham. Präventionsbeamter Edwin Krüger hat dort jeweils einen Bereich mit Informationen für Eltern und einen Bereich für Jugendliche eingerichtet.

    www.praeventionsrat-nordenham.com

Während Streitigkeiten früher direkt unter den Beteiligten ausgetragen wurden, ermöglichen es Handys, Beleidigungen auf Fotos und in Filmen festzuhalten und weiterzugeben. „Teilweise haben die Kinder schon in der 2. Klasse ein Handy“, sagte Rainer Janßen. Diesen Trend bestätigte auch der Präventionsbeamte Edwin Krüger von der Polizei Nordenham. Es gebe sogar schon Erzieherinnen im Kindergarten, die sich darüber beschweren, dass Eltern den Kindern ein Smartphone in die Hand drücken, um sie zu beschäftigen.

„Dann wächst natürlich in den Kindern das Begehren“, machte Edwin Krüger die Folgen deutlich. Der Präventionsbeamte empfahl, den Umgang mit sozialen Medien auch im Unterricht zu thematisieren. Auch Eltern sollten seiner Meinung nach einen „Handyführerschein“ machen. Die Geräte ließen sich so einstellen, dass die Kinder vor bestimmten Gefahren geschützt werden, sagte er.

Klare Regeln seien nötig, meinte Edwin Krüger. Das Handy sollte zum Beispiel abends nicht mit ins Kinderzimmer genommen werden. Wenn die Kinder merken, dass jemand gemobbt wird, sollten sie nicht mitmachen, sprach er die jüngeren Gäste an. Wer ein Problem mit jemandem habe, sollte ihn persönlich ansprechen und nicht anschreiben, riet Edwin Krüger. Beim Schreiben bekomme man die Emotionen des Gegenübers nicht mit. Beleidigungen über andere zu schreiben und zu verbreiten, sei feige.

Während die Eltern zunächst noch darüber schmunzelten, dass sie kaum einen der Musiker kannten, die Jugendcoach Daniel El Khatib aufzählte, verging ihnen das Lachen, als der Jugendcoach verdeutlichte, dass Lieder und Fernsehsendungen auch Werte vermitteln. Es sei durchaus wichtig zu wissen, welche Frauenbilder die Musiker zeigen oder wie sie zu Toleranz und Respekt stehen.

Auch Eltern sind Vorbilder. Sie sollten ihre eigene Streitkultur hinterfragen. „Streiten sie konstruktiv und wertschätzend? Oder fallen Vorwürfe und Beleidigungen?“, fragte der Jugendcoach.

Edwin Krüger wies darauf hin, dass auch viele Eltern Fotos ihrer Kinder zum Beispiel auf Facebook posten, ohne die Kinder zu fragen.

„Was ist der Kick beim Mobbing“, wollte Moderator Norbert Hartfil wissen. Daniel El Khatib war selbst schon Mobbing-Opfer, aber auch Täter. Motive gebe es genug, sagte er. In erster Linie ginge es darum, Macht zu demonstrieren. Der Zuspruch von anderen verstärke dieses Machtgefühl, erzählte der Jugendcoach.

Geldstrafen drohen

Dass Mobbing strafbar ist, zeigte Rechtsanwalt Bernd Bierfischer auf. „Beim Cybermobbing kann der Verursacher sich strafbar machen und zivilrechtlich haftbar gemacht werden. Es drohen Geldstrafen, Schadenersatz und Schmerzensgeld – und zwar insbesondere für die Eltern“, sagte er. Wenn die Jugendlichen noch nicht strafmündig sind, kann Mobbing für die Eltern teuer werden. Der Rechtsanwalt schilderte einen Fall, in dem ein Elfjähriger einen anderen mobbte. Das Opfer bekam ein Schmerzensgeld von 1500 Euro zugesprochen. Kosten für die ärztliche Behandlung in Höhe von 15 000 Euro musste die Familie des Täters zahlen.

Und auch Kosten, die für Schäden anfallen, die in Zukunft noch auftreten, gehen auf Rechnung des Täters. Tatbestände sind in den sozialen Medien leicht nachzuweisen. „Das Internet vergisst nie“, sagte Bernd Bierfischer. Chats und Bilder sind nicht weg, wenn sie gelöscht werden. Sie landen in der Cloud und sind dort später noch abrufbar.

In einem Video zum Abschluss wurde das Schicksal der jungen Amanda Todd gezeigt. Sie schilderte auf Zetteln ihren Mobbing-Leidensweg und bat um Hilfe. Das Video war vier Wochen auf Youtube zu sehen gewesen. Niemand hatte darauf reagiert. Amanda Todd nahm sich schließlich das Leben, berichtete Daniel El Khatib.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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