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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

„Die hopsen da rum wie die Kängurus“

20.07.2019

Nordenham „Wir haben mitgefiebert. Wir haben gehofft, dass alles gut geht.“ Gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester hockte auch Hans-Heinrich Berends gespannt vor dem Schwarz-Weiß-Fernseher, als Neil Armstrong vor 50 Jahren als erster Mensch den Mond betrat. Es war mitten in der Nacht – um 3.56 Uhr Mitteleuropäischer Zeit. Am Tag danach gab es kein anderes Gesprächsthema. „Die erste Mondlandung war eine Sensation.“

Hans-Heinrich Berends ist Vorsitzender der Nordenhamer Sternfreunde. Seit 41 Jahren organisiert der Verein Vorträge, um allen Interessierten die Astronomie nahezubringen und bestenfalls dafür zu begeistern. Da spielt natürlich auch der Mond eine Rolle. Aber die astronomische Forschung dringt längst in ganz andere Bereiche des Universums vor. Sie liegen Milliarden von Lichtjahren entfernt. Ist der Erdtrabant da überhaupt noch von Interesse?

Reinhard Herden, Ehrenvorsitzender bei den Sternfreunden, runzelt die Stirn. „Eigentlich nicht“, sagt der 80-Jährige. „Eigentlich stört er eher, weil er die Beobachtung des Sternenhimmels erschwert. „Bei Vollmond überstrahlt das Mondlicht so ziemlich alles. Viele Sterne sind dann nicht zu sehen.“

Historischer Moment

Natürlich hat auch Reinhard Herden vor dem Fernseher gesessen, als die krisseligen Bilder der Apollo-11-Mission live über den Bildschirm flimmerten. „Bis zum Ausstieg aus der Kapsel wollte ich aber nicht gucken. Das war mir zu spät.“ Am nächsten Tag auf der Arbeit erzählten dann die Kollegen im Einswarder Flugzeugwerk von dem historischen Moment. „Die hopsen da rum wie die Kängurus, sagten sie. Es herrschte eine unglaubliche Euphorie.“

Apollo 11 im Kino

Ein Dokumentarfilm mit dem Titel „Apollo 11“ wird am Mittwoch, 28. August, im Nordenhamer Filmpalast an der Hansingstraße gezeigt. Dazu laden die Nordenhamer Sternfreunde ein. Beginn ist um 20 Uhr. Mitglieder haben freien Eintritt.

Die Vereinigung der Sternfreunde Nordenham wurden 1978 gegründet. Dem Verein gehören zurzeit 86 Mitglieder an. Im Gymnasium Nordenham unterhält er ein Planetarium und eine Sternwarte mit verschiedenen Teleskopen. 2006 haben die Sternfreunde ihren Planetenweg fertiggestellt. Er bildet das Sonnensystem im Maßstab Eins zu einer Milliarde ab. Dieser Maßstab lässt den Radius des Sonnensystems auf knapp sechs Kilometer schrumpfen und ermöglicht damit eine Darstellung der Größenverhältnisse. Der Planetenweg beginnt am Union-Pier mit dem Merkur. Der am weitesten entfernte Planet Pluto befindet sich bei der Moorseer Mühle.

Zu erreichen sind die Sternfreunde unter info@sternfreunde-nordenham.de und unter Telefon   0163/7502739.

Nüchtern betrachtet waren die Erkenntnisse für die Astronomie eher überschaubar, findet Reinhard Herden. Aus seiner Sicht stehen die Kosten von 40 Milliarden Euro in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen. Die Mond-Mission sei wohl eher eine Prestigefrage gewesen. Die Amerikaner wollten unbedingt als erste ihre Fahne in den Boden stecken.

Reinhard Herden bestreitet nicht, dass die Apollo-Mission für die Raumfahrt selbst wichtige Erkenntnisse brachte. Und einige nützliche Nebeneffekte wie zum Beispiel die Entwicklung besonders leichter Baustoffe. Die Raumfahrt war ein wichtiger Schritt für die Miniaturisierung der Technik. Wer weiß, ob es ohne die Mondlandung heute Smartphones geben würde? Dass die Teflonpfanne ein Ergebnis der Apollo-Missionen ist, weisen Experten heute allerdings ins Reich der Mythen zurück. Tatsächlich wurde Teflon 1938 von einem gewissen Roy Plunkett entdeckt. 1954 wurde erstmals eine Pfanne mit dem Material beschichtet. Wer sich also darüber freut, dass seine Spiegeleier nicht anbrennen, muss keinen Dankesbrief an die NASA schicken.

Reinhard Herden und Hans-Heinrich Berends haben die Geschichte der Raumfahrt natürlich immer gespannt verfolgt. Die Pläne für eine erneute bemannte Mondmissionen sehen sie aber eher kritisch. Er könne den Sinn nicht erkennen, sagt Reinhard Herden. Der Nordenhamer hat die enormen Kosten und die Umweltverschmutzung im Blick. „Es wäre eine Sünde an der Erde, noch einmal auf den Mond zu fliegen. Es gibt einfach Wichtigeres.“ Wichtiger ist für Reinhard Herden zum Beispiel, unbemannte Raumsonden ins All zu schicken – wegen des höheren Erkenntnisgewinns.

Bald auf den Mars

Die Hobby-Astronomen sind davon überzeugt, dass in absehbarer Zeit Menschen auf dem Mars landen werden. Würden die beiden Sternfreunde gerne mitfliegen? Welchen Planeten im Sonnensystem würden sie sich am liebsten aus der Nähe anschauen? Für Hans-Heinrich Berends steht der Mars an erster Stelle, „weil er der Erde sehr ähnlich ist.“ Reinhard Herden würde sich für den Saturn entscheiden. „Der Saturnring ist faszinierend. Bis heute ist nicht geklärt, warum er sich über Milliarden von Jahren so stabil hält. Ganz dicht heranfliegen und sich diesen Ring aus der Nähe ansehen, das muss fantastisch aussehen.“

An den Mond muss man nicht heranfliegen, um einen Eindruck von seiner Oberfläche zu bekommen. Der lässt sich auch von der Erde aus ganz gut beobachten. Und deshalb sind die Sternfreunde auch dankbar, dass sie ihn haben. Es gibt keinen anderen Himmelskörper, den sie in seinen Strukturen so gut erkennen können. Das liegt natürlich daran, dass er gerade mal schlappe 384 400 Kilometer entfernt ist.

Wenn die Sternfreunde Besuch auf ihrer Sternwarte haben, dann werden die Teleskope zuerst auf den Erdtrabanten gerichtet. Mit 100-facher Vergrößerung lassen sich auch einzelne Krater gut erkennen. Und das ist bis heute faszinierend.


Weitere Berichte unter   www.nwzonline.de/mondlandung 
Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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