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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Projekt In Nordenham: Kinder halten Leihomas fit und aktiv

05.03.2020

Nordenham /Wesermarsch Mit Oma Kekse backen und malen oder mit Opa im Garten werkeln. Aktivitäten wie diese gehören für viele Erwachsene zu den Kindheitserinnerungen. Doch die familiären Strukturen wandeln sich. Viele Kinder wachsen ohne Großeltern auf oder sehen sie nur selten, weil sie nicht in der Nähe wohnen. Weil Jung und Alt aber viel von einander lernen können, entstand das Leihoma-Projekt in Zusammenarbeit des Landkreises Wesermarsch mit der Kreisarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege.

Alle profitieren

Von dem Projekt profitieren alle Beteiligten. Darin sind sich die Nordenhamerinnen Ute Burkhardt, Britta Wilkens und Gunda Praß einig. Sie sind seit Oktober dabei.

Das Leih-Enkelkind von Britta Wilkens ist neun Jahre alt. „Der Junge ist sehr intelligent, und man muss viel mit ihm machen“, schwärmt sie. „Manchmal ist er einfach zum Piepen“, sagt sie lachend, „was der alles sieht. Er guckt auf alles und macht sich zu allem Gedanken.“ Die 66-Jährige stammt aus Karlsruhe.

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Mit ihrem Mann zog sie zunächst nach Fedderwardersiel. Seit drei Jahren leben sie in Nordenham. Ihre Tochter und ihr Sohn sind in Karlsruhe geblieben. Ihre leiblichen Enkel, ein Junge und ein Mädchen, sieht Britta Wilkens deshalb nicht so oft. Ihren Leih-Enkel trifft sie einmal in der Woche. „Ich wollte einen festen Tag haben. Ein paar Mal bin ich auch eingesprungen, aber grundsätzlich treffen wir uns immer freitags“, sagt sie.

Projekt Leihoma

Das Leihoma-Projekt ist ein Projekt des Landkreises Wesermarsch und der Kreisarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege. Es wird über den Landkreis finanziert und dem Bereich „Frühe Hilfen“ zugeordnet. Familien sollen unterstützt und entlastet werden, bevor Probleme entstehen.

Die Koordination liegt beim Caritasverband, über den die Leihgroßeltern auch haftpflichtversichert sind. Projektleiterin ist Verena Rocker.

Eine neue Schulungsrunde startet am Montag, 16. März. Infos und Anmeldungen bei Verena Rocker unter Telefon 0176/47697833 oder leihoma@caritas-wesermarsch.de. Zum Schulungsprogramm gehören Fragen des Datenschutzes und zum Kindeswohl. Die Leihgroßeltern absolvieren auch je einen Kursus Erste Hilfe am Kind und am Säugling. Außerdem informiert Verena Rocker über pädagogische Konzepte.

Seit vier Jahren läuft das Projekt landkreisweit. Inzwischen gehören 18 Senioren zum Pool, darunter auch Großelternpaare. Sie kümmern sich um insgesamt 23 Kinder aus 13 Familien. In Nordenham sind drei Leihomas und ein Großelternpaar im Einsatz.

Wie viel Zeit die Leihgroßeltern investieren wollen und können, sollen sie selbst entscheiden. „Was wir nicht wollen, ist, dass die Kinder ständig bei den Leihomas und Opas ,abgestellt’ werden“, sagt Verena Rocker. Sie seien kein Ersatz für eine Tagesmutter.

Regelmäßig etwa alle acht Wochen treffen sich die Leihomas und -opas zum Austausch. Verena Rocker informiert dabei über pädagogische Konzepte. Und es bleibt immer Zeit zum Klönen. So sind auch unter den Senioren schon neue Freundschaften entstanden.

Ute Burkhardt ist mit ihren Leih-Enkeln noch in der Kennenlernphase. „Es war immer abwechselnd jemand krank, deshalb haben wir noch keine feste Regelung“, sagt sie. Die 66-Jährige betreut ein Geschwisterpaar, zwei Mädchen. Die Familie stammt nicht aus Nordenham. Die Verwandten leben weiter entfernt.

„Ich hab mir erst einmal Spiele gekauft“, erzählt sie. Gemeinsames Kastaniensammeln stand auch schon auf dem Programm. „Wir machen eben alles, was die Kinder wollen und was ich auch will“, sagt sie. Die 66-Jährige hat selbst einen Sohn und eine Tochter. Außerdem ist sie fünffache Großmutter und hat inzwischen auch einen Urenkel.

Als sie ihrer Familie berichtete, dass sie an dem Leihoma-Projekt teilnimmt, fragte sie einer ihrer Enkel – er ist inzwischen 25 – ob sie nicht genug eigene Enkel habe, erzählt sie schmunzelnd. „Soll ich dich noch betüdeln?“, fragte sie den jungen Mann im Gegenzug.

Enkel werden erwachsen

Ein wenig misstrauisch, wieso sich seine Oma einen „neuen“ Enkel sucht, war zunächst auch der Enkel von Gunda Praß. „Er ist zwölf. Er hat inzwischen eigene Interessen. Er fängt an, sein eigenes Leben zu leben“, sagt die 67-Jährige. Auch babysitten müsse sie bei ihm nicht mehr. „Seine Eltern vertrauen ihm, da muss ich nicht mehr dabei sitzen“, findet sie. „Aber ich brauche eine Aufgabe. Ich möchte auch gebraucht werden“, sagt die 67-Jährige. Denn das sei ein schönes Gefühl.

Die beiden Großeltern ihrer Leihfamilie wohnen in Berlin. Die Kinder können sie nicht spontan besuchen. Deshalb sind die Leih-Enkel, ein Junge (4) und ein Mädchen (8), froh, Gunda Praß zu haben. Die Leihfamilie hat mit der 67-Jährigen quasi einen Familienanschluss vereinbart. Der Vater der Familie ist oft beruflich unterwegs. Gunda Praß geht mit der Familie in den Zoo und trifft sich auch mal mit der Mutter ihrer Leih-Enkel zum Kaffee-Plausch.

Auch für Ute Burkhardt bietet das Leih-Oma-Projekt eine neue Beschäftigung. „Ich wollte etwas Sinnvolles machen. Ich kann schließlich nicht den ganzen Tag das Haus putzen“, sagt sie. „Wir wollen nicht diejenigen sein, die auf der Fensterbank lehnen und nur noch die Leute beobachten“, sind sich Ute Burkhardt und Britta Wilkens einig.

Zeit und Austausch

Die Leihgroßeltern sollen kein Ersatz für eine Tagesmutter sein, mahnt Projektleiterin Verena Rocker vom Caritasverband. Dennoch können sie Familien entlasten, damit Eltern mal etwas ohne Kinder erledigen können. Für viele Eltern sei auch der Austausch mit der Leihoma hilfreich.

Und die Kinder freuen sich, wenn ihnen ohne Zeitdruck einfach mal jemand zuhört, sagt Britta Wilkens. Sie profitieren natürlich auch von den Erfahrungen der Leihgroßeltern. „Oma kocht zum Beispiel oft ganz anders“, weiß Verena Rocker. Vielen Eltern sei es einfach wichtig, dass ihre Kinder Kontakt zu älteren Menschen haben. Das ist auch für die Senioren gut. „So wird mein Gehirn gefordert, und ich bleibe aktiv“, sagt Ute Burkhardt.

Merle Ullrich Nordenham / Redaktion Nordenham
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