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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Wissenschaft hart an der Schmerzgrenze

05.10.2017

Oldenburg /Nordenham 100 Meter lang ist der Uferabschnitt, den Katharina Leibing absucht – vom Union-Pier in Richtung Süden. „Eigentlich finde ich hier immer etwas“, sagt die 24-Jährige. Aber diesmal geht sie leer aus. Keine Zigarettenkippen, keine Bierdosen, keine Plastikteile. „Das ist die Ausnahme“, erzählt die Studentin, die zweimal in der Woche mit Klemmbrett, Kugelschreiber, Müllbeutel und Greifzange unterwegs ist und deshalb immer mal wieder von interessierten Spaziergängern angesprochen wird.

Dass sie den Weserstrand in Nordenham mit ihrer Arbeit ein bisschen sauberer hält, ist ein schöner Nebeneffekt. Eigentlich geht es der jungen Frau, die an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg Umweltwissenschaften studiert, um etwas anderes. Sie sammelt Abfall, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wo der Müll herkommt und wie er sich verteilt.

Großes Umweltprojekt

„Qualitative und quantitative Analyse von Makro-Plastik entlang eines Nordseeflusses am Beispiel der Weser“ – das ist der Titel der Bachelorarbeit, an der die Studentin arbeitet. Sie ist ein kleines Mosaiksteinchen in einem groß angelegten Forschungsprojekt. Wissenschaftler des Instituts für die Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg untersuchen die Verbreitung des Konsummülls in der südlichen Nordsee. Sie haben vor allem Plastikmüll im Visier und wollen etwas über die Quellen, über die Verbreitungspfade und über die Verschmutz-ungsgebiete erfahren. Es wird vermutet, dass der Plastikmüll, der die Nordsee verschmutzt, über die Flüsse ins Meer transportiert wird. Katharina Leibing will wissen, ob das wirklich so ist. Eine Mitstudentin macht die gleiche Arbeit an der Ems.

Seit Ende Juli klappert Katharina Leibing immer montags und donnerstags das Weserufer ab. Der Weserstrand in Nordenham ist nur einer von neun Abschnitten, die sie unter die Lupe nimmt. Die aus Holzminden stammende Studentin ist auch am Fähranleger in Blexen unterwegs – außerdem in Brake, Kleinensiel, auf Harriersand und an jeweils zwei Stellen in Bremerhaven und Elsfleth.

Viele Zigarettenkippen

Katharina Leibing kategorisiert den Müll nach Material und nach Größe. Nicht immer sei klar, ob der Müll angeschwemmt wurde oder ob er vor Ort weggeworfen wurde. Besonders häufig findet Katharina Leibing Zigarettenkippen. Aber auch Plastiktüten, Blumentöpfe, Süßigkeitenpapier, Kleidungsstücke und Kinderspielzeug sind schon in ihrem Müllbeutel gelandet.

Hin und wieder kommt die Studentin bei dieser unappetitlichen Aufgabe gefährlich nah an ihre Schmerzgrenze – zum Beispiel, wenn sie Hundekotbeutel mit Inhalt aus der Uferlandschaft fischt. Aber was tut man nicht alles für die Wissenschaft.

„Das Schlimmste, was ich bisher gefunden habe, war ein Dieselkanister mit undefinierbarem Inhalt“, berichtet Katharina Leibing. Diesen Fund machte sie am Nordenhamer Strand. In Blexen ist ihr vor allem der Verpackungsmüll aufgefallen, der zweifelsfrei von Kunden eines Schnellrestaurants in Atens stammt.

„Einen besonders spektakulären Fund hatte ich bisher noch nicht“, sagt Katharina Leibing. Jenseits des wissenschaftlichen Interesses hätte die 24-Jährige nichts dagegen, auch mal eine geheimnisvolle Flaschenpost zu finden.