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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Pausen und Ferien sind hier unbeliebt

27.01.2015

Brake Pünktlich um 11.20 Uhr ertönt die Pausenklingel im Gebäude der Berufsbildenden Schulen Wesermarsch. Wo in anderen Klassenräumen sofort Stifte aus der Hand geworfen und Hefte zugeklappt werden, arbeiten die Sprachlernschüler konzen-triert weiter am Possessivpronomen. „So, wir machen jetzt Pause“, sieht sich Lehrer Malte Philipp gezwungen einzuschreiten. „Musst du Pause machen?“, fragt ein Schüler, die anderen lachen.

Was die Lernmotivation angeht können sich viele Schüler von den jungen Männern und Frauen, die in den Sprachklassen Deutsch lernen, eine Scheibe abschneiden. Malte Philipp ist begeistert von seinen Schülern: „Alle haben schon tolle Fortschritte gemacht und sind mit Feuereifer dabei. Der Unterricht macht mir sehr viel Spaß.“

Gemeinsam mit acht weiteren Lehrkräften betreut er die zwei Sprachklassen, in denen rund 20 Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea, Albanien und vielen anderen Ländern gemeinsam Deutsch lernen. Zusammen verfolgen sie ein Ziel: Sie möchten so schnell es geht die Landessprache beherrschen, um hier eine Arbeit zu bekommen und sich ein neues Leben aufzubauen.

Deshalb sind sie mit großem Engagement bei der Sache und würden am liebsten ohne Pause durcharbeiten, berichtet auch Sozialpädagoge Claus Linhoff. Er ist Ansprechpartner für die Sprachschüler, wenn sie Hilfe bei Behördengängen benötigen oder ein anderes Problem haben.

Deutsch zu lernen ist für die Schüler ein ziemliches Stück Arbeit – gerade für diejenigen, die sich das lateinische Alphabet erst aneignen müssen. Der Bildungsstand der Sprachschüler sei sehr unterschiedlich, weiß Malte Philipp. Manche seien als Analphabeten nach Deutschland gekommen, andere haben in ihrem Heimatland einen guten Schulabschluss erworben.

Nicht nur die Pausen, auch Ferien sind bei den Sprachschülern unbeliebt. Der Grund: zu viel Zeit, zu wenig zu tun. Die meisten sind in Häusern in der ländlichen Wesermarsch untergebracht, von denen man mitunter nur mit dem Schulbus wegkommt. Viele von ihnen würden gern jetzt schon arbeiten, mit schlechten Deutschkenntnissen und einem unsicheren Bleiberecht ist das jedoch schwierig, auch wenn bei vielen die ersten drei Monate, während der Asylbewerber in Deutschland nicht arbeiten dürfen, bereits verstrichen sind.

Auch deshalb sind die Schüler im Deutschunterricht mit voller Konzentration bei der Sache. Und macht jemand einen Fehler, helfen sie sich gegenseitig und verständigen sich mitunter mit Händen und Füßen, berichtet Malte Philipp.

Kira Buchmann, die die Sprachklassen organisiert, ist ebenfalls sehr zufrieden mit dem Engagement der Sprachschüler. Ein großes Problem gibt es allerdings, berichtet die stellvertretende Schulleiterin: Lehrermangel. Für die Sprachklassen gäbe es keine zusätzlichen Lehrerstunden, so dass die insgesamt 60 erforderlichen Stunden an anderer Stelle eingespart werden müssen. „Hier sind der Landkreis und das Land Niedersachsen gefragt, uns bei unserer Arbeit finanziell und personell zu unterstützen“, fordert Buchmann. Sie erinnert an das Recht auf Bildung in Deutschland und benennt das Ziel des Sprachunterrichts: „Wir wollen eine gute Basis für Integration legen.“


Ein NWZ -Spezial gibt es unter   www.nwzonline.de/integration 
Greta Block
Volontärin
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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