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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

„Und keiner spricht Deutsch“

17.04.2018

Rodenkirchen Verena Hohn sprach kein Wort Französisch, als sie von ihrem Chef Marcel Koopmann das Angebot bekam, zwei Wochen in Frankreich zu verbringen. Die 23-jährige Auszubildende im zweiten Lehrjahr ließ sich davon nicht abschrecken und griff zu. Sie hat es nicht bereut.

Fast nur Französisch

„Ich habe neue Erfahrungen gesammelt und an Selbstbewusstsein gewonnen“, sagt die angehende Malerin. Dabei war es für sie nicht immer leicht: „Man steht allein, und keiner spricht Deutsch.“ Wenigstens unterhielten sich die jüngeren Kollegen auf Englisch mit ihr. Die Älteren dagegen blieben standhaft bei ihrer Muttersprache – auch der Chef.

Was tun? „Wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalten, und weil wir alle im selben Beruf tätig sind, wusste ich meistens, worum es geht“, sagt Verena Hohn, die an der Gemeindegrenze zu Augusthausen wohnt. „Und wenn‘s gar nicht mehr ging, habe ich den Google-Übersetzer genommen.“

Es ist das zweite Mal, dass der Rodenkircher Malermeister Marcel Koopmann einem Auszubildenden die Möglichkeit gegeben hat, für zwei Wochen ins Ausland zu gehen. Im Herbst 2013 war der Umschüler Dirk Heidemann in der norditalienischen Stadt Vicenza gewesen. Anders als Verena Hohn hatte er einen einwöchigen Sprachkursus bekommen.

Verena Hohn paukte einige französische Wörter ein, ehe es losging. Ziel war la Rochelle, eine große Hafenstadt an der französischen Atlantikküste. Sie zählt 75 000 Einwohner, der Großraum drei Mal so viele.

Insgesamt neun Auszubildende aus dem Oldenburger Land hatte die Handwerkskammer dorthin geschickt. Sie kamen aus verschiedenen Berufen und übernachteten im Schulinternat der dortigen Handwerkskammer.

Verena Hohn hospitierte bei der Firma Habit. Das ist ein kleiner Malerbetrieb mit fünf Mitarbeitern, darunter zwei Auszubildenden. Marcel Koopmann beschäftigt 22 Mitarbeiter, darunter 4 Auszubildende.

Mit Lösungsmitteln

Verena Hohn fiel gleich auf, dass bei französischen Malern einiges anders ist als bei deutschen. So wird noch Farbe mit Lösungsmitteln gebraucht, und die Pinsel laufen spitz zu. Das war für die Stadlanderin eine Umgewöhnung. Sie war überwiegend in Privathäusern unterwegs.

Übrigens sollte niemand das Wort Austausch allzu wörtlich nehmen, denn Marcel und Gaby Koopmann konnten keinen französischen Auszubildenden aufnehmen, obwohl sie es gern getan hätten. Denn die Gäste wurden nur in Oldenburger Unternehmen eingesetzt.

Verena Hohn hat sich inzwischen ein deutsch-französisches Wörterbuch gekauft und träumt davon, in Frankreich Urlaub zu machen.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203
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