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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Zinzendorfschule: Und jetzt: Einfach nach hinten fallen lassen

11.03.2011

TOSSENS Die Unterarme liegen gekreuzt auf der Brust, die Hände ruhen auf den Schultern, der Blick geht nach hinten. „Seid ihr bereit?“, fragt der Schüler, der kerzengerade auf dem Tisch steht. „Ja“, rufen die acht Klassenkameraden aus der 7 b in seinem Rücken. Der Junge lässt sich nach hinten fallen und landet weich in den 16 Händen seiner Mitschüler.

Wunderbare Erfahrung

Es muss eine wunderbare Erfahrung sein, so von den anderen aufgefangen zu werden, und fast jeder will sie machen. Immer wieder steigen Schüler auf den Tisch, um sich fallen zu lassen und aufgefangen zu werden. „Jetzt sind Sie dran“, ruft jemand Edwin Krüger zu, und Sekunden später kippt der 85 Kilo schwere Polizeikommissar nach hinten. Auch er wird sicher aufgefangen.

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Seit gut zwei Jahren ist der Nordenhamer Polizeibeamte regelmäßiger Gast in der Zinzendorfschule. In zweistündigen Vorträgen schärft er die Sinne der Schüler für Mobbing und Gewaltprävention. „Mobbing beginnt schon in den fünften und sechsten Klassen, ohne dass sich die Schüler bewusst wären, was sie da eigentlich tun“, sagt Edwin Krüger. „Wir wollen sie zum Nachdenken bringen und dazu, sich selbst in Frage zu stellen.“

Jetzt ist er in der Realschul-Klasse 7 b. Diesmal bleibt er nicht zwei Stunden, sondern zwei Tage, und er belässt es auch nicht beim Vortrag. Seit Dezember ist er schon mehrfach mit dem neuen Projekt „Wir sind stark“ in Tossens gewesen, das über Rollenspiele Erfahrungen vermitteln will, die hängen bleiben.

Zum Beispiel die Erfahrung der Geborgenheit in der Klasse. Aber auch die Erfahrung, was Schläge, die die Schüler täglich im Fernsehen, auf der DVD oder im Computerspiel sehen, mit dem Körper anrichten können.

Und Edwin Krüger schickt die Siebtklässler in Situationen, deren Entwicklung sie nicht absehen können. So fordert er Schüler auf, sich an der Klassentür zu sammeln und bittet dann drei weitere, durch diesen Pulk in Richtung Tür zu gehen. Durch diese Tür kommt Krüger selbst – gelangweilt, viel größer und stärker als die Schüler und auf Krawall gebürstet. Wie kommen die drei an ihm vorbei? Einer versucht‘s mit reden, der zweite mit Bestechung, der dritte schlägt zu. Das einzige, was hilft, ist Bestechung.

Aber das kann keine Lösung sein, darüber sind sich die 32 Schüler einig, als sie nach diesem Rollenspiel, wie nach jedem anderen auch, ihr Verhalten besprechen.

„Wer nicht Stopp sagt, gerät in die Opferrolle“, fasst der Schüler Patrick die Lehren aus mehreren Rollenspielen zusammen. „Niemand darf den Angreifer zu nahe an sich heranlassen. Wer in einen Konflikt gerät, muss gerade und aufrecht stehen und darf nicht nach unten schauen.“

Aber was ist, wenn zwei Angreifer kommen wie bei dem Rollenspiel im Schulbus? In dieser Szene hat Edwin Krüger den Schul-Sozialpädagogen Luis Villanes Erquinio dabei, und beide mimen fiese Typen, die es auf einen Schüler abgesehen haben. Hier kann nur noch die Zivilcourage der anderen Passagiere helfen.

Generell helfen bei Gewalt die drei großen L: Licht, Leute, Lärm. Wer nicht im Dunklen steht, in Gesellschaft ist und um Hilfe rufen kann, ist viel weniger gefährdet.

Die Uniform wirkt

Luis Villanes Erquinio ist seit 2007 Schulsozialarbeiter an der Zinzendorfschule. Der 50-jährige gebürtige Peruaner hat – genau wie Dorthe Arens, die Klassenlehrerin der 7 b – die Erfahrung gemacht, dass die schwarze Uniform des Polizeikommissars bei den Schülern mächtig Eindruck macht. Er kommt eben nicht nur darauf an, was gesagt wird, sondern auch, wer es sagt.

Luis Villanes bietet an der Schule neben Sport Sozialtraining an, überwiegend in den Klassen 5 bis 7. Er ist in Vollzeit tätig und leistet 38 Stunden in der Woche. Fast immer kommt er auf Wunsch der Klassenlehrer, entweder zur Krisenintervention oder zur Vorbeugung. Und er bietet Beratungsstunden an – für Schüler, für Eltern und für Lehrer.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
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