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NWZonline.de Region Wesermarsch Bildung

Wie Herkules alle Hürden nehmen

31.05.2017

Brake Den Namen Herkules haben die meisten Flüchtlinge schon einmal gehört. Doch mit dem deutschen Begriff, der ihnen beim Lesen der Nordwest-Zeitung am Dienstag auffällt, können sie nichts anfangen: „Die Integration bleibt eine Herkulesaufgabe über Jahre hinaus?“

 Wer lernt Deutsch?

Acht junge Menschen aus Syrien, dem Irak und der Türkei sitzen in einem Unterrichtsraum der Kreisvolkshochschule an der Bürgermeister-Müller-Straße in Brake zusammen. Erwartungsvoll schauen sie auf Michael Rettberg. Der Leiter des Integrationskurses versucht, den Begriff Herkulesaufgabe verständlich zu machen. „Sobald es bei der Sprache ins Bildhafte geht, wird es schwierig“, weiß der pensionierte Gymnasiallehrer aus Jaderberg.

 Woran hapert es?

Der Begriff Herkules ist nicht die einzige Hürde, die seine Schüler an diesem Morgen nehmen müssen. Geduldig erläutert der 66-Jährige, was es in einem NWZ-Artikel beispielsweise mit Koordinierungskreisen auf sich hat und was sich hinter der Bezeichnung Qualifikationen verbirgt. Das sei zwar weit weg vom Alltagsgebrauch der Sprache, betont Michael Rettberg, aber eine gute Leseübung, um Deutsch besser beherrschen zu können.

Seit gut einem Jahr ist Josef in Deutschland. Der 20-Jährige stammt aus Syrien und möchte eine Ausbildung zum Automechaniker beginnen. Der Integrationskursus läuft seit November, in der kommenden Woche ist die Deutschprüfung angesetzt. Etwas später folgt ein zweiter Teil, der sich Basiswissen über Deutschland nennt. Und dafür wird am Dienstag gelernt.

Während Josef schon beim Jobcenter vorgesprochen hat, weiß Hussein (19) noch nicht, wohin für ihn die Reise gehen soll. Er stammt aus Syrien, hat dort sein Abitur gemacht, möchte sich aber in Deutschland eine Existenz aufbauen.

 Was will man machen?

Konkreter ist es bei Ahmed aus Syrien. In seinem Heimatland hat er Abitur gemacht und möchte eine Ausbildung zum Krankenpfleger beginnen. Auch Khaled, der ebenfalls aus Syrien stammt, hat eine genaue Vorstellung davon, wie es für ihn weitergeht. „Ich möchte Zahntechniker werden“, sagt der 23-Jährige.

 Wie viele nehmen teil?

In dem Kursus saßen anfangs 20 männliche Teilnehmer, die Hälfte ist am Ball geblieben. Die Gründe sind vielfältig. „Die Anforderungen waren zu hoch, manche haben den Ort gewechselt, andere sind traumatisiert und können sich nicht konzentrieren, andere haben anderes im Kopf“, erklärt Michael Rettberg, der den Kursus gemeinsam mit Jaqueline Le Dez und Katharina Bönesch leitet.

 Zertifikate erwerben

Es gibt einen Qualifikationsrahmen für die Abschlüsse. Die Skala reicht von A 1 (ganz einfache Kommunikation im Alltag), über A 2, B 1 und B 2 bis hin zu C 1 und C 2 auf Hochschulniveau. Im Braker Kursus werden die Teilnehmer auf B1-Niveau, einer Vorstufe zum Studium, vorbereitet. Bei der KVHS gibt es insgesamt fünf Sprachkurse, drei davon in Brake und zwei in Nordenham.

 Menschen integrieren

Sein Kursus sei nicht repräsentativ, meint Michael Rettberg. Unter den Teilnehmern würde sich auch ein Tierarzt befinden, zwei hätten Flugzeugtechnik beziehungsweise
Jura in Syrien studiert. „In anderen Kursen ist es mühsamer. Es gibt Analphabeten, die noch Buchstaben lernen müssen, andere üben das Schreiben von links nach rechts“, berichtet er.

Unterricht allein reicht nicht aus. „Man muss offensiv um die Leute werben, sie mit in die Sportvereine nehmen“, betont Michal Rettberg. So seien viele Hürde zu nehmen. Auch das ist eine bildhafte Darstellung, die er seinen Schülern erläutern muss.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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