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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Auf Spurensuche unter Trümmern

17.05.2017

Brake Die Männer haben ganze Arbeit geleistet. Christian Schönberg holt einen braunen Glasbehälter, geht zu der Gruppe, die inmitten der Trümmer steht, und lässt sich von Claus Mansholt etwas Schutt in den Behälter schaufeln. Der Tag verspricht erfolgreich zu werden.

Dungenstraße 41, Dienstagmorgen, kurz nach 10 Uhr, leichter Nieselregen, 12 Grad. Noch immer liegt Brandgeruch in der Luft. Vor einer Woche sind die acht Kegelbahnen des Keglerheims Schirmer abgebrannt. Heute sind Polizeioberkommissar Christian Schönberg (36), Brandermittler bei der Polizei in Brake, und sein Kollege Harry Grotheer (56) – der Kriminalhauptkommissar hat Zeugen und Betroffene befragt – vor Ort. Sie können sich endlich durch die Trümmer arbeiten auf der Suche nach der Brandursache. Mit dabei ist das Team von Claus Mansholt (45), Gruppenführer der Technischen Einsatzeinheit (TEE) der Bereitschaftspolizei Oldenburg.

Ausschlussverfahren

„Wir sind das THW der Polizei“, erklärt Claus Mansholt den Einsatz seiner siebenköpfigen Gruppe. Wie Archäologen würden sie vorsichtig Schicht um Schicht des Trümmerberges abtragen, um Spuren zu finden. An welchen Stellen sie suchen sollen, hat ihnen der von der Versicherung eingeschaltete Gutachter Harald Eden vorher gesagt.

Natürlich haben die örtlichen Experten ihren Kollegen aus Oldenburg ebenfalls Hinweise geliefert. „Wir arbeiten nach dem Ausschlussverfahren“, erklärt Harry Grotheer. „Wir müssen zunächst abklären, ob es ein Schadensereignis war oder eine Straftat.“ Es habe bisher keine Hinweise darauf gegeben, „die auf eine vorsätzliche Straftat hindeuten könnten“, ergänzt Grotheer. „Wir haben also eine Annahme, von der wir hoffen, dass sie sich bestätigt“, erhofft sich der erfahrene Polizist wichtige Erkenntnisse von diesem Ortstermin.

Wer selbst schon einmal im Keglerheim gewesen ist, der erkennt nichts wieder. Lediglich das vordere Gebäude, in dem zuletzt der Gaststättenbetrieb und in früheren Jahren ein Lebensmittelladen untergebracht war, steht noch – wenn auch schwer beschädigt: Fensterscheiben sind zerborsten, verkohlte Holzteile liegen herum und Lachen von Löschwasser haben sich auf dem Fußboden gebildet.

Das hintere Gebäude, also der Bereich mit den acht Kegelbahnen, ist vollständig niedergebrannt. Dachteile, verbogene Heizkörper und Reste von elektrischen Anlagen türmen sich zu einem Trümmerberg. Um die Flammen zu bekämpfen, hatten die Einsatzkräfte zudem eine Mauer niedergerissen. Wie findet man in diesem Chaos eigentlich verwertbare Spuren?

„Wo Putz abgebröckelt oder starke Verrußung zu sehen ist, da waren größere Hitzeherde“, erklärt Harry Grotheer. Dies seien die ersten Bereiche, die näher untersucht würden. „Was befand sich an dieser Stelle, was darunter oder darüber?“ – das seien weitere Kriterien, ergänzt Christian Schönberg. So komme man schrittweise der Ursache näher. „Aber“, räumt Harry Grotheer ein, „eine hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nie“.

Die Ermittler sind an diesem Vormittag schnell vorangekommen; am Nachmittag teilen sie mit, dass „mit hoher Wahrscheinlichkeit ein technischer Defekt“ die Ursache gewesen ist.

Inhaber fassungslos

Jürgen Moosdorf ist erleichtert. Der Inhaber des Keglerheims ist noch immer völlig fassungslos über das Geschehen in der Nacht zu Mittwoch, 10. Mai. Er war mit seiner Lebensgefährtin im Haus, als das Feuer gegen 23 Uhr ausbrach. Die Beiden konnten sich selbst ins Freie retten; sie sind inzwischen bei Verwandten untergekommen.

Besonders bitter: Das Keglerheim hatte Moosdorf erst im Januar geschlossen. Es sollte von Grund auf renoviert werden. Was jetzt wird, hängt vom endgültigen Gutachten des Brandexperten Harald Eden ab und von einer Zahlung der Versicherung. Die Höhe des Sachschadens – verletzt wurde niemand – steht auch eine Woche nach dem Brand noch nicht fest.

Ein Keglerheim wird hier aber nicht mehr entstehen, das steht für Jürgen Moosdorf fest. Seit 1990 war er der gute Geist des Keglerheims.

Auf dramatische Weise ist ein Traditionshaus aus dem Stadtbild verschwunden.


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Torsten Wewer Elsfleth / Redaktion Brake
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