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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Hilfe für die Menschen in Mosambik

18.04.2019

Berne /Gruja-Sede Morgens um 9 Uhr steigt das Outreach Team in die Jeeps, dann geht es los, über Stock und Stein, 45 Minuten, bis es nicht mehr weiter geht. Das Team aus vier Notfallsanitätern und einem Arzt muss den letzten Kilometer zu Fuß zurücklegen, mit der medizinischen Ausrüstung auf dem Rücken.

So sahen die letzten eineinhalb Wochen von Ragino Fagner aus. Der Notfallsanitäter und hauptberufliche Mitarbeiter in der Offshore Rettung im Ortsverband Stedingen, ist mit einem 16-köpfigen Team der Johanniter-Auslandshilfe in Mosambik. Dort will er den Menschen in den am schwersten vom Wirbelsturm Idai (Mitte März) getroffenen Regionen helfen (NWZ berichtete). Für die Johanniter-Soforthilfe geht Fagner zum ersten Mal in einen Auslandseinsatz, doch er war bereits mit Sea Watch im Mittelmeer und mit Cadus im Irak als Notfallsanitäter aktiv.

Mit Helikoptern los

Am 2. April ist der 42-Jährige mit dem Team von Frankfurt aus losgeflogen: „Es war schon eine lange und intensive Flugreise“, wie der Notfallsanitäter in einem Interview mit der NWZ erzählt. Bevor es dann an die eigentliche Arbeit ging, verbrachte das Team zwei Tage in der Emergency Medical Team Coordination Cell, ein Koordinierungsraum für Hilfseinsatzkräfte. „Dort sind sämtliche Hilfsorganisationen vertreten“, sagt Fagner.

Aufgeteilt in zwei Gruppen, wurde das Team dann mit Helikoptern in das Landesinnere gebracht, um sich vor Ort ein Bild zu machen: „eine Gruppe war in Gruja–Sede“, so Fagner. In dem Dorf fanden sie ein überschwemmtes, regionales Gesundheitszentrum vor. „Die medizinische Ausrüstung wurde komplett zerstört“, sagt der 42-Jährige. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Healthpost für 17 000 Menschen zuständig ist, war schnell klar, hier werden sie gebraucht.

Fußballplatz als Basis

Doch bevor die Bevölkerung medizinisch versorgt werden konnte, musste die Base of Operations aufgebaut werden. 45 Minuten vom Dorf Gruja-Sede entfernt, fand das Team einen Fußballplatz. „Es war ein hochbewachsenes Feld, wo noch ein Tor stand“, so der Berner, „hier wohnen wir jetzt seit eineinhalb Wochen und sind gut aufgestellt“. Neben einem Empfangsbereich wurde ein medizinisches Lager errichtet, Sanitäranlagen aufgestellt und Zelte für die Küche, zum Essen und zur Unterbringung des Teams aufgebaut. „Wir haben Moskitonetze über den Feldbetten. Außenrum ist Sumpflandschaft, dementsprechend gibt es Mücken satt“, sagt der 42-Jährige. Doch lange verbringen die freiwilligen Helfer nicht in den Betten: „Wir kriegen sechs bis sieben Stunden Schlaf, das ist ausreichend.“ Zudem sind vor allem die klimatischen Bedingungen eine Herausforderung: „Wir haben Außentemperaturen von 35 bis 40 Grad“, sagt Fagner.

Insgesamt 15 Tonnen Material wurden auf das Feld transportiert. Neben der medizinischen Ausrüstung gehört dazu auch die Infrastruktur: „Wir arbeiten komplett auf Selbstversorgung und haben eine eigene Wasserversorgung“ so Fagner.

Für die Menschen in Gruja-Sede war die Ankunft des Teams mehr als seltsam, wie es der Notfallsanitäter erlebte: „Allein Jeeps sind in dieser ländlichen Region selten, und wenn auf einmal 16 Leute mit einer hellen Hautfarbe auftauchen, die sie auch nur selten zu Gesicht bekommen, eine kleine Zeltstation aufbauen, mit Generatoren und elektrischem Licht, ist das verwunderlich.“ Hinzu kommt, dass viele durch die Erlebnisse eine posttraumatische Belastungsstörung haben. „Inzwischen sind wir gut angekommen und gerngesehen. Wir werden mit Fistpumps und Daumen hoch begrüßt.“

Viele Infektionskranke

Allerdings war bis diesen Montag der Weg ins Dorf nicht mit dem Jeep möglich, und das Team musste die letze Strecke zu Fuß absolvieren. „Ein Kilometer vor Gruja-Sede war die Straße unpassierbar“, wie Fagner sagt. Zwar hat das Team versucht, die Schlammrinnen, wo sie bereits zwei bis drei Fahrzeuge drin „versenkt“ haben, mit Baumstämmen auszubessern, lange hielt das aber nicht: „Zwei Tage ging es, dann kam der Regen und hat alles zunichte gemacht“, erzählt Fagner.

Bei der medizinischen Behandlung selbst war von Anfang an ein massiver Patientenstau: „Die Leute haben seit dem Zyklon keine medizinische Behandlung bekommen. Am Anfang waren es 150 Personen, die gewartet haben“, so der Helfer. Doch diese Anzahl ist für das Team an einem Tag nicht zu stemmen. „Wir sind am Montag mit 80 Patienten an unsere Grenzen gekommen“, sagt Fagner.

In zwei Räumen behandelt das Team die Patienten. In einem davon tragen die Helfer Handschuhe und Mundschutz, denn hier werden die Patienten versorgt, die unter einer Infektionskrankheit leiden. „Wir trennen sie, um die Ansteckung des Personals und der Patienten zu verhindern.“ Besonders hoch sind die Fälle von Fieber, Malaria und Durchfallerkrankungen. Grund dafür sind die Brunnen, deren Großteil von der Flut überschwemmt wurden. „Wir arbeiten mit sogenannten Portable Aqua Units, um das Brunnenwasser zu filtern und das wichtigste Gut der Versorgung, Trinkwasser, aufzubereiten“, erklärt der Freiwillige.

Daneben werden Wunden versorgt: „Wir hatten ein elfjähriges Mädchen, das sich massiv an Heißwasser verbrannt hat. Sie hatte schwere Verbrennungen der Klasse 2B über den gesamten Fußrücken“ erzählt der Berner. „Das ist eine medizinische Herausforderung, tägliche Verbandswechsel, die Schmerzen erträglich halten und die Wundinfektion verhindern.“

Beeindruckt vom Land

Gegen 16 Uhr bricht das Team die Fahrt zurück in die Base of Operation an, wenn kein Notfall passiert. Danach gibt es noch Briefings und Reportings. Viel Freizeit haben die Helfer nicht, „aber die Teamstruktur ist gut, da kann man aufgrund der gegebenen Umstände auf Freizeit verzichten.“ Um trotz der großen Entfernung auch Kontakt in die eigene Heimat zu bekommen, gibt es eine Satellitenverbindung, die W-Lan garantiert: „Die üblichen Messenger-Dienste funktionieren, und wenn irgendwas Wichtiges ist, sind wir jederzeit über Satellitentelefon erreichbar“, sagt Fagner, „meine Mutti weiß, dass es mir gut geht“ fügt er hinzu. Doch der Hauptzweck dieser Verbindung ist ein anderer: „Damit versenden wir Daily Reports. Die Daten werden einheitlich erfasst, um Statistiken zu erstellen, um für zukünftige Großschadenslagen besser aufgestellt zu sein“, erklärt der Notfallsanitäter.

Und trotz der Lage vor Ort, ist der Notfallsanitäter vom Land und den Menschen beeindruckt: „Ich war bisher nur im Norden Afrikas und hatte mich auf eine sehr massive Lage eingestellt. Es ist ein grober Kontrast, weil das Land wahnsinnig schön ist und die Leute hier sehr stolz sind. Sie haben ein starkes Durchhaltevermögen und man sieht trotz der gegebenen Umstände die Freude der Menschen.“

Soeke Heykes Volontär, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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