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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Ein Stück Alltagsgeschichte zum Anbeißen

15.01.2011

ATENS Wer einen alten Bauernhof besitzt und dort in verborgene Winkel vordringt, stößt manchmal auf seltsame Gebrauchsgegenstände früherer Bewohner. Auf solchen Hausrat aus Ururgroßvaters Zeiten ist Heinrich Gröne scharf. Der Rentner aus der Atenser Allee sammelt seit 40 Jahren historischen Hausrat aus der Wesermarsch und hält so ein Stück Alltagsgeschichte lebendig.

Sozusagen Alltagsgeschichte zum Anbeißen sind die Backformen, die Heinrich Gröne bei Haushaltsauflösungen auf Bauernhöfen in der gesamten Wesermarsch und bei Flohmärkten ergattert hat. Vor allem die Utensilien aus Ton sind wahre Schätze, denn nur wenige dürften aus der alten Zeit noch erhalten sein.

Auf offenem Feuer

Ein solcher Schatz ist eine 170 Jahre alte Kuchenpfanne aus Ton. Als der Besitzer eines Bauernhauses zufällig auf sie stieß, konnte er sich nicht vorstellen, wofür sie einmal gut gewesen war. Heinrich Gröne weiß es: Die Bäuerin hat Ballbäuschen drin gebacken – und zwar auf offenem Feuer. Dessen schwarze Spuren sind an der Unterseite der Kuchenpfanne noch zu finden. Die Oberseite dagegen sieht wie geleckt aus dank der Salzlasur.

Sie wurde aufgetragen, damit das Fett, in dem die Ballbäuschen gebacken wurden, nicht in den Ton eindrang. Auch mit ihrer Form sparte die Kuchenpfanne Fett.

Heinrich Gröne vermutet, dass sie in der Lüneburger Heide hergestellt worden ist. Dort gab es damals, vor allem rund um Celle, wegen den tonhaltigen Bodens viele Töpfereien.

Gebacken wird, seitdem die Menschen das Getreide kultivieren. Einen großen Aufschwung nahm diese Hausarbeit am Ende des 18. Jahrhunderts, als der Zucker auch für etwas weniger betuchte Zeitgenossen erschwinglich wurde. Zuvor wurde mit Honig gebacken. Allerdings war der Rohzucker damals noch braun und mit allerlei Rückständen versetzt, so dass die Hausfrau ihn vor Gebrauch raffinieren und abklären musste. Von vier Pfund Rohzucker blieb so ein Pfund Haushaltszucker übrig, hat Heinrich Gröne im Museumsdorf Hösseringen im Landkreis Uelzen erfahren.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das offene Feuer nach und nach von Kochmaschinen abgelöst, oft unprosaisch Kohlenherde genannt. Sie hatten ein Backfach, in das die Gugelhupf-Form passte. Heinrich Gröne hat ein Exemplar aus der Zeit um 1850. Es ist rund, hoch und hat in der Mitte einen Kamin, damit der Teig gut durchgebacken wird.

Biblisches Backwerk

Außerdem kamen spezielle Formen auf, Herzen etwa und biblische Symbole wie der Fisch und das Osterlamm. In manchen Haushalten kam statt eines Fisches eben ein fischförmiger Kuchen auf den Tisch. Neben den Tonformen gab es auch Kupferformen – bei den ältesten aus der Zeit um 1860 sind die Hammerschläge noch zu erkennen – und solche aus Gusseisen. Speziell Kupferformen waren sehr widerstandsfähig, die gusseisernen fielen besser nicht auf den Boden. Dafür waren sie billiger, weil sie von den Herstellern gusseisernen Öfen nebenbei angefertigt wurden.

Tiere aus Schokolade

Aus den 20er Jahren stammen Gussformen aus Zinn für Schokolade und Marzipan. Damit konnte die Hausfrau einen nicht unwesentlichen Teil des Tierreiches als mundgerechte Portionen auf den Teller bekommen.

Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2203

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