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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

„Die Kinder hatten Panik, richtig Panik“

16.07.2018

Fedderwardersiel /Burhave Das war auch für Hartmut Dierks kein alltäglicher Einsatz. Er hatte am Freitagabend um 22 Uhr gerade Feierabend – er ist hauptberuflich Kabelwerker – und hatte es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht, da kam um kurz vor 23 Uhr die Alarmierung von der Seenotleitung in Bremen, dass er mit dem Seenotrettungskreuzer „Hermann Onken“ sofort zu einem Einsatz auslaufen müsse.

Schon um 23.05 Uhr sticht Vormann Hartmut Dierks mit seinen beiden Kollegen Uwe Kähler und Malte Linneweber von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Fedderwardersiel mit dem Seenotrettungsboot in See. Es ist bereits dunkel. Doch auch der Rettungshubschrauber Christoph 26 wurde alarmiert. Die Besatzung des Hubschraubers hat die drei in Not geratenen Menschen auf einer Sandbank im Watt vor der Nordseelagune bereits ausgemacht.

Ein 39-jähriger Vater aus Bad Gandersheim mit seinen beiden Söhnen, neun und 15 Jahre alt, steht bereits bis zum Hals im Wasser. Deshalb kann der Hubschrauber nicht landen. „Die Flut kommt unheimlich schnell“, weiß auch Hartmut Dierks. Mit dem Suchscheinwerfer des Rettungshubschraubers fixiert die Besatzung den Vater und seine Söhne, so dass Hartmut Dierks und seine Mannschaft nicht lange in der Dunkelheit suchen müssen. Sie können die drei in Not geratenen direkt ansteuern.

An Land ist zeitgleich ein Großaufgebot von rund 60 Rettungskräften im Einsatz, schätzt Markus Felske von der DLRG Butjadingen. Die freiwilligen Feuerwehren Burhave, Stollhamm und Tossens sind angerückt, zwei Rettungswagen des Rettungsdienstes Wesermarsch und ein Notarzteinsatzfahrzeug stehen bereit. Rettungsschwimmer der DLRG Butjadingen bereiten sich vor. Sie sollen vom Hubschrauber aufgenommen werden und zu den in Not geratenen ins Wasser gelassen werden. Doch dazu kommt es nicht mehr.

Hartmut Dierks, Uwe Kähler und Malte Linneweber haben den Vater und seine Söhne erreicht. „Die Kinder hatten Panik, richtig Panik“, erzählt Hartmut Dierks. Ihre angsterfüllten Hilferufe können er und seine Crew auch auf dem Boot hören, trotz des dröhnenden Motorenlärms von Rettungsboot und Hubschrauber.

Den Neunjährigen hat der Vater auf den Arm genommen. Mit der anderen Hand hält er seinen 15-Jährigen Sohn fest, damit er nicht von der Strömung mitgerissen wird. Die Seenotretter ziehen erst die Kinder an Bord. Dann den 39-jährigen Vater. Während die Crew versucht, die Kinder zu beruhigen, ist der Vater still. „Ich denke, er stand unter Schock“, sagt Hartmut Dierks. „Er hat nicht viel gesprochen. Das einzige, was er wollte, war eine Zigarette“, erinnert sich Hartmut Dierks. Das war eine Rettung im allerletzten Moment, ist sich der Vormann sicher. „So hatte er noch Grundberührung, wenn er erstmal gegen die Strömung hätte anschwimmen müssen... Es wird einem erst im Anschluss bewusst, was da alles hätte passieren können“, sagt er.

„Ich kann auch nur Hut ab für den Touristen sagen, der den Notruf gewählt hat. Wenn er nicht angerufen hätte, hätte man die drei nie gefunden“, ist sich der Seenotretter sicher. „Die drei haben Riesenglück gehabt. Und das am Freitag den 13.“, sagt Hartmut Dierks.

Merle Ullrich
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2202

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