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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Feldtelefon in höchster Not die Rettung

15.06.2017

Brake Ein Mann spielt mit seinen Kollegen mit Lego. Die kleinen bunten Bausteine werden zu Fantasiegebilden zusammengesteckt. Dann greift einer zum Funkgerät. Er kontaktiert seine Kollegen im Nachbarraum und erklärt, wie sein Bauklotzturm aussieht. Und dann bauen die mit ihren Steinen eins zu eins den gleichen Turm. Wer macht denn sowas? Und vor allem: Warum?

Langeweile? Ein Spleen? Ein schräges Hobby? Nein: Thomas Hillen und seine Kollegen bereiten sich damit – und mit vielen weiteren Übungen – auf einen Katas-trophenfall in der Wesermarsch vor. Hillen leitet die „Zentrale Information und Kommunikation“ (IuK), die dem Katastrophenschutz im Landkreis angehört. Seine Einheit bildet die technische Schnittstelle in der Kommunikation zwischen Stabsstelle und Einsatzkräften vor Ort. Sie müssen Informationen auch dann noch übermitteln, wenn das Mobilfunknetz in die Knie gegangen, das Internet ausgefallen ist und auch kein Festnetztelefon mehr funktioniert. Ein Szenario, das sich kaum einer vorstellen kann. Aber wirklich ein unrealistisches? „Nein, so unrealistisch nicht“, sagt Matthias Wenholt, Dezernatsleiter beim Landkreis Wesermarsch und verantwortlich für den Katastrophenschutz. Schwere Stürme und Hochwasser könnten beispielsweise die Wesermarsch treffen und lahmlegen. Aber auch Stromausfälle aufgrund von Schwankungen im Netz seien denkbar. Thomas Hillen erinnert zum Beispiel an wochenlange Stromausfälle vor einigen Jahren in Teilen Nordrhein Westfalens, nachdem Strommasten unter der Last von Schnee und Eis umgeknickt waren.

„Fällt der Strom aus, sind Akkus innerhalb von Stunden leer und alles bricht zusammen“, so Hillen. Im Keller des Braker Kreishauses, wo die Zentrale IuK untergebracht ist, laufen dann die noch vorhandenen analogen Telefonleitungen heiß. „Bis Ende 2018 soll leider analoge Telefonie komplett abgestellt werden“, weiß Hillen. Dann wird gefunkt. Aber auch das geht nur begrenzt: 72 Stunden wolle das Land Niedersachsen über Aggregate im Notfall den Betrieb des Digitalfunks für Einsatzkräfte aufrecht erhalten. Bricht das Netz zusammen, schlägt die Stunde der alten Technik. Dann greift Thomas Hillen mit seinem elfköpfigen Team auf Analogfunk zurück. „Und auf den klassischen Feldkabelbau“, sagt Hillen: „Ackerschnacker.“ Heißt? „Wir verlegen dann Kabel.“ Rund vier Kilometer Strippe könnte die Zentrale IuK derzeit von A nach B ziehen und über jahrzehntealte Schaltzentralen vernetzen.

Und wenn wirklich nichts mehr geht, müssen Melder losgeschickt werden. Die fahren dann zu den Einsatzkräften, verschaffen sich Informationen und melden diese zurück an den Stab und übermitteln dann wieder Einsatzbefehle an die Kräfte vor Ort.

„Der Stab muss Entscheidungen treffen können. Deshalb ist Kommunikation das A und O“, sagt Matthias Wenholt: „Wir müssen wissen, wo die Infrastruktur kritisch ist. Ob zum Beispiel ein Altenheim evakuiert werden muss und ob Straßen und Schienen frei sind.“

Die Rolle, die die Zentrale IuK im Katastrophenfall einnimmt, ist also eine wichtige. Hillen und seine Kollegen müssen enorm viele Informationen verarbeiten, sie müssen exakt und eindeutig kommunizieren, immer die Nerven und die Übersicht behalten – ein Ehrenamt, für das Thomas Hillen noch Mitstreiter sucht: „Blaulicht-Action können wir nicht bieten, aber es ist spannend bei uns.“ Und über alte Kommunikationstechnik aus dem Feldkabelbau würde sich das Team ebenfalls freuen. Der Kontakt kann über thomas.hillen@lkbra.de oder www.iuk-zentrale.de aufgenommen werden.

Die Vorbereitung auf den Ernstfall ist für Einsatzkräfte Tagesgeschäft. Aber wie sieht es mit den Bürgern aus? Thomas Hillen rät dazu, ein paar Vorräte – vor allem Wasser und haltbare Lebensmittel – anzulegen und stromunabhängige Alltagsgegenstände im Haus zu haben. Ein batteriebetriebenes Radio zum Bespiel. Was benötigt wird, verrät eine Checkliste, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zur Verfügung stellt unter


     www.bbk.bund.de