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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Gute Stube für Matrosen aus aller Welt

08.04.2017

Brake Wenn Ralf Schaefer am Braker Kai an Bord eines Frachters geht, braucht er Fingerspitzengefühl. Er weiß nicht, welche Stimmung ihn an Bord erwartet. Die Seeleute sind oft schon monatelang unterwegs, haben auf der Fahrt durch Nord- oder Ostsee wenig geschlafen, die Liegezeiten in den Häfen sind kurz.

Als er an Bord der „Seacliff“ aus Panama geht, steht die Mannschaft schon an Deck und wartet. Eine freundliche Begrüßung auf Englisch, Ralf Schaefer lacht und schüttelt viele Hände. Die Besatzung kommt größtenteils von den Philippinen und bestürmt den 70-Jährigen sofort mit Fragen. Wo kann man einkaufen? Wo Dollars tauschen? Wo ist der Clubraum? Schaefer hat Antworten für die Seeleute.

Er ist Vorsitzender der Seemannsmission Unterweser und arbeitet schon seit vielen Jahren als einer von sieben Bordbesuchern in den Häfen Brake, Nordenham und Elsfleth.

Weinende Männer

Im Team der Seemannsmission Unterweser engagieren sich neben den Bordbesuchern auch elf Frauen und Männer im „Seamen’s Club“ im Hafengebiet. Dort können die Seeleute ihre Abende verbringen, es gibt eine gemütliche Theke, Bücher, Fernsehen und einen Computerraum mit moderner Ausstattung und Internet. Der ist sehr gefragt, denn dort können die Besucher des Clubs per Video mit ihren Familien telefonieren. „Das ist hier oft ein richtiges Sprachgewirr“, erzählen die Mitarbeiter. Ausgeschenkt werden nur Bier und Getränke ohne Alkohol, es gibt Chips und Kekse. Damit auch die Seeleute von den Schiffen in Nordenham und Elsfleth den Club besuchen können, werden sie von den Mitarbeitern der Seemannsmission mit Shuttlebussen abgeholt. Drei Abende die Woche betreuen sie den Club, an den anderen drei Abenden versieht das Team der katholischen Mission „Stella Maris“ aus Bremen den Dienst.

Als Seelsorger für die Seemannsmission ist der Golzwarder Pastor Dirk Jährig verantwortlich. „Egal welche Konfession unsere Besucher haben – wir praktizieren hier gelebte Nächstenliebe“, erklärt er. Nicht immer verlaufen die Videogespräche der Seeleute nach Hause positiv. Auch weinende Männer haben die Mitarbeiter des Clubs schon vorm Computer sitzen sehen. Über das richtige Verhalten in solch schwierigen Situationen tauschen sie sich in der Teambesprechung aus.

3078 Besucher hatte der Seamen’s Club im vergangenen Jahr. Finanziert wird er durch einen Zuschuss der evangelischen Landeskirche, eine Tonnagenabgabe der Reeder und Schiffsagenten. „Diese Abgabe ist freiwillig. Doch fast alle bezahlen sie, denn sie wissen, wie wichtig unsere Arbeit ist“, erklärt Ralf Schaefer. Er ist mit den anderen Bordbesuchern im vergangenen Jahr auf 217 Schiffe gegangen, zu 1096 Seeleuten hatten sie Kontakt. Da kommen eine Menge Gespräche zusammen. „Wir gehen gern zu zweit an Bord, sonst ist man schnell überfordert“, erklärt Rolf Kühn, der auch als Bordbesucher arbeitet. Wie er kommen die meisten Teamkollegen selbst aus der Seefahrt und kennen die Probleme der Besatzung. Einfach ist es trotzdem nicht. „Oft ist die Situation an Bord angespannt. Auf dem Schiff herrscht eine strenge Dienstgradgesellschaft. Über private Dinge wird nicht vor den anderen geredet. Jeder will seine Anliegen schnell gelöst haben. Manchmal ist das belastend für uns“, sagt Kühn. Doch er hat auch Geschichten parat, die ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern. „Ich traf einmal auf einen russischen Kapitän, der konnte das Essen seiner philippinischen Mannschaft nicht mehr ertragen. Mit ihm war ich dann ein schönes Schnitzel essen.“ Da fällt auch Ralf Schaefer etwas ein: „Ich habe für einen Schiffingenieur sogar mal ein Ersatzteil besorgt und auch gleich angeschweißt“, erinnert er sich.

Fahrt nach Saigon

Das ist auf der „Seacliff“ nicht nötig. Im Maschinenraum läuft alles rund, davon überzeugt sich Schaefer selbst. Als ehemaligen Schiffsingenieur zieht es ihn auf jedem Schiff hinab ins laute und heiße Herzstück. Mit Kapitän und erstem Offizier bespricht er vorher noch einen Shuttledienst zum Famila-Markt, die ersten Seeleute sind schon zu Fuß aufgebrochen zum „Seaman’s Club“. Zufriedene Gesichter, Händeschütteln.

Ralf Schaefer geht mit einem guten Gefühl die Gangway hinunter. Die nächsten Häfen für die „Seacliff“ sind Klaipeda in Litauen und Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) in Vietnam. Der Besuch in Brake wird den Seeleuten auf ihrem Weg über die Weltmeere dank Ralf Schaefer positiv in Erinnerung bleiben.

 Die Seemannsmission Unterweser freut sich über neue ehrenamtliche Helfer. Kontakt: Telefon  04401/ 855425 (Dirk Jährig).

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Deutsche Seemannsmission | Famila-Markt