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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Hilfe gibt es nicht zum Nulltarif

13.01.2017

Nordenham Das Problem ist erkannt, aber eine Lösung noch nicht in Sicht. In einer Sondersitzung, der eine Ortsbesichtigung vorausgegangen war, hat sich der Sozialausschuss des Stadtrates am Mittwochabend mit den Zuständen in der Obdachlosenunterkunft an der Walther-Rathenau-Straße befasst. Die gut einstündige Diskussion endete ohne greifbare Ergebnisse. Jetzt ruhen die Hoffnungen auf den Verhandlungen mit dem Landkreis Wesermarsch. Die Stadt Nordenham möchte dabei erreichen, dass sich der Kreis an Hilfsangeboten für die Bewohner der Notunterkunft beteiligt. Wie diese Angebote genau aussehen könnten, ist allerdings noch offen.

Ein Zeitdruck besteht nach Auffassung des Ausschussvorsitzenden Nils Humboldt (SPD) nicht. „Es gibt keinen dringenden humanitären Handlungsbedarf“, lautete seine Erkenntnis zum Ende der Sitzung, in der Sozialamtsleiter Rudolf Müller einen ausführlichen Bericht über die Situation in der Notunterkunft vorgetragen hatte. Nach Darstellung des Amtsleiters sind die Mängel in den Wohnungen zum großen Teil von den dort lebenden Menschen selbst verschuldet.

Selbst verursacht

Rudolf Müller räumte zwar ein, dass der bauliche Zustand des Hauses, das die Stadt von der Gemeinnützigen Nordenhamer Siedlungsgesellschaft (GNSG) angemietet hat, „nicht unseren Vorstellungen von Wohnen“ entspricht. Aber die Beschädigungen und Verunreinigungen hätten die Bewohner verursacht und könnten daher nicht der Stadt oder der GNSG zum Vorwurf gemacht werden. Das Hauptproblem liegt nach Ansicht des Sozialamtsleiters darin, dass die „Leute sich nicht ändern wollen“. Daher sei es nicht möglich, sie in Wohnungen von Privatvermietern unterzubringen.

In der Notunterkunft für Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, leben zurzeit elf Frauen und Männer. Drei der zwölf Wohnungen sind momentan nicht belegt. Die Kosten für die Kaltmiete belaufen sich auf 78 bis 113 Euro im Monat. Zu jeder Wohnung gehört eine eigene Toilette; mit Duschen sind sie allerdings nicht ausgestattet. Alle zwölf Wohnungen sind an eine Zentralheizung angeschlossen.

Die Bewohner der Obdachlosenunterkunft nutzen regelmäßig den Tagesaufenthalt des Diakonischen Werks an der Friedrich-Ebert-Straße. Dessen Leiterin, Karin Springer, nahm als Gast an der Ausschusssitzung teil. Sie machte deutlich, dass es sich bei den Betroffenen um „kranke Menschen“ handele. Weil sie unter Alkoholismus oder psychischen Störungen litten, sei ihnen der Zustand ihrer Wohnungen ziemlich egal. Der CDU-Ratsherr Dr. Hans Schmid wies darauf hin, dass es Therapien für solche Fälle gebe. Dem stimmte die Leiterin des Tagesaufenthalts mit der Einschränkung zu, dass die Teilnahme an einer therapeutischen Behandlung freiwillig sei und oft scheitere beziehungsweise von vornherein abgelehnt werde.

„Kranke Menschen“

Nach Einschätzung der Diakonie-Mitarbeiterin wäre es sinnvoll, eine entsprechend ausgebildete Fachkraft einzustellen, die regelmäßig in der Notunterkunft nach dem Rechten sieht. Ein solcher Sozialarbeiter müsse einerseits Fingerspitzengefühl, andererseits aber auch Durchsetzungsvermögen haben.

Bürgermeister Carsten Seyfarth bestätigte, dass eine „aufsuchende Sozialarbeit“ ein Lösungsansatz wäre. Allerdings stelle sich dabei die Frage der Finanzierung. Und es dürfte auch nicht einfach sein, eine geeignete Betreuungskraft zu finden. Davon abgesehen, könne den Betroffenen nur geholfen werden, wenn sie sich auch helfen lassen wollen. „Allein mit gutem Zureden ist da nichts zu machen“, sagte der Bürgermeister. Die Möglichkeit, verwahrloste Menschen zwangsweise unter Betreuung zu stellen oder sie in eine Psychiatrie einzuweisen, sei auch in schweren Fällen kaum anzuwenden. „Davor hat der Gesetzgeber sehr hohe Hürden gestellt“, sagte Carsten Seyfarth. Letztlich müsse sich die Stadt entscheiden, ob sie sich der Probleme annehmen und trotz ungewisser Erfolgsaussichten dafür Geld ausgeben wolle.

Sobald feststeht, wie der Landkreis Wesermarsch die Sache sieht und ob für ihn eine Kostenbeteiligung an einer Sozialbetreuung in Betracht kommt, will sich der Ausschuss erneut mit dem Thema befassen.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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