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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Kirschen gibt’s nur in der Klinik

24.09.2016

Brake Mit einem Blumenstrauß geht Monika Oeltjen den Flur entlang. Sie hat gerade ihre 1000. Dialyse überstanden. Ein solches Jubiläum ist nur angesichts der enormen medizinischen Entwicklung möglich geworden. Und das wird trotz ihrer schweren Krankheit gefeiert.

Eine Wüstenwanderung

Vor sieben Jahren fing es an. Die heute 48-Jährige hatte zuvor schon Probleme mit Nierensteinen gehabt, irgendwann funktionierte die Nieren nicht mehr richtig. Seitdem kommt Monika Oeltjen drei Mal die Woche für vier Stunden in die Dialysepraxis am St. Bernhard-Hospital, um sich einer Dialyse zu unterziehen. Schmerzhaft sei es nicht, aber anstrengend. „Wie eine Wüstenwanderung“, sagt Dr. med. Ulrike Heinsohn, Fachärztin für Nephrologie und Dialyse, die Oeltjen zusammen mit ihrer Kollegin Dr. med. Constanze Meentzen betreut. Schließlich wird dem Körper auch Wasser entzogen.

70 000 Patienten in Deutschland

Die Dialyse kommt zum Einsatz, wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeitet.

Die Behandlung wird auch Blutwäsche genannt. Da die Nieren nicht mehr dazu imstande ist, werden dabei giftige Stoffe und überschüssiges Wasser aus dem Blut gefiltert.

Etwa 70 000 Patienten in Deutschland werden langfristig mit der Dialyse behandelt. Eine endgültige Nierenschädigung, die „terminale Niereninsuffizienz“, ereilt in Deutschland jährlich etwa 175 Personen pro eine Million Einwohner. Die Anzahl steigt pro Jahr um etwa drei bis fünf Prozent.

In der Dialyse hat jeder seinen Stammplatz. Morgens um 6 kommt Oeltjen in der Regel hier her, um sich an das Dialyse-Gerät anschließen zu lassen. Familiär geht es hier zu, jeder kennt jeden. Über die Dialyse wird hier auch geredet, aber vor allem über private Themen. Wie geht es der Familie, wie war der Tag, was macht der Hund? Während der vierstündigen Behandlung schauen die Patienten fern, lesen ein Buch, unterhalten sich mit anderen Patienten. „Es stellt sich als normal ein“, sagt Monika Oeltjen. „Es gehört zum Leben dazu.“

Einen Vorteil bringt die Dialyse für Nierenerkrankte mit sich: Die Patienten können währenddessen das essen, was sie normalerweise nicht dürfen. Denn normalerweise kann die Niere bestimmte Nahrungen nicht verarbeiten. Monika Oeltjen zum Beispiel hat zuhause einen Garten, in dem Kirschen wachsen. Bevor es zur Dialyse geht pflückt sie sich welche, um sie dann bei der Dialyse zu essen.

Wenn Monika Oeltjen Urlaub machen möchte, ist die Praxis dabei behilflich: Sie sucht für die Patientin eine Dialyse-Praxis im Urlaubsort heraus – schließlich kann die Behandlung nicht unterbrochen werden. „Ich habe schon Urlaub in Osnabrück oder Stuttgart machen können“, erzählt die 48-Jährige. Und trotz der Dialyse war es für sie eine schöne Erholung. Auch die Dialysepraxis am St. Bernhard-Hospital bietet Plätze für Patienten an, die Urlaub in der Wesermarsch machen.

Raucher gefährdet

„Durch Aufklärungsmaßnahmen, regelmäßige Routineuntersuchungen und frühzeitige Vorstellung beim Nephrologen“ – einem Nierenarzt – „lassen sich Nierenerkrankungen häufig früher und besser behandeln“, sagt Dr. med. Heinsohn. „Dadurch kann das Eintreten einer Dialysepflichtigkeit verzögert oder auch verhindert werden.“ Diabetes oder Bluthochdruck würden zu einem Nierenschaden führen. Besonders gefährdet seien aber Raucher.

Monika Oeltjen konnte durch die Dialyse geholfen werden. Und trotz der Wüstenwanderung lächelt die 48-Jährige. Eines Tages, so hoffen sie und die Ärzte, wird sie eine neue Niere bekommen. Dann könnte sie auch endlich wieder unbeschwert die Kirschen aus ihrem eigenen Garten essen.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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