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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Rodenkircher Markt: Mehr als 140 Retter proben den Ernstfall

19.09.2014

Rodenkirchen Notarzt Dr. Olaf Hesper traut seinen Augen nicht: Während er am Ausgang von Böselers Festzelt einem Schwerverletzten beisteht, randaliert Zentimeter neben ihm ein Betrunkener. Zwei Feuerwehrmänner packen den Randalierer, doch der entwickelt schier übermenschliche Kräfte. Es dauert mehr als eine Minute, bis ihn draußen endlich ein Polizist niederringt. Dann klicken die Handschellen.

Sie sind echt – genau wie der Polizist, die Feuerwehrmänner und der Notarzt. Alles andere ist eine Übung. Schauplatz ist an diesem Mittwochabend der fast vollständig aufgebaute Rodenkircher Markt. Die Rettungskräfte wollen so realitätsnah wie möglich testen, ob ihre Alarmpläne, die auf dem Papier perfekt funktionieren, auch einer echten Gefahrenlage standhalten.

Ein Horrorszenario

Diese echte Gefahrenlage ist ein Horrorszenario, das sich keiner der Beteiligten wünscht. Angenommen wird ein Kleinbrand in Böselers Festzelt bei Marktbetrieb. Ein Kleinbrand klingt auf den ersten Blick nicht aufregend, aber 15 Verletzte durch Trauben von möglicherweise alkoholisierten Menschen in Sicherheit zu bringen, ist eine Herkules-Aufgabe. Es gibt Schätzungen, nach denen bei Hochbetrieb 35 000 Menschen gleichzeitig auf dem Marktplatz sind.

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Kurz nach 19 Uhr beginnt die Übung: Eine Verpuffung löst das Feuer nahe der Festzelt-Bühne aus. Die Anwesenden löschen es weitgehend selbst. Doch in dem voll besetzten Zelt gibt es mindestens zehn Verletzte; Näheres ist zunächst nicht bekannt. Der Notruf eines Zeugen läuft bei der Großleitstelle in Oldenburg auf, die sofort den Alarmplan für Brände mit mehr als 10, aber weniger als 25 Verletzten in Kraft setzt. Die Großleitstelle alarmiert die Feuerwehr Rodenkirchen, die an diesem Abend wie in den heißen Phasen des Marktes mit 9 Leuten im Feuerwehrhaus Brandwache hält, und die Johanniter, die sich ebenfalls im Feuerwehrhaus bereit halten.

Das Problem: Weil der Marktplatz voller Menschen ist, kommt hier kein Rettungsfahrzeug durch. Deshalb braust die Feuerwehr mit dem Hilfeleistungs-Löschfahrzeug (HLF) zur Marktstraße und hält gegenüber dem Schreibwarenladen. Von hier aus verlegen die Brandretter drei Schlauchlängen zum Festzelt und starten den Löschangriff. Hydranten gibt es auf dem Marktplatz schon seit Jahren nicht mehr, denn bei Hochbetrieb sind sie nicht zugänglich, wie Jürgen Rohde sagt, der Pressesprecher der Feuerwehr. Sekunden später sind auch die Johanniter da und kümmern sich bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes um die Verletzten.

Währenddessen baut die Schnelle Einsatz-Gruppe (SEG) von Johannitern und Deutschem Roten Kreuz in der Fahrzeughalle des Feuerwehrhauses eine Sammelstelle für die Verletzten mit Feldbetten auf. Insgesamt sind 50 Helfer von DRK und Johannitern im Einsatz, dazu kommen 25 THW-Leute.

Schnell operieren

Notarzt Dr. Olaf Hesper sieht sich die 15 Opfer an und stellt fest, dass fast alle bei der panikartigen Flucht verletzt worden sind. Die Patienten mit inneren Blutungen müssen schnellstmöglich operiert werden, deshalb werden die Krankenhäuser Nordenham und Brake sofort benachrichtigt, sagt der Leitende Notarzt Dr. Thomas Schwarzbach. Für die Opfer mit Verbrennungen sucht die Großleitstelle Spezialkliniken in Hamburg, Hannover oder gar dem Ruhrgebiet. Das macht sie aber nur virtuell, denn echte Patienten dürfen durch die Übung nicht gefährdet werden.

Feuerwehrleute transportieren Verletzte auf Tragen zum Feuerwehrhaus. Inzwischen sind alle Brandretter aus Rodenkirchen und Schwei alarmiert – insgesamt 45 sind herbeigeeilt. Das reicht nicht für die kräftezehrenden Transporte. Deshalb verpflichten sie Schaulustige zur Hilfe. Auch der zufällig anwesende parteilose Bürgermeister-Kandidat Holger Boomhuis muss mit anpacken. Nach zwei Transporten braucht fast jeder eine Pause.

Um ein Verkehrschaos zu verhindern, fahren die Rettungswagen nicht direkt zur Feuerwehr, sondern sammeln sich unweit der ehemaligen Hosenfabrik Mack, wo das Technische Hilfswerk (THW) Nordenham einen ausgeleuchteten Sammelplatz eingerichtet hat. Nach und nach holen die Rettungswagen die Verletzten ab.

Nach weniger als zwei Stunden ist das letzte Opfer auf dem Weg ins Krankenhaus; der letzte Schwerverletzte war es schon nach einer Stunde. Damit zeigen sich die beiden Einsatzleiter, Ortsbrandmeister Frank Volkmann und Hans Bruns, Organisationsleiter der Rettungsdienste, in einer ersten Bilanz zufrieden. Bei der anschließenden Manöverkritik werden ihnen aber noch einige Schwachpunkte auffallen.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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