• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Was tun, wenn der Ernstfall eintritt?

21.03.2019

Nordenham Für Aufregung sorgte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ein Beitrag in einer Nordenhamer Facebook-Gruppe. Bei einer Schwangeren war die Fruchtblase geplatzt. Das Paar rief den Notruf an, dort wurde der Fall aufgenommen, doch der Mitarbeiter riet dem Paar, selbst ins Krankenhaus zu fahren, da es sich um keinen Notfall handele.

Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass im Februar die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Helios-Klinik in Esenshamm geschlossen wurde, ein Horrorszenario für werdende Mütter in der Region. Aber was sollen schwangere Frauen tun, wenn der Ernstfall eintritt? Nicht jede Geburt ist automatisch ein Notfall, sagt Stefan Abshof von der Einsatzorganisation der Großleitstelle Oldenburger Land.

Grundsätzlich solle im Zweifel aber jeder, der sich schlecht fühle und nicht weiter wisse, den Notruf anrufen, stellt Stefan Abshof klar. „Wir sind für jeden Notfall da!“, betont er. Auch er hat von dem in Facebook geschilderten Fall gehört. Dieser habe sich inzwischen geklärt, sagt er. Die Mitarbeiter der Leitstelle haben noch einmal Kontakt zu dem Anrufer aufgenommen.

Strukturierte Abfrage

In der Großleitstelle fragen die geschulten Mitarbeiter die Situation strukturiert ab. Anhand der abgefragten Informationen bewerten die Mitarbeiter die Situation und entscheiden, ob ein Rettungswagen nötig ist oder nicht. Denn „nicht jeder Anruf ist gleich ein Rettungswageneinsatz“, erklärt Stefan Abshof. Dieses Vorgehen sei notwendig, damit Notfälle, in denen es unter Umständen um Leben und Tod geht, nicht hintenanstehen müssen, macht er deutlich.

Eine normale Geburt sei in dem Sinne kein Notfall, sie könne aber unter Umständen zu einem Notfall werden, sagt Hebamme Heike Stefanoff aus Nordenham. Sie ist seit 33 Jahren im Beruf. „Ein Blasensprung ist erstmal ein ganz normaler Geburtsbeginn“, sagt sie. Doch jede Geburt und jede Frau sei anders. Eine Geburt sei etwas sehr Individuelles, sagt auch ihre Kollegin, Hebamme Ines Bohnhoff aus Nordenham. Sie ist seit über 26 Jahren Hebamme.

Wie es Mutter und Kind tatsächlich geht, könne nur eine Untersuchung klären. Im Falle von Blutungen oder extrem starken Wehen sollten die Schwangeren nicht zögern, einen Rettungswagen zu rufen. Beide Hebammen raten dazu, im Zweifel auf jeden Fall den Notruf zu wählen.

Wenn sich der kindliche Kopf im Becken schon festgesetzt hat, sei es normalerweise kein Problem, wenn das Fruchtwasser abläuft. Liegt das Köpfchen noch nicht fest, bestehe die Gefahr, dass sich die Nabelschnur vorschiebt und das Kind sich bei der Geburt dadurch selbst die Sauerstoffzufuhr abdrückt. In diesem Fall sollte die Frau liegend transportiert werden. Eine Geburt dürfe also nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sind sich die beiden Hebammen einig.

Frauen sind verunsichert

In der Regel teile der behandelnde Arzt den Schwangeren mit, ob sich der Kopf des Kindes schon festgesetzt hat. „Wenn wir die Frauen selbst betreuen, wissen wir das natürlich auch“, sagt Heike Stefanoff. Doch der Hebammenmangel und zunehmend auch der Ärztemangel zeichnet sich gerade auf dem Land immer deutlicher ab.

Die aktuelle Situation nach der Schließung der Geburtshilfestation sorge natürlich für zusätzliche Verunsicherung unter den werdenden Eltern. Es sei wichtig, sich für den Ernstfall rechtzeitig einen Plan zurechtzulegen, rät Ines Bohnhoff. Wer kann fahren, wenn die Schwangere allein ist, kein Auto vorhanden ist, oder wenn der werdende Vater sich schlichtweg nicht in der Lage fühlt, ruhig genug zu bleiben, um die werdende Mutter sicher ins Krankenhaus zu bringen.

Das sei bisher weniger problematisch gewesen, da sich die schwangeren Frauen einfach ein Taxi gerufen haben, um in die Klinik zu fahren, weiß Heike Stefanoff. Doch mit dem Taxi nach Varel oder Bremerhaven zu fahren, sei eine lange Strecke. „Vielleicht kann man vorher mit der Krankenkasse klären, ob die Kasse eine Fahrt mit dem Taxi ins Krankenhaus übernimmt“, rät Ines Bohnhoff.

Um so wichtiger sei es jetzt, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. In anderen Regionen würden Hebammen und Ärzte gerade im ländlichen Bereich engmaschig zusammenarbeiten, damit Frauen im Ernstfall eine Anlaufstelle haben, auch am Wochenende. Wie die Geburtshilfe in der Region in Zukunft geregelt wird, dürfte eine interessante Angelegenheit werden. Die Geburtshilfeabteilung in Esenshamm wurde für viele überraschend geschlossen. „Und jetzt sieht man erst langsam, was da alles dran hängt“, sagt Heike Stefanoff.

Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

NWZonline.de/gesundheit
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

Merle Ullrich Nordenham / Redaktion Nordenham
Rufen Sie mich an:
04731 9988 2202
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.