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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Wenn die Vorfreude in Panik umschlägt

13.02.2019

Nordenham Wenn die erste Geburt überstanden ist, sehen die meisten Mütter dem zweiten Mal mit weniger Sorgen und Ängsten entgegen. Bei Nina Schoenlau, die in zehn Wochen ihr zweites Kind erwartet, ist es genau anders herum.

Vor der Geburt ihrer Tochter Greta war die Nordenhamerin „ganz entspannt“, weil die Anfahrt zum Kreißsaal nur ein paar Minuten dauerte und ihr das vertraute Umfeld der Geburtsabteilung in der Wesermarsch-Klinik viel Sicherheit gab. Als Nina Schoenlau erfuhr, dass der Krankenhausbetreiber Helios die Geburtshilfe und die Gynäkologie aufgibt, war das ein großer Schock für sie. „Jetzt bin ich in Panik vor der nächsten Geburt“, sagt Nina Schoenlau. Dabei schwingt auch Ratlosigkeit mit. Für sie und viele andere schwangere Frauen ist es ein Unding, dass im Norden der Wesermarsch keine Geburtshilfeeinrichtung mehr bestehen soll.

Nina Schoenlau gehört zu den Gründungsmitgliedern einer Elterninitiative, die den Wegfall des Geburtshilfeangebots nicht einfach hinnehmen will, sondern eine Ersatzlösung fordert. Und zwar schnellstmöglich.

Weite Anfahrten nach Cuxhaven oder Oldenburg

Sie alle sind darüber entsetzt, dass Schwangere gezwungen werden sollen, zur Niederkunft weite Anfahrten nach Oldenburg, Varel, Cuxhaven oder Bremerhaven in Kauf zu nehmen. Hinzu kommt die Befürchtung, in der Anonymität einer Großklinik nur noch eine Nummer zu sein.

Nina Schoenlau hat bereits vor einigen Tagen an einer Kreißsaal-Besichtigung in Varel teilgenommen – die Gruppe bestand aus etwa 80 Leuten. „Wie soll das funktionieren?“, fragt sich die Nordenhamerin angesichts des riesigen Andrangs.

Jana Bens, eine Mitstreiterin aus der Elterngruppe, hat eine Hausgeburt in Erwägung gezogen. Aber da spielt ihr Mann nicht mit, weil der die Befürchtung hat, dass es Komplikationen geben könnte und dann kein Arzt zur Verfügung steht. Also doch ein Krankenhaus. Nur welches? Jana Bens will sich demnächst den Kreißsaal in der Cuxhavener Helios-Klinik ansehen. Sie glaubt, dass es dort persönlicher zugeht als im großen Zentralkrankenhaus Bremerhaven-Reinkenheide. Der Nachteil: Cuxhaven ist 70 Kilometer von Nordenham entfernt. Das bedeutet eine Anreisedauer von fast einer Stunde.

„Die Stimmung ist geladen“

„Das Thema brennt vielen unter den Nägeln“, sagt Julia Bittner, „die Stimmung ist geladen.“ Die zweifache Mutter möchte in nicht allzu ferner Zeit ein drittes Kind zur Welt bringen. Aber wo? Sie hofft inständig, dass die Versorgungslücke in Nordenham geschlossen ist, wenn es soweit ist.

Julia Bittner ärgert sich, dass die Helios-Geschäftsführung „macht, was sie will“. Die Schließung der Geburtshilfe-Abteilung in der Wesermarsch-Klinik ist für sie ein „unglaublicher“ Vorgang. Die Nordenhamerin sieht jetzt die Politik in der Pflicht, etwas gegen den Missstand zu unternehmen und ein Sofortprogramm auf die Beine zu stellen.

Da der Landkreis Wesermarsch für die Gesundheitsversorgung zuständig ist, will sich die Elterninitiative an die Kreistagsfraktionen wenden. Die Gründungsmitglieder der Gruppe haben beschlossen, ein Konzept mit konkreten Vorschlägen auszuarbeiten.

Es muss etwas neues angeboten werden

Mit dabei ist die Nordenhamer Hebamme Heike Stefanoff, die freiberuflich tätig ist und nicht zu den fünf Geburtshelferinnen zählt, die in einem Angestelltenverhältnis in der Helios-Klinik beschäftigt waren. Sie befürchtet, dass es in Folge der Kreißsaal-Schließung zu einem verschärften Hebammenmangel in der nördlichen Wesermarsch kommt. Das werde zwangsläufig Engpässe bei den Vorbereitungskursen für Schwangere und bei der Nachsorge mit sich bringen. Für das Aus der Abteilung in der Helios-Klinik hat Heike Stefanoff keinerlei Verständnis, zumal die Geburtenzahlen steigen. „Keiner weiß, wie es weiter geht“, sagt sie, „das ist wirklich schlimm.“ Es müsse unbedingt etwas Neues angeboten werden; am besten in Verbindung mit einer Elternschule.

An dem ersten Treffen der Elterninitiative nahmen auch die SPD-Stadtratsmitglieder Claudia Freese und Nils Humboldt teil. Sie unterstützen die Gruppe und wollen sich dafür einsetzen, dass es so schnell wie möglich wieder eine Geburtshilfeeinrichtung im Norden der Wesermarsch gibt. Vorzugsweise in den Räumlichkeiten der Helios-Klinik. Als seine „Wunschvorstellung“ nannte Nils Humboldt ein kommunales Versorgungszentrum in Trägerschaft des Landkreises Wesermarsch.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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