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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Familie der Vermissten dankt den Helfern

24.08.2019

Nordenham Es gibt ein Handy-Video, das Marianne Röver beim Nordenhamer Stadtfest zeigt. Ihre Schwiegertochter Kerstin Röver hat es im vergangenen Jahr aufgenommen. Es ist Disco-Musik zu hören. Marianne Röver tanzt fröhlich und ausgelassen mit einer Pflegerin. Wenn sich Kerstin und ihr Mann Hans-Gerd Röver das Video anschauen, dann fällt die bleierne Schwere, die sie zurzeit erleben, für einen kurzen Moment von ihnen ab. Aber dann ist es wieder da. Dieses Gefühl der Ohnmacht. Die zermürbende Sorge. Der Gedanke an die Mutter. Was ist mit ihr passiert? „Man wacht morgens mit diesem Gedanken auf und geht abends damit ins Bett“, sagt Kerstin Röver.

Suche erfolglos

Seit über zwei Wochen ist Marianne Röver verschwunden. Die 81-Jährige lebte in einem Seniorenheim in Phiesewarden. Am Donnerstag, 8. August, meldete das Pflegepersonal die Frau als vermisst. Die Polizei startete sofort eine Suchaktion. Auch Hans-Gerd Röver und seine Frau machten sich auf den Weg. Die ganze Nacht fuhren sie mit dem Auto die Umgebung ab. Auch am nächsten Tag. Mehrere Hundestaffeln suchten nach der Vermissten. Die Feuerwehr war im Einsatz. Die DLRG. Ein Hubschrauber kreiste tagelang über dem Gebiet, in dem die Vermisste vermutet wird. Rund 25 Freiwillige machten sich nach einem Facebook-Aufruf mit Autos, Fahrrädern und zu Fuß auf den Weg, um Marianne Röver zu suchen. Aber all diese Bemühungen blieben bisher ohne Erfolg. Die Spur der Vermissten verliert sich am Abbehauser Weg 3 kurz vor Stollhamm. Bis dorthin hat ein Spürhund die Polizei geführt.

Die quälende Ungewissheit nagt an den Angehörigen. Aber sie haben auch einen großen Wunsch. Sie möchten sich bei allen bedanken, die bei der Suche mitgeholfen haben. Der Rettungshundestaffel Unterweser haben sie eine Spende zukommen lassen. „Es waren viele Ehrenamtliche im Einsatz, um bei der Suche nach meiner Mutter zu helfen“, sagt Hans-Gerd Röver. Außerdem habe die Familie ganz viel Zuspruch und Anteilnahme erfahren. All das sei für ihn bei aller Sorge um seine Mutter ein schönes Zeichen der Menschlichkeit.

Spur führt bis kurz vor Stollhamm

Zuletzt gesehen wurde Marianne Röver am Donnerstagabend, 8. August, gegen 19.30 Uhr von einer Joggerin am Buttelwarfer Weg in Phiesewarden. Die Seniorin ist etwa 1,65 Meter groß und hat kurze graue Haare. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens trug sie eine hellblaue Jacke und eine schwarze Hose. Ihre Spur verliert sich in Höhe des Abbehauser Wegs 3 in der Nähe von Stollhamm.

Auch der Polizei möchte der 59-Jährige, der mit seiner Frau in Kleinensiel lebt, danken. „Sie hat alles Menschenmögliche getan, um meine Mutter zu finden.“ Und noch etwas möchte das Ehepaar unbedingt loswerden: „Wir machen dem Pflegepersonal, das an dem Tag Dienst hatte, keinen Vorwurf.“

Die Frau, die immer lachte

Im Gegenteil. Hans-Gerd Röver erzählt, dass seine Mutter sehr gut betreut wurde. Seine Frau Kerstin erzählt von den vielen Ausflügen, die ihre Schwiegermutter erlebt hat. Sie erinnert sich daran, wie Marianne Röver mitgeschunkelt hat, wenn in Fedderwardersiel ein Shantychor sang. Die 60-Jährige zeigt ein Video, auf dem Marianne Röver bei einem Ausflug ins Blexer Seniorenzentrum zu sehen ist. Zu hören ist das Lied „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ von Hans Albers. Und zu sehen ist eine strahlende Frau, die fröhlich mitsingt. Kerstin Röver hat auf ihrem Smartphone mehr als 500 Bilder von ihrer Schwiegermutter. Es gibt kein einziges, auf dem sie nicht lacht. Auch für ihre Hilfsbereitschaft war Marianne Röver bekannt. Von der Tagespflege an der Walther-Rathenau-Straße, die sie bis zu ihrem Umzug ins Pflegeheim regelmäßig besuchte, hat sie mal eine Urkunde dafür bekommen. „Sie wollte immer, dass es jedem gut geht“, sagt Kerstin Röver.

Aber es gab auch ein Problem. Immer wieder ist Marianne Röver, die vor neun Jahren ihren Mann verloren hat, aus dem Pflegeheim ausgebüxt. „Und diese Tendenz hat sich in den vergangenen Monaten verstärkt“, erzählt ihr Sohn. Die aufkommende Demenz war der Grund dafür, warum er vor zweieinhalb Jahren keine andere Möglichkeit sah, als seine Mutter in ein Pflegeheim zu geben. „Eine geschlossene Einrichtung kam für meine Mutter aber nicht in Frage. Da wäre sie eingegangen wie ein Primel.“

Marianne Röver ist immer wieder auf eigene Faust unterwegs gewesen. „Jeder in Phiesewarden kannte sie“, erzählt ihre Schwiegertochter. Hans-Gerd Röver hatte schon darüber nachgedacht, ob ein Ortungssystem für seine Mutter und auch für das Pflegepersonal eine gute Lösung wäre. Es gibt solche Systeme. Demenzkranke, die zum Weglaufen neigen, bekommen zum Beispiel ein Armband mit GPS-Tracker. Das Problem: Juristisch sind solche Systeme umstritten. Viele Gerichte sehen darin einen Eingriff in die Freiheitsrechte. Hans-Gerd Röver hat dafür kein Verständnis. Für ihn sind solche Systeme eine gute Sache, weil sie dem Schutz von Menschen dienen, die schutzbedürftig sind.

Glücklich in der Demenz

Die Demenz der Seniorin hat die ganze Familie vor eine große Herausforderung gestellt. Aber das Lachen und der Humor sind dabei nie auf der Strecke geblieben. Hans-Gerd Röver spricht nicht davon, dass seine Mutter an Demenz gelitten hat. „Sie hat nicht gelitten, sie war glücklich in ihrer Demenz.“

Inzwischen spricht er solche Gedanken in der Vergangenheitsform aus. Er hat so gut wie keine Hoffnung mehr, dass seine Mutter noch lebend gefunden wird. Immer wieder denkt er darüber nach, welche Angst sie empfunden haben muss, als sie allein in der Dunkelheit unterwegs war. Auf dem Weg vom Pflegeheim bis zu der Stelle, an der sich ihre Spur verliert, gibt es nichts außer Weiden, Bauernhöfen und einigen verstreuten Häusern. „Ich hätte kein Problem damit, wenn meine Mutter irgendwann friedlich eingeschlafen wäre. Aber so hat man keine Chance abzuschließen“, sagt der Sohn. Und deshalb hofft er, dass seine Mutter bald gefunden wird. Und mit ihm hofft die ganze Familie, zu der drei Enkel und drei Urenkel gehören. Alle sind unendlich traurig. Alle können die quälende Ungewissheit kaum ertragen. „Ein Abschluss und dann endlich zur Ruhe kommen.“ Das ist es, was sich Hans-Gerd Röver und seine Frau wünschen.

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Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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