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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Islamische Gemeinde in Nordenham steht unter Schock

11.09.2018

Nordenham Die türkisch-islamische Gemeinde Nordenham steht unter Schock. Unbekannte Täter haben in der Nacht zu Montag die Selimiye-Moschee an der Walther-Rathenau-Straße beschmiert. „Moschee Nein Danke“ steht mit schwarzen Buchstaben auf der Fassade geschrieben. Die Außenwand des Gebetshauses und die Fenster sind mit einer roten Substanz beschmiert worden. Außerdem hatten die Unbekannten Reste von Fleischprodukten vor die Moschee geworfen.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Sie hofft auf Zeugenhinweise, um die Tat aufzuklären. Bei den Ermittlungen geht es in erster Linie um Sachbeschädigung. Weil ein politischer oder religiöser Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, ist auch die Abteilung Staatsschutz der Polizeiinspektion in Delmenhorst an den Ermittlungen beteiligt. Zeugenhinweise nimmt die Polizei unter Telefon   04731/99810 entgegen.

kommentar

Ekelhafte Botschaften

Jens Milde

Es ist keine drei Wochen her, dass unbekannte Täter die Stadt mit ausländerfeindlichen Aufklebern übersät haben. Und jetzt die Schmierereien an der Moschee. Die ekelhaften Botschaften zeugen davon, dass auch in Nordenham das braune Gesindel aus seinen Löchern kriecht, in der Regel bei Nacht und Nebel. Noch trauen sie sich nicht ans Licht wie zum Beispiel in Chemnitz. Damit das so bleibt, braucht es ein starkes Signal derjenigen, die Interesse an einem friedlichen Miteinander in unserer Stadt haben.

Viele Nordenhamer haben der türkisch-islamischen Gemeinde ihre Hilfe bei der Beseitigung der Schäden angeboten und im Internet ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht. Das ist ein gutes Zeichen. Je mehr Nordenhamer sich auf die Seite der Vernunft schlagen und dies auch offensiv gegenüber ihren Mitmenschen vertreten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die rechten Hetzer wieder in ihre Löcher zurückziehen.

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Gerade erst renoviert

Es war der Sohn eines Gemeindemitglieds, der am Montagmorgen auf dem Weg zur Schule die Schweinerei entdeckte, berichtet Tanser Oral vom Vorstand der türkisch-islamischen Gemeinde. Und wie alle anderen Gemeindemitglieder ist auch er fassungslos. Die Fassade der Moschee sei gerade erst für einen fünfstelligen Betrag renoviert worden, sagt er. Ob die Versicherung den nun entstandenen Schaden abdeckt, müsse noch geklärt werden.

Tanser Oral ist am Montagmorgen extra von seiner jetzigen Arbeitsstelle in Hamburg zurück nach Nordenham gefahren, um sich den Schaden anzusehen und die Polizei bei ihren Ermittlungen zu unterstützen. Er geht davon aus, dass die Tat einen ausländerfeindlichen Hintergrund hat. Schon vor knapp drei Wochen war die Fassade der Moschee an der Walther-Rathenau-Straße ebenfalls von unbekannten Tätern mit ausländerfeindlichen Aufklebern verunstaltet worden. Damals waren diese Aufkleber im ganzen Stadtgebiet zu sehen. Sie klebten unter anderem an Laternenpfählen, Verkehrsschildern und Buswartehäuschen.

Kein Kinderstreich

Schlimmer noch als der materielle Schaden wiegt die Angst, die sich unter den Gemeindemitgliedern breit macht, sagt Tanser Oral. „Wir wissen schließlich nicht, wo das alles noch hinführt.“ Natürlich hofft er, dass die Polizei die Täter schnell erwischt. „Die Schmierereien sind definitiv kein Kinderstreich.“

Für Tanser Oral ist es naheliegend, dass die hitzige Debatte über die Flüchtlingspolitik und Ereignisse wie in Chemnitz eine Stimmung geschaffen haben, in der sich einige Menschen zu ausländerfeindlichen Straftaten ermutigt fühlen. Er ist davon überzeugt, dass es auch in Nordenham eine rechtsradikale Szene gibt, „obwohl das für viele ein Tabuthema ist.“

Solidarität für Nordenhamer Muslime in den sozialen Medien

Inwieweit das Engagement der Gemeinde für Flüchtlinge eine Rolle bei der Tat spielt, darüber könne er nur spekulieren. Tander Oral weist darauf hin, dass viele Flüchtlinge in die Moschee kommen. Außerdem unterstützen einzelne Gemeindemitglieder Flüchtlinge bei der Integration. Darüber hinaus habe sich die Gemeinde immer für Offenheit und ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen eingesetzt. In den vergangenen Jahren habe die Moschee immer wieder Besuch von Nordenhamer Schulen bekommen. Darüber hinaus lade die Moschee unter anderem einmal im Jahr zum Tag der offenen Tür ein, sagt das Vorstandsmitglied.

Jens Milde
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2205

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