• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Hauruck-Abriss oder Gefahrenabwehr?

14.09.2018

Nordenham Viele Anwohner der Abrissbaustelle des ehemaligen Nordenhamer Krankenhauses sind irritiert und auch empört: Völlig überraschend haben Mitarbeiter des vom Helios-Konzern beauftragten Abbruchunternehmens Mittwochnachmittag den Schornstein des ehemaligen Heizhauses der am 13. Mai vergangenen Jahres stillgelegten Klinik abgebrochen. Anwohner sind in Sorge, dass dabei gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt worden sein könnten. Denn bekannt war, dass untersucht werden sollte, ob eine Dioxinbelastung vorliegt. Im Heizhaus waren Klinikabfälle aller Art verbrannt worden.

Schwarze Rauchwolke

Ein Anwohner sagte besorgt der NWZ, dass der Abbruch ohne Einhausung vollzogen worden sei und eine dicke schwarze Rauchwolke herausgetreten sei. Andere berichten, es habe „gestaubt wie verrückt“. Mit dieser speziellen Art einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ habe es sich die Firma offenbar leicht und kostengünstig machen wollen.

Tatsache ist: Der Sprecher der neuen Helios-Klinik in Esenshamm, Christoph Reiprich, hatte für Dienstag nächste Woche zu einem Pressetermin anlässlich des dann geplanten Abrisses eingeladen. Über die vorgezogenen Arbeiten ist Helios nicht informiert worden und weist daher alle Verantwortung der Abbruchfirma zu. Das in der Stadt Borna bei Leipzig ansässige Unternehmen verwies dagegen am Donnerstag auf Helios. Nur Helios dürfe Auskunft geben. Helios hatte zuvor aber die Firma gebeten, die Presse zu informieren.

„Es ist überhaupt nichts Schlimmes passiert, außer dass der Abrisszeitpunkt außerhalb der Planung lag“, gab Donnerstagmittag vor Ort Lutz Geißler Entwarnung. Er arbeitet für die von Helios beauftragte Ingenieurgesellschaft von Lieberman (Hamburg). Seine Aufgaben sind Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordination sowie Bauüberwachung.

Ziel war: Staubarm

Ebenso wie Helios ist auch Lutz Geißler von dem Hauruck-Abriss kalt erwischt worden. „Das wird Konsequenzen haben“ sagte er auf Nachfrage der NWZ, ließ aber offen, für wen. „Der Termin am Dienstag stand“, fügte er nur hinzu. Ihm zufolge war geplant, den Schornstein am Dienstag „systematisch staubarm herunterzubrechen“ und dabei Stück für Stück Proben zu nehmen, um festzustellen, ob eine Dioxinbelastung vorliegt und folglich eine Entsorgung als Sondermüll nötig ist. Eine Einhausung sei nicht geplant gewesen, weil nicht nötig.

Schadstoffgutachten

Laut Lutz Geißler liegt ein Schadstoffgutachten aus dem Jahr 2003 vor, wonach der Mitte der 1990er Jahre stillgelegte Schornstein nur in einem von insgesamt sieben Zügen (Schornsteinrohre im Innern) dioxinbelastet war.

Die Proben sollen Aufschluss geben, ob diese Belastung inzwischen ausgewaschen ist oder noch Reste vorhanden sind. „Ich bin zu 80 Prozent sicher, dass keinerlei Dioxin mehr nachweisbar ist“, sagt Lutz Geißler.

Gewissheit können erst die Untersuchungen der Proben bringen, die jetzt aus dem mit Folien abgedeckten Schutt gewonnen werden. Den Unterschied zwischen Probe-Entnahmen während eines stufenweisen Abrisses und Probe-Entnahme nach einem Komplett-Abriss bezeichnet Lutz Geißler als marginal.

Gefahr im Verzug

Warum aber hat die Abrissfirma nicht bis Dienstag gewartet? Nach den Feststellungen von Lutz Geißler waren die Mitarbeiter im Kellerbereich des jetzt – bis auf Erdgeschoss-Ruinen – oberirdisch vollständig abgerissenen Klinik-Hauptgebäudes tätig. Dabei ist der Schornstein in Schieflage geraten. Er drohte umzustürzen. Zur Abwehr dieser akuten Gefahr sei der sofortige Abriss mit Baggereinsatz nötig gewesen. Anwohner bezweifeln diese Darstellung. Lutz Geißler hält sie dagegen für plausibel, räumt aber ein, dass die Arbeiter auch an einer anderen Kellerecke hätten weiterarbeiten und so eine Gefährdung eventuell ausschließen können.

Warum das nicht geschehen ist, bleibt unklar.

Nach Angaben von Baudezernentin Ellen Köncke ist die Stadt Nordenham weder Genehmigungs- noch Kontrollbehörde für die Abrissarbeiten. Zuständig seien für die Emissionen der Landkreis und für die Arbeitssicherheit das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt in Oldenburg.

Landkreis zuständig

Das bestätigt Landkreis-Pressesprecher Matthias Sturm und teilt auf Anfrage mit: Der Landkreis habe bisher keine Erkenntnisse darüber, ob während des Schornstein-Abrisses gefährliche Emissionen aufgetreten sind.

Der Leiter des Gewerbeaufsichtsamtes, Uwe Rottmann, auf Anfrage der NWZ: „Auch wir waren vom Abrisstermin nächste Woche ausgegangen und hätten uns das hinsichtlich des Arbeitnehmer-Schutzes gerne angeguckt. Allerdings gibt es keine rechtliche Verpflichtung für das Abrissunternehmen, uns über eine solche Terminänderung zu informieren.“ Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamtes seien bereits mehrfach vor Ort in Nordenham gewesen, hätten bei ihren Kontrollen bisher aber keine gravierenden Verstöße gegen Arbeitsschutzvorgaben festgestellt.

Verzögerung

 Unterdessen ist der Abschluss des Klinikabrisses erneut in Verzug geraten. Lutz Geißler bezweifelt, dass er bis Ende dieses Monats vollendet werden kann. Es sei von Ende Oktober auszugehen. Helios besteht aber auf Ende September und verweist auf eine entsprechende verbindliche Vereinbarung.

Horst Lohe
Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2206

Weitere Nachrichten:

Gewerbeaufsichtsamt

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.