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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Überwachungskamera filmt drei vermummte Täter

13.09.2018

Nordenham Eine spontane Tat, womöglich unter Alkoholeinfluss, sieht anders aus. Zielgerichtet bewegen sich die drei Gestalten aus der Dunkelheit auf die Selimiye-Moschee zu. Auf dem Parkplatz sprechen sie sich kurz ab und verteilen die Aufgaben. Alle drei haben sich Kapuzen über die Köpfe gezogen, um nicht erkannt zu werden. Das gelingt allerdings nur zum Teil. Bei der Gestalt ganz vorne handelt es sich offensichtlich um eine junge Frau. Sie ahnt nicht, dass sie von einer Videokamera gefilmt wird, als sie eine Spraydose zückt und damit beginnt, die Wand des islamischen Gotteshauses mit Farbe zu besprühen.

Unterdessen beschmiert einer ihrer Begleiter die Wände und die Fenster mit einer Flüssigkeit aus einer Flasche. Der andere hat kleine Pakete dabei. Darin befinden sich Lebensmittel aus Schweinefleisch, die vor das Haus geworfen werden.

Kamera an der Hauswand

Diese Szenen sind auf einem brisanten Video zu sehen, das im Internet die Runde macht. Es stammt aus der Überwachungskamera, die den Parkplatz der Moschee an der Walther-Rathenau-Straße Straße im Blick hat. Die Datumsangabe zeigt Montag, 10. September, an. Uhrzeit: 1.23 Uhr.

Nach etwa einer Minute ist der Spuk vorbei, das Trio verschwunden und der Parkplatz wieder leer.

In vielen Whatsapp-Gruppen ist der Schwarz-Weiß-Film bereits aufgetaucht und wird munter weitergeleitet. Auch in der NWZ-Redaktion ist das Video angekommen. Auf eine Veröffentlichung im Internet verzichtet die Redaktion aus rechtlichen Gründen – vorerst. Das kann sich aber ändern, falls sich Staatsanwaltschaft und Polizei dazu entscheiden sollten, das Filmmaterial für eine öffentliche Fahndung zu nutzen.

Die türkisch-islamische Gemeinde Nordenham hat schon kurz nach dem Vorfall auf ihrer Facebook-Seite mitgeteilt, dass es einen Videomitschnitt von dem Farbanschlag gibt. Die Polizei allerdings hält sich aus ermittlungstaktischen Gründen zurück und macht keine Angaben zu der Existenz der Filmaufnahmen. „Zurzeit geben wir dazu keine Stellungnahme ab“, sagt der Pressesprecher der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch, Henning Scheer.

Neue Erkenntnisse zu dem Farbanschlag liegen laut Henning Scheer noch nicht vor. Nach seinen Worten ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung und Beleidigung. Die Täter hatten den fremdenfeindlichen Schriftzug „Moschee, nein Danke!“ an die Wand des Gotteshauses gesprüht und das Gebäude mit einer roten Substanz bespritzt. Ob es sich dabei um Farbe oder Blut handelt, ist weiterhin unklar.

Als zusätzliche Provokation für die Muslime, für die Schweine aus religiösen Gründen als unrein gelten, hinterließen die Täter Schweinefleischprodukte an mehreren Stellen vor dem Haus.

Keine harte Szene

Dass rechte Hetze das Motiv für den Anschlag war, steht außer Zweifel. Aber Polizeisprecher Henning Scheer stellt klar, dass sich daraus keine Hinweise auf eine harte rechtsextremistische Szene in Nordenham ableiten lassen. „Einen kleinen Personenkreis mit rechtsgerichtetem Gedankengut gibt es überall“, sagt er. In Nordenham deute bislang nichts darauf hin, dass sich dort Neonazis in größerer Zahl zusammengefunden hätten.

Norbert Hartfil
Redaktionsleitung Nordenham
Redaktion Nordenham
Tel:
04731 9988 2201

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