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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Zwischen Streithähnen und Betrunkenen

24.09.2018

Rodenkirchen Eine Frau liegt auf den Metallplatten, die den Autoscooter umgeben. Ein Rettungssanitäter kniet neben ihr, zwei Mitglieder der Feuerwehr Rodenkirchen schirmen die Szenerie ab. Aus den Boxen des Fahrgeschäfts dröhnen die Spice Girls in ohrenbetäubender Lautstärke, Besucher drehen ihre Runden im Autoscooter. Das Blaulicht des Rettungswagens blitzt im Dunst der Nebelmaschinen auf, vermischt sich mit dem Lichtgewitter des Rodenkircher Marktes. Willkommen in der Nachtschicht.

Der Schichtbeginn

Ein paar Minuten zuvor: Es herrscht geschäftiges Treiben im Feuerwehrhaus Rodenkirchen, direkt am Rand des „885. Roonkarker Marts“. Es ist kurz vor 22 Uhr am Samstagabend, Schichtwechsel. Im Aufenthaltsraum dampfen Becher mit Kaffee auf den Tischen, die Polizei kommt kurz rein, um sich aufzuwärmen. Lars Stratmann (32), Ortsbrandmeister in Rodenkirchen, teilt seine Leute ein. Sowohl die Streifen als auch die Fahrzeugbesatzung, denn im Falle einer Alarmierung ist die Brandsicherheitswache des Marktes auch die Besatzung des ersten Fahrzeuges. „Alle anderen müssen mit dem Rad kommen, Parkplätze sind während des Marktes Mangelware“, erklärt Lars Stratmann.

Die Stimmung im Feuerwehrhaus ist ruhig, die Spätschicht (14 bis 22 Uhr) packt ihre Sachen, einige gehen jetzt privat auf den Markt. Die Feuerwehrleute der Nachtschicht (22 bis 6 Uhr) hoffen auf ruhige Stunden. Das Feuerwehrhaus dient als Einsatzzentrale für Feuerwehr, Johanniter Unfallhilfe und den Sicherheitsdienst.

Einsatz nach Einsatz

Die eingesetzten Kräfte der Nachtschicht

Während des Marktes sind neben Polizei, Bundespolizei und Sicherheitsdienst zahlreiche ehrenamtliche Helfer im Einsatz.

Die Feuerwehr Rodenkirchen war in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit zwölf Aktiven vor Ort vertreten. Insgesamt teilen 35 Feuerwehrleute die jeweils achtstündigen Schichten unter sich auf.

Die Johanniter-Unfallhilfe war in der Nachtschicht mit zehn Helfern und zwei Fahrzeugen vor Ort. Hinzu kam der Notarzt. Neben dem Johanniter-Ortsverband Stadland waren Kräfte aus Edewecht im Einsatz.

Viele der Ehrenamtlichen nehmen sich für die Zeit des Rodenkircher Marktes Urlaub, um die Schichten zu besetzen.

Dann plötzlich häufen sich die Notfälle. Innerhalb weniger Augenblicke sind die beiden Fahrzeuge der Johanniter, mehrere Feuerwehrleute und der Notarzt, Dr. Olaf Hespers, im Einsatz. Doch das reicht nicht. Lars Stratmann lässt den hauptamtlichen Rettungsdienst alarmieren und ordert noch zwei zusätzliche Notärzte. Die letzten Feuerwehrleute, die noch in der Wache waren, werden ebenfalls auf den Markt geschickt. Zur Unterstützung, unter anderem beim Autoscooter. Es ist 22.10 Uhr.

Gefahr der Unterkühlung

Eine Stunde vor Mitternacht. Sebastian Rohde (20), kommt in den Aufenthaltsraum. Der Feuerwehrmann lässt sich auf einen der Stühle sinken. „So geht die erste Stunde auch schnell rum“, sagt er und lehnt sich zurück. Bis eben war er draußen unterwegs, Krankenwagen einweisen und die Sanitäter bei ihrer Arbeit unterstützen. Mit ihm unterwegs war Yannik Diehm, ebenfalls 20 Jahre alt. Gleich wollen beide zusammen mit ihrem Kameraden Marcel Naß (20) über den Markt gehen. Das bedeutet: Streife laufen, Präsenz zeigen und Ausschau nach hilflosen Personen halten. Im Feuerwehrhaus ist es warm, draußen nicht. Wer da im Rausch einschläft, unterkühlt sich schnell.

Auf Markt-Streife

„Der Sicherheitsdienst ist wirklich eine Erleichterung“, sagt Yannik Diehm während der Streife. Das geschulte Personal der Firma „Pund Security“ aus Pinneberg, die schon im vergangenen Jahr für Sicherheit sorgte, würde viele Situationen schon entschärfen. „Das macht es deutlich entspannter.“ Und so wirkt diese erste Streife auch: entspannt. Immer wieder müssen die drei Feuerwehrleute stehenbleiben, als Rodenkircher kennen sie viele der Besucher. Aber ihre Aufgabe verlieren sie dabei nicht aus dem Blick. Regelmäßig verlassen sie die Hauptwege, um auch hinter den Buden nach dem Rechten zu schauen, und sprechen Betrunkene an, erkundigen sich nach dem Befinden.

Streithähne trennen

Plötzlich bleiben Sebastian Rohde und Yannik Diehm wie angewurzelt stehen. Ihre Hände gehen an ihre Ohren, sie drücken die Kopfhörer fester an, um den Funkspruch besser zu hören. Eine Schlägerei wird gemeldet, ganz in der Nähe. Die Feuerwehrmänner machen sich auf den Weg, es ist mittlerweile halb eins in der Nacht.

Die Schlägerei entpuppt sich als falscher Alarm, aber das ist nicht immer so. Etwas später liefert die Polizei zwei verletzte Streithähne im Feuerwehrhaus ab, beide müssen von den Johannitern versorgt werden. Notarzt Olaf Hespers (57) und Detlef Schumacher (53), Sanitäter und Ortsbeauftragter der Johanniter in Stadland, koordinieren die Aktion.

„Mich stresst so schnell nichts“, sagt Olaf Hespers, der seit 25 Jahren als Notarzt tätig ist. Auch ein stark alkoholisierter „Dauergast“ an diesem Abend bringt den Ovelgönner Arzt nicht aus der Ruhe, obwohl es Stunden dauert, bis der Mann endlich in einem Taxi in Richtung Zuhause sitzt. „Es ist wichtig, dass niemand großen Schaden nimmt und alle in Ruhe feiern können“, so Olaf Hespers. „Ohne Teamarbeit wäre der Markt nicht zu schaffen“, betont der Notarzt und meint damit die Zusammenarbeit von Polizei, Sicherheitsdienst, Sanitätern und Feuerwehr.

Ins Krankenhaus liefere man nur ein, wenn es nicht anders geht. „Wir beobachten hier erstmal, wenn es der Zustand hergibt“, erklärt der Notarzt. Etwas Ruhe wirke bei vielen schon Wunder.

Weniger Minderjährige

Unterkühlungen, Prellungen, Schnittverletzungen und zu viel Alkohol: Gegen kurz vor 3 Uhr, drei Stunden vor Ende der Nachtschicht, hatten die Einsatzkräfte von allem etwas. Aber: „Wir müssen uns viel weniger um sternhagelvolle Minderjährige kümmern“, sagt Olaf Hespers. Das sei früher ein wirkliches Problem gewesen. Aber nachdem die Gemeinde mit der Polizei und einem Präventionsteam konzentriert dagegen vorgegangen ist, sei das massiv zurückgegangen. Und auch der Sicherheitsdienst sei hier von besonderer Bedeutung. „Wir gucken gezielt nach alkoholisierten Minderjährigen“, bestätigt Sicherheitschef Adriano Pund. Das Sicherheitskonzept der Gemeinde habe sich bewährt.

„Ein ganz normaler Rodenkircher Markt bisher“, sagt Olaf Hespers. Jetzt werde es erfahrungsgemäß wieder hektischer, denn um 4 Uhr ist Sperrstunde. Wie heraufbeschworen, muss kurz darauf der Rettungswagen der Johanniter ausrücken, Blaulichter blitzen durch die Dunkelheit. Rund 25 Einsätze absolvieren Feuerwehr und Sanitäter bis zum Morgen. „Das war eine der arbeitsintensiveren Nächte der letzten Jahre“, so Lars Stratmann am Sonntag. Aber aufgrund der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte viel erreicht werden. Um 4.30 Uhr hatten die meisten Gäste, auch Dank des Sicherheitsdienstes, den Platz verlassen.


Sehen Sie ein Video unter   www.nwzonline.de/videos 
Claus Arne Hock
Volontär, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2743

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