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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Wie das Haus Christa die Tragödie verarbeitet

04.09.2019

Stollhamm Der Akku im Diensttelefon von Christine Rüdebuschs hält gewöhnlich tagelang. Am Dienstag hatte sie ihn nach unzähligen Telefonaten schon am frühen Nachmittag zum dritten Mal wechseln müssen.

An Tag zwei nach dem Brand, der in der Nacht zu Montag zwei Todesopfer forderte, ist das Pflegeheim Haus Christa in Stollhamm noch immer weit davon entfernt, zur Tagesordnung überzugehen. Das gilt für Christine Rüdebusch als Leiterin der vom Bezirksverband Oldenburg (BVO) betriebenen psychiatrischen Facheinrichtung. Und es gilt auch für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Bewohner.

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Das Feuer war am frühen Montag um 0.31 Uhr in einem Bewohnerzimmer im Erdgeschoss eines Gebäudetrakts ausgebrochen. Ein 45 Jahre alter Mitarbeiter, der Nachtdienst hatte, konnte geistesgegenwärtig 26 Bewohner evakuieren. Für einen 51 Jahre alten Mann und einen 80 Jahre alten Mann kam jedoch jede Hilfe später. Die Einsatzkräfte, die kurze Zeit nach dem Ausbruch des Feuers in einer Stärke von rund 120 Helfern vor Ort waren, konnten die beiden Männer nur noch tot aus dem Zimmer bergen.

Die Brandursache ist weiterhin ungeklärt. Wie am Dienstag auf NWZ-Nachfrage die Pressestelle der Polizeiinspektion Delmenhorst, Oldenburg Land und Wesermarsch mitteilte, wird diesen Mittwochnachmittag der Brandsachverständige, dessen Einsatz die Staatsanwaltschaft in Oldenburg angeordnet hat, seine Arbeit im Haus Christa aufnehmen. Es handelt sich dabei um einen externen Gutachter. Parallel dazu dauern die Ermittlungen der Polizei weiter an.

In der Brandnacht war der 45-Jährige der einzige diensthabende Mitarbeiter im Hauses Christa. Das entspreche den gesetzlichen Vorgaben, so Michael Löning, Pressesprecher des BVO. Zusätzlich haben jede Nacht zwei weitere Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter Rufbereitschaft, was bedeutet, dass sie nicht nur die ganze Nacht über erreichbar, sondern auch in maximal zehn Minuten in der Einrichtung sein müssen.

Christine Rüdebusch sagt, dass das Pflegeheim in Sachen Brandschutz „gut aufgestellt“ sei. Mindestens einmal im Jahr gibt es eine zweigeteilte Brandschutzübung für alle Beschäftigten – das nächste Mal am 16. Oktober und am 19. November. Der Draht zur Feuerwehr ist denkbar kurz – zwei Mitarbeiter des Hauses sind aktive Brandschützer der Ortswehr Stollhamm.

Das Haus Christa verfügt über einen speziell ausgebildeten Brandschutzbeauftragten, zusätzlich gebe es in jedem Team Brandhelfer, die ebenfalls eine entsprechende Ausbildung durchlaufen hätten. Gleichwohl: „Alles, was wir ohnehin schon gut können, werden wir jetzt noch einmal überprüfen“, sagte Christine Rüdebusch.

Die Gefühlslage der Einrichtungsleiterin pendelt zurzeit zwischen der Trauer um die beiden verstorbenen Bewohner und der Dankbarkeit über die „gelebte Menschlichkeit“, auf die sie in der Zeit der Krise überall im Haus stößt. Bewohner rücken im wahrsten Sinne des Wortes enger zusammen, damit diejenigen, die ihre Zimmer in dem von dem Feuer betroffenen Gebäudetrakt räumen mussten, einen Platz finden. „Ich bin sehr glücklich, dass wir alle hier unterbringen können“, sagt Christine Rüdebusch.

Und sehr glücklich ist sie auch darüber, wie nach der Tragödie alle im Haus – Mitarbeiter wie Bewohner – zusammenhalten, wie toll in der Brandnacht die Zusammenarbeit mit den Einsatzkräften geklappt hat und wie zahlreich nun von allen Seiten Hilfe angeboten wird.

„Zwei Dinge können wir besonders gut“, sagt Christine Rüdebusch, „feiern und Krisen bewältigen“. Zurzeit erfordern die Ereignisse letzteres. Zum Feiern ist niemandem zumute. Das für den 27. September geplante Kürbisfest ist abgesagt.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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