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NWZonline.de Region Wesermarsch Blaulicht

Sicherheit: Traum mit Potenzial zum Albtraum

02.06.2017

Oldenburg /Brake Fröhlich winken die zwei Kinder im Vorbeifahren dem Boot der Wasserschutzpolizei Brake zu. Ein Junge und ein Mädchen. Beide strahlen. Sie sitzen mit Mama und Papa im Schlauchboot. Genießen den Familienausflug bei herrlichem Sonnenschein auf der Weser. Polizeioberkommissar Frank Ideler winkt auch freundlich zurück – und das, obwohl ihm gar nicht gefällt, was er da sieht. Denn zumindest die Eltern tragen keine Schwimmwesten. Ein Risiko, das nicht zu unterschätzen ist. Und ein Anblick, der für Frank Ideler und seine Kollegen leider ein alltäglicher ist.

Es sind einige Stunden, die die NWZ mit dem Küstenboot W 4 der Wasserschutzpolizei auf der Weser zwischen Elsfleth und Nordenham unterwegs ist. Große und kleine Schiffe ziehen an uns vorbei. Berufskapitäne und Freizeitkapitäne. Segler, Motor- und Schlauchboote. Die Leute an Bord genießen das Sommerwetter. Und abgesehen von den zwei kleinen Kindern trägt keiner, wirklich keiner, eine Schwimmweste oder einen Rettungskragen.

Was macht eigentlich die Wasserschutzpolizei?

Als Umweltpolizei könnte man die Wasserschutzpolizei auch bezeichnen. Die Beamten verbringen den Großteil ihrer Zeit damit, an Bord großer Schiffe zu kon­trollieren, ob zum Beispiel Schweröl, Müll und Abwasser korrekt entsorgt werden und ob die Ladung vernünftig ausgerichtet und gesichert ist. Die Beamten werden auch aktiv, wenn Kraftstoffe in die Weser gelangt sind.

Die Ausbildung zum Wasserschutzpolizisten ist lang: Bewerber absolvieren bei der Polizei ein dreijähriges Studium. Im Rahmen von Praxissemestern kann auch bei der Wasserschutzpolizei hineingeschnuppert werden. Dann schließen sich ein Fachlehrgang Küste und ein Seemannschaftslehrgang mit jeweiligen Abschlussprüfungen an. In den nächsten Dienstjahren schließen sich weitere Lehrgänge an. Infos zur Ausbildung gibt es unter

    www.wasserschutzpolizei-niedersachsen.de

    www.polizei-studium.de

Frank Ideler kriegt innerlich die Krise. Denn er weiß, das Wetter ist trügerisch: Es ist ruhig, kein Wind. Die Weser – „ein Ententeich“, wie Ideler scherzt: „Und dann kommt ein Schlepper oder ein Seeschiff und die Verhältnisse ändern sich schlagartig.“

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Leichtsinn und Unwissenheit. Das sind die Hauptursachen für Boots- und Badeunfälle auf der Weser. Der Wellengang kann auf der Weser ordentlich werden, wenn die dicken Pötte ins Spiel kommen. Die Strömungsverhältnisse sind tückisch und stark. Eine kräftige Windböe kann ausreichen, um ein Segelboot zum Kentern zu bringen. Uwe Hadeler, Leiter der Wasserschutzpolizei in Brake, erklärt: „Die Leute sind meist einsichtig, wenn wir ihnen die Gefahren erklären.“ Und dennoch: Vorschreiben können die Beamten der Wasserschutzpolizei die Sicherheitsausstattung nicht. Schlicht, weil es diese Vorschriften nicht gibt. Es bleibt also beim Appell an die Vernunft. Die Station Brake gehört zum in Oldenburg am Friedhofsweg beheimateten Stab der Wasserschutzpolizeiinspektion, der für Norddeutschland zuständig ist.

Segler sollten sich mit dem Revier beschäftigen. Wie verläuft der Fluss? Was ist mit den Tideverhältnissen? Wo gibt es Bauwerke? „Auch die Ausstattung an Bord sollte regelmäßig auf Funktion überprüft werden“, so Hadeler. Er zeigt einen Rettungsring mit Signallicht und Leine – ein Klassiker der Rettungsmittel. Schwimmwesten oder Rettungskragen sind für Hadeler unverzichtbar: „Die halten den Kopf über Wasser, wenn jemand über Bord geht. Und über Bord geht schnell jemand. Ertrinken wird damit fast unmöglich.“

Vier bis fünf Kilometer die Stunde: Das sei für die Weser eine normale Strömungsgeschwindigkeit. Eine Strömung, die von den Badenden an den Stränden unterschätzt werde. Uwe Hadelers Blick schweift rüber zu den Stränden, an denen die Wellen auflaufen, die das Küstenboot und ein entgegenkommender Frachter verursachen. Wir sehen Kinder. Mit bunten Eimerchen und kleinen Schaufeln. Alle tragen Hüte zum Schutz gegen die Sonne. Eine Auftriebshilfe, sprich Schwimmflügel oder ähnliches, trägt kein Kind. Und die Eltern sitzen in mehreren Metern Entfernung auf ihren Handtüchern. Jetzt ist es Zeit für Hadelers innere Krise: „Diese Kinder sind schwer gefährdet.“

Warum das so ist, erläutert Rainer Weegen. Er ist der Vorsitzende der DLRG Stedinger Land. „Wird in so einer Situation ein Kind von einer Welle umgeworfen, ist es weg.“ Die Strömung reiße es mit, im trüben Wasser wäre es schnell kaum noch zu sehen. Weegens Ortsverband bewacht an sommerlichen Wochenenden den Strand an der Juliusplate in der Gemeinde Berne. Es ist übrigens der einzige bewachte Weserstrand. „Der Großschiffsverkehr ist besonders gefährlich. Man kann in der Weser nicht getrost baden gehen“, so der Vorsitzende: „Die großen Kähne saugen im Vorbeifahren das Wasser erst an und danach rollt eine große Flutwelle auf die Strände zu. Ein Meter ist da gar nichts.“ Einheimische würden das meistens wissen und trotzdem regelmäßig unterschätzen. Touristen und Ortsunkundige würden von solchen Wellen schlicht überrascht werden.

Deshalb gelte immer:

  Kinder, die nur das Seepferdchen-Abzeichen haben, können nicht richtig schwimmen und sollten in der Weser nicht baden.

 Eltern müssen direkt bei ihren Kindern bleiben und sie immer beobachten. Auch Schwimmflügel bieten keine ausreichende Sicherheit.

Die beste Zeit zum Bad in der Weser sind die fünf Stunden rund um das Hochwasser. Nähert sich ein größeres Schiff, sollte das Wasser verlassen werden.

 Unsichere Schwimmer sollten das flache Wasser nicht verlassen.

Das Schwimmen in die Fahrrinne zwischen den Signaltonnen ist ein absolutes Tabu.

 Wer abgetrieben wird oder wem die Kraft ausgeht, der sollte mit der Strömung schräg ans Ufer schwimmen. „Niemals versuchen, gegen die Strömung zurück an den Strand zu kommen. Das schafft man nicht“, sagt Rainer Weegen.

 Niemals unter Alkoholeinfluss baden gehen.

 Sieht man jemanden in Not, sofort einen Notruf absetzen. Ein Rettungsversuch sollte nur von wirklich guten Schwimmern unternommen werden. Sonst müssen am Ende noch zwei Personen aus dem Wasser geholt werden.


Ein Video sehen Sie unter   www.nwzonline.de 
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Anja Biewald Berne/Lemwerder / Redaktion Brake
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