Blexen - Als Roy ist er gemeinsam mit Siegfried als Magier-Duo in Las Vegas weltberühmt geworden. Geboren worden ist Roy als Uwe Ludwig Horn im Jahr 1944 in Nordenham. Einen Großteil seiner Kindheit hat er in Stadtteil Blexen verbracht. Ein historisches Foto, das ihn mit seinem damaligen Geparden an der Leine zeigt, ist vielen Nordenhamern in guter Erinnerung. Jetzt soll der berühmteste Sohn der Stadt mit dem Geparden zurückkommen: in einer Darstellung, die Teil einer silhouettenartigen Skulptur wird. Sie soll als Blickfang auf dem neu gestalteten Platz am Fähranleger in Blexen installiert werden.
Einhellige Zustimmung
Die Planungen sind abgeschlossen. Sowohl die Blexer Arbeitsgruppe Dorferneuerung als auch der Bauausschuss des Stadtrates haben in nicht öffentlichen Beratungen einhellig zugestimmt.
Das erfuhr die Nordwest-Zeitung auf Anfrage von Baudezernentin Ellen Köncke. Tim Lorenz, Mitarbeiter im Stadtplanungsamt, hatte das Vorhaben mit Konzeptstudien zur Entscheidungsreife gebracht. „Wir alle sind froh über diese eindrucksvolle Skulptur“, sagt Rolf Bultmann, Vorsitzender der Blexer Dorfgemeinschaft.
Neben Roy mit seinem Geparden wird die bis zu dreieinhalb Meter hohe Skulptur auch den Blexer Kirchturm (er ragt heraus, wird etwa fünf Meter hoch), einen Werftarbeiter, eine Auswanderin, eine Schiffsschraube und Wellen darstellen – auf einem stilisierten Schiffsbug.
Vorgesehen ist eine Kons-truktion aus Corten- und Edelstahl. Jetzt wird der Entwurf weiter im Detail ausgearbeitet, damit baldmöglichst Ausschreibungen für die Metallbauarbeiten vollzogen werden können.
Sofern trotz Corona-Krise alles gut läuft, soll die Skulptur spätestens zur Sail 2020 Bremerhaven (19. bis 23. August) fertig sein. „Dieser Zeitpunkt wird auch anvisiert, wenn die Sail – hoffentlich nicht – ausfallen sollte“, sagt Tim Lorenz.
Was aus dem etwa 110 Jahre alten Hafenkran wird, der im Zuge der Blexer Dorferneuerung ursprünglich als Blickfang auf dem neuen Platz am Fähranleger positioniert werden sollte, ist offen. „Dem baufälligen Kran weinen wir keine Träne nach, weil er nie zu Blexen gehört hat“, sagt Rolf Bultmann, Vorsitzender der Blexer Dorfgemeinschaft.
Wie berichtet, war die Stadt im Laufe des vergangenen Jahres immer mehr auf Distanz zur Restaurierung des alten Drehkrans gegangen, weil keine der neun Firmen, welche die Stadt angeschrieben hatte, ein Interesse an dem Auftrag hatte. Zudem drohte eine Kostenexplosion, zumal ein Gutachten zu dem Schluss gekommen war, dass der Korrosionsprozess am alten Midgard-Kran schon sehr weit fortgeschritten ist.
Auf Antrag der Stadt hatte im Dezember daher das für Dorferneuerung zuständige Landesamt in Oldenburg dieses auf ursprünglich 71 000 Euro veranschlagte Teilvorhaben aus dem Gesamtprojekt der Neugestaltung des Areals am Fähranleger herausgenommen.
Das Gesamtprojekt ist Ende vergangenen Jahres vollendet worden – mit Gesamtkosten von genau 1,123 Millionen Euro. Davon zahlt die Stadt die Hälfte. Die übrigen 50 Prozent sind Zuschüsse zur Dorferneuerung.
Entstanden ist eine Art neues Tor nach Nordenham mit maritimem Flair. Dazu gehören unter anderem ein großzügig gestalteter Platz zum Verweilen mit Sitzstufen an der Weser, eine Windrose aus Granitpflaster und vier Dalben (sie markieren die Grenzen des ehemaligen Blexer Hafenbeckens).
Die Skulptur muss die Stadt alleine bezahlen. Die Kosten sind noch nicht genau ermittelt und hängen auch vom Ergebnis der Ausschreibung ab.
Den 110 Jahre alten Hafenkran hatte die Deutsche Maschinenbau-Aktiengesellschaft (Demag) für das Nordenhamer Hafenunternehmen Midgard gebaut. Von 1910 bis 1988 war er nicht in Blexen, sondern im Nordenhamer Stadthafen im Einsatz.
Ein Technikdenkmal
Als die Midgard ihn nicht mehre benötigte, verschenkte sie den Kran an die Stadt. Zurzeit steht das Technikdenkmal auf einer eingezäunten Rasenfläche am Rande des Parkplatzes, der an den neu gestalteten Platz am Fähranleger in Blexen anschließt.
„Vielleicht findet sich ein Liebhaber mit viel Fachkenntnis. Wir würden den alten Hafenkran gerne in gute Obhut geben“, sagt Baudezernentin Ellen Köncke auf Nachfrage der Nordwest-Zeitung. Zwischenzeitlich soll der Kran auf dem Bauhofgelände untergebracht werden.
