Brake - Wenn Michél Claußen seinen „Hulk“ auswirft, weiß er nicht, was die beiden zusammenmontierten Magnete vom Grund eines Gewässers ans Tageslicht ziehen. Diesmal steht der 49-jährige Nordenhamer auf der Brücke Bahnhofstraße am Braker Sieltief und fischt im Trüben. Auch wenn er nichts sieht, der unglaubliche „Hulk“ wird fündig. Ein verrostetes, altes Gewehr zieht Michél Claußen kurz danach übers Geländer. „Das wird hier noch vor Ort zerschnitten und dann entsorgt“, sagt der Umweltschützer.
Bärenstarker Helfer
Der Name „Hulk“ erinnert an eine Comic- und Filmfigur. Das soll er auch. Denn „Hulk“ ist grün und bärenstark, so wie die beiden Magnete, die Michél Claußen für seine ehrenamtliche Arbeit umfunktioniert hat. Mit der Hantel kann er schwere Eisenteile aus dem Wasser ziehen. „Es geht uns um den Umweltschutz“, merkt er an. Der 2017 gegründete „Verein zum Gewässerschutz um den Jadebusen und der Welt“ hatte den Tipp bekommen, dass im Braker Sieltief viel Schrott liegen würde. Aus diesem Grund angeln Michél Claußen sowie seine Frau Chantal und sein Sohn Jason von der Brücke aus im Braker Sieltief.
Nach einiger Zeit ist der Anhänger, der am Dungendeichsweg steht, pickepackevoll. Die Ausbeute am Sonntag ist sehenswert: Unter anderem haben die Claußens einen Tresor, die Komponente einer Stereoanlage, zwei Einkaufswagen, ein Lenkrad und viele Kleinteile aus dem Braker Sieltief gezogen. Und das verrostete Gewehr. Es ist ein Zufallsfund. „Wir gehen gezielt auf Müll an Stellen, die geschichtlich nicht relevant sind“, merkt er an. So wisse man beispielsweise, wo militärisches Material aus den Weltkriegen liegen könnte. Diese Stellen werden vom Verein gemieden.
Es ist immer wieder überraschend, was die Umweltschützer aus den Gewässern ziehen. Darunter waren schon Tresore mit Pässen und Autoschlüssel, Kassetten mit Schmuck und Kleingeld, aber auch unzählige Fahrräder. Der spektakulärste Fund aber war nach seinen Worten ein kompletter Dieselmotor mit Getriebe. „Den haben wir aus der Lune bei Bremerhaven gezogen“, sagt Michél Claußen. Der Automotor wog gut 200 Kilogramm.
Für diese Arbeiten reicht „Hulk“ nicht mehr aus. Und so hat Michél Claußen das Projekt „Godzilla“ angeschoben. Dabei handelt es sich um einen Kran, der zurzeit gebaut wird. Er habe die Zugkraft von einer Tonne, so der 49-Jährige. Damit könnten dann auch Waschmaschinen und Zigarettenautomaten geborgen werden. „Wir kennen Stellen, an denen sie liegen“, betont er. Alle Funde, so sagt er, werden selbstverständlich fachgerecht entsorgt.
Seit fünf Jahren aktiv
Seit 2015 engagiert sich Michél Claußen ehrenamtlich als Umweltschützer. „Ich war mit meinem Fahrrad unterwegs und wollte danach in Ellwürden schwimmen gehen“, erinnert er sich. Doch das Badevergnügen im Sieltief wurde ihm vermiest. Er holte zwei Einkaufswagen und sieben Fahrräder aus dem Wasser. Seitdem lässt ihn die Müllsuche nicht mehr los – und sein wesermarschweites Engagement für den Umweltschutz.
