Brake/Frieschenmoor - Auf dem Grundstück von Andreas Thiele an der Frieschenmoorer Straße (Landesstraße 855) herrscht grünes Idyll. Dort inmitten endloser grüner Weiden und regem Naturtreiben, lässt es sich gut aushalten – wären da nicht die Lastwagen, die seit einiger Zeit mit lauten Motoren und ordentlich Tempo an seinem Haus vorbeijagen.

Der Boden bebt, der Lärm ist immens: Seitdem die Sandberge der Ortsumgehung B 211 Neu abtransportiert werden, hat sich das Verkehrsaufkommen in Frieschenmoor deutlich erhöht (Unsere Redaktion berichtete) – zum Leid der Anwohner an der Frieschenmoorer Straße.

„Seit 14 Tagen verfolge ich das Geschehen nun. Die Lkw fahren hier mit einem enormen Tempo durch“, sagt Andreas Thiele. Beim Straßenverkehrsamt, der Polizei und der Straßenmeisterei habe er sich bereits beschwert – bisher ohne Erfolg.

Der Grund für die vielen Lastwagen

Die Ortsumgehung Oldenbrok (B 211) soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden. Derzeit wird der Sand, der den Boden für die neue Trasse verdichtet hat, wieder abgetragen. Erst wenn der Sand weg ist, beginnt der Endausbau.

Bis Anfang August werden die insgesamt 180 000 Kubikmeter Sand bewegt. Die Lastwagen und Gespanne rollen vom frühen Morgen und teilweise bis 24 Uhr zur Baustelle und zurück. Dafür wurden zwei Bauunternehmen beauftragt.

Auch der Ehrenvorsitzende des Bürgervereins Frieschenmoor, Hanns-Michael Meiser, ist verärgert. „Hier kann es schnell zu gefährlichen Situationen kommen“, sagt er. Acht Direktanlieger, vier Grundstückszufahrten, vier Straßeneinmündungen und eine Schulbushaltestelle seien nur ein Teil der Gefahrenpunkte auf dieser Strecke. Und nicht nur die Lkw sondern auch viele Pkw würden das Tempolimit überschreiten.

Das Problem mit den rasenden Pkw versuchen Andreas Thiele und Hanns-Michael Meiser bereits seit Jahren zu bekämpfen. „Mit der Sanierung 2016 begann die Raserei“, sagt Hanns-Michael Meiser. Von den Behörden fühlen sie sich längst nicht mehr ernst genommen. Ein einsames Verkehrsschild, dass auf spielende Kinder hinweist, sei da beinahe lächerlich. „Hier brauchen wir dringend eine Tempo-70-Strecke“, betont Andreas Thiele.

Nun gesellen sich auch noch die Lkw dazu, obwohl es sich um eine Neun-Tonnen-Straße handelt. „Uns wurde gesagt, dass hier die Lkw ohnehin nur Tempo 30 fahren dürfen“, sagt Andreas Thiele. Und die 40-Tonner, die an seinem Haus vorbeirasen, dürften gar nicht auf der Straße unterwegs sein.


Auf Nachfrage unserer Redaktion kann Andreas Hoppe von der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Wesermarsch jedoch nicht bestätigen, dass die Lkw sich an eine Beschränkung von 30 km/h halten müssen. „Eine solche Regelung gibt es nicht.“ Allerdings, so betont er, dürften die Laster auf dieser Straße nur mit 60 km/h unterwegs sein. Wie schnell die Lkw tatsächlich fahren, könne man nur schwer mit dem bloßen Auge erkennen. „Es kann dem Beobachter auch deutlich schneller vorkommen – alleine schon aufgrund des großen Lärms“, sagt Andreas Hoppe.

Er zeigt Verständnis für das Anliegen der Anwohner. „Es handelt sich aber um ein temporäres Problem.“ Spätestens Anfang August, wenn der Sand abgefahren ist, sollte wieder Ruhe einkehren. Trotzdem werde er sich mit der Situation erneut beschäftigen. „Und wenn Gefahrenpunkte da sind, dann werden wir auch tätig“, fügt er hinzu.