Brake - Das St.-Bernhard-Hospital Brake darf sich jetzt offiziell Kompetenzzentrum für Adipositas- und Metabolische Chirurgie nennen. „Wir haben gestern die Zertifizierung erhalten“, sagte Klinik-Geschäftsführer Ingo Penner am Freitag.
Folgeerkrankungen
Wird bei einem Menschen krankhaftes Übergewicht festgestellt und möchte er sich behandeln lassen, kann er sich an das Adipositas-Zentrum Nord-West des St.-Bernhard-Hospitals wenden. In der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie ist er dann gut aufgehoben. Denn Herzerkrankungen, Diabetes, Gelenkbeschwerden, Krebs: Die Begleiterkrankungen bei krankhafter Fettleibigkeit seien gravierend, sagte Dr. Jan Henrik Herrfurth, ärztlicher Direktor des Hospitals und Leiter des Adipositas-Zen-trums. Mit der Behandlung des Übergewichts könnten viele andere Erkrankungen günstig beeinflusst oder gar vermieden werden.
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie zertifiziert Adipositas-Zentren. Ein zertifiziertes Zentrum für Adipositas und metabolische Chirurgie ist eine medizinische Einrichtung, die auf die chirurgische Behandlung von Patienten mit krankhaftem Übergewicht spezialisiert ist und im Rahmen eines Zertifizierungsverfahrens ihre Qualität nachgewiesen hat.
Bis hin zur Zertifizierung vergingen insgesamt acht Jahre. Bei einer Strategiesitzung im Jahr 2012 über weitere Spektren, die man ins Auge nehmen könnte, war der Blick laut Jan Henrik Herrfurth auf die Behandlung von krankhaftem Übergewicht gelenkt worden. Im Verlauf der zurückliegenden Jahre wurden Mitarbeiter geschult, Operateure anderer Kliniken ins Haus geholt, um ihre Methoden bei Operationen zu zeigen, und auch entsprechendes Inventar angeschafft. Dazu zählen unter anderem Spezialbetten und Spezialstühle, die Gewichte von 300 Kilogramm aushalten können, sowie spezielle Rollstühle.
Um das Zertifikat, ein Gütesiegel, zu erhalten, sind noch andere Faktoren wichtig: Ernährungsberater und Psychologen sind im Boot, mit Sportvereinen und Fitnessstudios wird kooperiert. „Das muss alles gut koordiniert sein“, erläuterte Helmut Dietz, zuständig fürs Qualitätsmanagement des Hospitals. „Die Operation ist der kleinste Anteil der ganzen Therapie“, merkte Jan Henrik Herrfuth an.
Hoher Leidensdruck
Das Krankheitsbild sei mit einem hohen Leidensdruck verbunden, sagte Ingo Penner. Weil es kaum Kliniken gibt, die zertifiziert sind, kämen immer mehr Patienten von außerhalb. Das Adipositas-Zentrum hat guten Zulauf. Patienten kommen auch aus dem Ammerland, aus Bremen und Bremerhaven sowie aus Hannover. Nach der Kostenzusage durch die Krankenkasse durchläuft der Patient ein halbjähriges Programm, um von seiner Krankheit loszukommen. „Die Nachsorgeuntersuchung ist verpflichtend“, betonte der Leiter des Adipositas-Zentrums. Der Zeitraum umfasst insgesamt acht Jahre und erstreckt sich über anfangs Abstände von fünf Tagen, später vier Wochen und dann über drei und sechs Monate bis hin zu einem längeren Zeitraum.
Der erste Schritt
Die Patienten müssen den ersten Schritt machen. „Viele sind nicht mehr erwerbsfähig“, weiß Jan Henrik Herrfurth. Als Beispiel nannte er einen Übergewichtigen mit 250 Kilogramm, dessen Gewicht auf 120 Kilogramm reduziert werden konnte. Es gibt unterschiedliche operative Behandlungsmöglichkeiten: Magenballon, Magenschlauch oder auch das Magen-Baypass-Verfahren, wobei der Magen verkleinert wird.
18 bis 68 Jahre alt
Keiner der Patienten im Alten von 18 bis 68 Jahre habe die OP bereut, resümierte Jan Henrik Herrfurth. Der Gewinn an Lebensqualität sei das größte Geschenk für sie. Ansprechpartner: Astrid Bahlmann von der Adipositas-Ambulanz ist unter Telefon 04401/105551 zu erreichen. Terminsprechzeiten: montags 9 bis 15.30 Uhr und donnerstags von 14 bis 15.30 Uhr oder nach Vereinbarung.
