Brake - Das Kreislandvolk Wesermarsch fordert höhere Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte und kritisiert die Discounter-Kette Netto für ihre Marketing-Strategie.
Das Landvolk
„Sich mit dem gesellschaftlich hoch im Kurs stehenden Tierwohllabel schmücken und direkt daneben für Schnäppchenpreise werben – das ist perfide“, findet der Kreislandvolkverband und bezieht sich damit auf eine Werbebeilage des Discounters Netto.
Der Widerspruch zwischen Tierwohl und Schnäppchenjagd müsse aufgelöst werden, fordert der Kreislandvolkverband. Und den Bäuerinnen und Bauern müsse mit höheren Erzeugerpreisen der Rücken gestärkt werden, fordert der Verband weiter. „Derzeit würden durch die Erzeugerpreise nur rund ein Drittel der Kosten gedeckt“, mahnt der Kreislandvolkverband an. Das sei existenzbedrohend, sagt Albert Schulte to Brinke, Präsident des Landvolks Niedersachsen. Er fordert ein Umdenken der Marktpartner.
Mit der Initiative Tierwohl (ITW) solle eine höhere finanzielle und gesellschaftliche Wertschätzung der landwirtschaftlichen Arbeit erreicht werden, erläutert der Kreislandvolkverband. Ab 2021 solle ein fest definierter Tierwohl-Aufpreis über den Markt gezahlt werden. Der Kunde im Einzelhandel könne sich dann bewusst für die ITW-Ware entscheiden. Nach derzeitiger Einschätzung werde der Lebensmitteleinzelhandel jedoch deutlich höhere Mindestaufschläge anbieten müssen, als von der Initiative Tierwohl genannt werden, wenn er eine hohe Teilnahmebereitschaft insbesondere bei den Schweinehaltern erreichen will, heißt es vom Landvolkverband.
Der Discounter
Im Bereich Fleisch- und Wurstwaren biete Netto hochwertige Fleischartikel in verschiedenen Segmenten, von günstigen Preiseinstiegsartikel über regionale Erzeugnisse bis bio-zertifizierten Fleischartikeln, heißt es dazu von einer Unternehmenssprecherin. Als Nahversorger wolle das Unternehmen ein breites Sortiment mit Produkten unterschiedlicher Preisstufen anbieten. Dabei orientiere sich das Unternehmen an den Wünschen der Kunden, die sich beim Kauf häufig für die günstigere Artikelalternative entschieden. Die Entscheidung des Kunden sei ausschlaggebend, nicht das Angebot, argumentiert das Unternehmen. Für „Netto“ hätten Tierwohl und Tierschutz einen hohen Stellenwert. In einer Vielzahl von Gremien und Arbeitsgruppen setze sich das Unternehmen dafür ein, dass das Tierwohl in der gesamten Prozesskette verbessert werde, heißt es weiter.
Dabei unterstütze das Unternehmen Branchenlösungen, die zu einer nachhaltigen Verbesserung der Nutztierhaltung führen, teilt das Unternehmen mit. Netto sei Gründungsmitglied der Initiative Tierwohl und unterstützte diese, wo immer möglich, beispielsweise durch ausreichend Platz im Handzettel und auf dem Produkt, heißt es weiter.
Durch Preisanreize, die branchenkonform seien, versuche das Unternehmen, den Abverkauf zu fördern und die deutsche Landwirtschaft zu stärken, argumentiert der Discounter. Mit seiner Eigenmarke bekenne sich Netto zu deutschem Rohstoff und unterstütze die heimische Landwirtschaft durch das Programm „Ein Herz für Erzeuger“, teilt das Unternehmen mit. Darin unterstütze Netto die Schweinemäster mit zusätzlich 10 Cent je verkaufter Packung.
