Brake - „Ansage!“, lautete die Überschrift des kürzesten Textes des Abends. „Das hier ist keine Nachricht, sondern eine Ansage! Fangt endlich an, jeden so zu akzeptieren, wie er ist!“ Geschrieben hatte ihn Sophia Theilen für das Buch „Die Hoffnung von morgen“, ein Werk der Berufsbildenden Schulen (BBS), Standort Elsfleth. Bei der Premiere des Werkes und seines Schwesterbuches „Gestern war ich noch nicht heute“, von den Schülern des Standorts Brake, trug Sophia Theilen ihren Text auch vor. Im Braker BBS-Foyer hatten sich Schüler-Autorinnen und -autoren, Lehrer, Eltern und weitere Gäste eingefunden. Die Veranstaltung im Rahmen der achten Berner Bücherwochen war die erste ihrer Art; Schreib- und Buchevents mit Berufsschülern hat es zuvor nicht gegeben, weder in den Bücherwochen noch sonstwo im Bundesgebiet, berichtet Organisator Reinhard Rakow.
Viel Lob
Studiendirektorin Catrin Beineke hob auch die Bereicherung der Schule durch dieses besondere Projekt hervor. Rund 150 Schülerinnen und Schüler, engagiert und effektiv betreut durch die Kolleginnen Julia Villbrandt-Firneisen (Elsfleth) und Julia Bayrhammer (Brake) hatten tolle Texte verfasst, die zu lesen schon wegen ihrer Vielfältigkeit großen Spaß mache, lobte sie. Auch Mareike Suhr-Krippner als Stellvertreterin des Landrats lobte beide Bücher und betonte die Bedeutsamkeit des Lesens und Vorlesens aus einem „richtigen“ Buch. Reinhard Rakow gratulierte den Schülerinnen und Schülern zu ihren Texten und bedankte sich bei den Sponsoren dafür, dass sie Non-Profit-Vorhaben wie dieses ermöglichten.
Was folgte, war eine fesselnde Lehrstunde in Sachen Offenheit und Authentizität junger Autorinnen und Autoren. Moderiert von Geest-Verlagsleiter Alfred Büngen, der die zugrundeliegenden Schreibtage im Juni konzipiert und betreut hatte, und Berufsschüler Justin Husmann, wurden sechzehn Buchbeiträge von ihren Verfasserinnen und Verfassern oder von Mitschülerinnen und Mitschülern zu Gehör gebracht, wobei jede einzelne Lesung das Publikum durch ihre Frische, Unverwechselbarkeit und Emotionalität, durch ihren Mut und ihre Glaubwürdigkeit gefangen nahm.
Hohe Qualität
Da wurde, als Sophia Theilen mit Irofrisur und Tattoos ans Mikro trat, klar, was sie mit ihrer „Ansage“ meinte, da flossen Tränen, als Levin Hansel „Das undefinierbar Definierbare“ in der Person seiner unter den Gästen weilenden Mutter fand, und unvermitteltes Verstehen und Mitfühlen griff Platz, als Rumeysa Eda Yildirim ihren Text „Yasadigim hayat“ selbst auf Türkisch vortrug, noch bevor Mitschülerin Marleen Timp fürs Aha-Erlebnis die Übersetzung nachlieferte: „Das Leben, das ich gelebt habe“. Neben autobiografischen Texten präsentierten die Autorinnen und Autoren immer wieder Fiktionales und Poetisches in oft hoher Qualität. Miriam Paul mit „Utopia“, Hannah Egenhof mit „Manchmal“, Angélique Schau mit „Der letzte Tag auf Erden“ oder Jennifer Königshoff mit „Die Figuren meiner Vorstellung“ zogen ihr Publikum durch Textinhalte wie durch die Weise des Vortrags in Bann; man hätte ihnen noch Stunden lang zuhören mögen. Zum Ende händigten Mareike Suhr-Knippner und Alfred Büngen den Autorinnen und Autoren die Freiexemplare ihrer beiden so beeindruckend gelungenen Bücher aus, um diese sodann, den letzten Lesungstext von Jasmine Neff noch im Ohr, zu entlassen in die „Tiefschwarze Nacht“.
