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Analyse Der Pflege Im Kreis Wesermarsch Pflegebedürftige im Süden unterversorgt

Brake/Wesermarsch - Schon jetzt ist die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in der Wesermarsch schwierig, vor allem im Süden. In Elsfleth, Berne und Lemwerder kann der Bedarf an Pflege nicht gedeckt werden. Eine Situation, die sich in den kommenden Jahren deutlich verschärfen wird. Und eine Unterversorgung, die in erster Linie auf fehlendes Personal in der Pflege zurückgeführt werden kann. Zu diesem Ergebnis kommt der erste Pflegebericht für den Landkreis Wesermarsch, der auf rund 90 Seiten eine deutliche Sprache spricht.

Dr. Birgit Deckers von der BFS Service GmbH stellte die Daten im Kreisausschuss für Soziales und Gesundheit vor. Sie führte aus, dass vor allem der Personalmangel die Weiterentwicklung der schon jetzt unzureichenden Versorgungsstrukturen verhindere. 4550 Menschen sollen 2017 im Landkreis pflegebedürftig gewesen sein. Bis 2035 sollen in der Wesermarsch 352 Plätze in der Pflege fehlen. Dem stünden 80 fehlende Mitarbeiter in der ambulanten und 480 in der stationären Pflege gegenüber. „Kein Investor würde bei diesem Fachkräftemangel hier ein Pflegeheim bauen“, so Dr. Birgit Deckers.

„Auffallend schlecht“

Deutlich sei in der Wesermarsch ein Nord-Süd-Gefälle: Im Norden gebe es aktuell ein gutes Angebot vollstationärer und teilstationärer Pflegeplätze, aber kaum Angebote alternativer Wohnformen. In Brake ist die Versorgungsstruktur im Kreisvergleich am besten ausgebaut. Ambulant betreute Wohngemeinschaften würden gut angenommen. Elsfleth ebenso wie die Region Süd sei „in allen Bereichen der Versorgungsstruktur auffallend schlecht ausgestattet“, heißt es in dem Bericht.

Kreisweit werde die Nachfrage nach Pflege – ausgeführt durch Angehörige, Ambulante Pflegedienste oder in stationären Einrichtungen – steigen. Der Anteil unter den Pflegebedürftigen, die vollstationär versorgt werden müsste, sinke aber im Vergleich zu den anderen Pflegevarianten. „Da gilt: ambulant geht vor stationär“, so Deckers. Bis zu 47 Prozent der Pflegebedürftigen im Landkreis werden demnach ausschließlich durch Angehörige versorgt.

Etwa ein Viertel der Pflegebedürftigen werde mit Unterstützung eines Ambulanten Pflegedienstes versorgt. Die Ambulanten Pflegedienste seien laut Deckers in der Region gut verteilt und erreichen durchgängig gute und sehr gute Noten in der Bewertung. Aber: „Die kontaktierten Pflegedienste berichteten ausnahmslos, dass häufig Anfragen abgelehnt werden müssen, da die personellen Kapazitäten nicht ausreichen.“


Kreis als Brückenbauer

Vollstationäre Pflegeeinrichtungen gebe es aktuell nur noch 22, 2017 waren es noch 29. 1373 Plätze seien vorhanden. Aufgrund von Personalmangel könnten diese Kapazitäten teils nicht ausgeschöpft werden, die Wartelisten und -zeiten seien in den Einrichtungen lang, führte Deckers aus. Der vom Bewohner zu zahlende Eigenanteil liege im Durchschnitt bei etwa 1440 Euro und bewege sich zwischen 1070 und 1900 Euro.

Dem Landkreis empfiehlt Dr. Birgit Deckers, als neutraler Netzwerker und Brückenbauer aufzutreten: Er könnte zu Treffen aller Akteure einladen und Informationsveranstaltungen organisieren. Gespräche hätten gezeigt, dass der Wettbewerb um Personal zunehme und deshalb eher eine Abgrenzung vor allem bei den stationären Einrichtungen statt verstärkter Kooperation erfolge. „Hier ist die Politik gefordert, das gemeinsame Handeln in der Region als Herausforderung zu vermitteln“, so Deckers.

Und beim Thema Fachkräfteausbildung sieht Erster Kreisrat Hans Kemmeries ebenfalls Gestaltungsmöglichkeiten für den Landkreis: „Schließlich haben wir die Berufsbildenden Schulen.“

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg
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