Brake/Wesermarsch - Landwirte aus der gesamten Wesermarsch machen sich an diesem Montag mit ihren Schleppern wieder auf nach Berlin, um gegen die aktuelle Landwirtschaftspolitik zu demonstrieren. Seit dem 25. Januar sind täglich Demonstrationen in der Bundeshauptstadt angemeldet. 15 Landwirte aus der Wesermarsch und Friesland starten an diesem Montag erneut. Landwirtin Ulrike Witting aus Oldenbrok war jüngst selbst mit einer Trecker-Kolonne in Berlin.
So geht es nicht weiter
450 Kilometer, 18 Stunden reine Fahrzeit bei 40 Kilometern pro Stunde brachten die Landwirte hinter sich. „Die Reise ging schon morgens um 4 Uhr los“, erzählt Ulrike Witting. Dabei zog die Kolonne immer wieder Blicke auf sich, berichtet Witting, auch bei den anschließenden Schlepperfahrten durch die Großstadt. Gerne ließen sich die Landwirte auf Gespräche mit Passanten ein.
Schwer vorstellbar
„Nicht-Landwirte können sich oft nur schwer vorstellen, was das für uns bedeutet“, sagt Ulrike Witting. „Nehmen wir mal an, Sie sind Gartenbesitzer“, zieht Ulrike Witting ein greifbares Beispiel heran. „Unsere Regierung beschließt (...) wegen des Insektensterbens, dass Sie ab sofort keinen Rasen mehr mähen dürfen, um den Insekten mehr Lebensraum zu bieten. Außerdem müssen zehn Prozent ihres Rasens umgegraben und mit einer Wildblumenmischung neu eingesät werden. Für Ihre Rasen- wie auch die Blühfläche gilt ein Betretungsverbot bis zum 31. Juli eines jeden Jahres. (...) Alle Maßnahmen haben Sie zu dokumentieren und zu melden.
Zudem gewähren Sie der Kontrollinstanz jederzeit freien Zugang zu Ihrem Garten, um die Durchführung und Umsetzung der Maßnahmen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu sanktionieren“, schildert die Landwirtin. Und „weil das alles nicht gratis zu haben ist, verzichten Sie zukünftig auf einen Teil ihres Einkommens. Schließlich tragen Sie als Gartenbesitzer eine große Verantwortung.
Sie finden diese Maßnahmen übertrieben? Wir Landwirte aus der Wesermarsch auch!“, fasst die Landwirtin zusammen.
Aufmerksam machen
So wollen die Landwirte auch weiterhin auf sich aufmerksam machen. „Wir müssen für unsere Produkte einen ,ehrlichen‘ Preis bekommen. Dies können wir nur erreichen, wenn Verbraucher, Politik und Verbände an einem Strang ziehen“, fordert die Landwirtin.
„Wir deutschen Bauern produzieren zu den weltweit höchsten Standards. Nur hier in Deutschland können wir miteinander gestalten, wie unsere Lebensmittel erzeugt werden. Kommen zukünftig alle Äpfel beispielsweise aus Chile, ist uns diese Möglichkeit genommen“, mahnt Ulrike Witting. „Wenn wir das bald nicht hinbekommen, verlieren alle alles: Wir Bauern unserer Höfe, die Natur ihre Fruchtbarkeit und die Verbraucher ihr Essen!“, sagt die Landwirtin.
