Nordenham - Zwei Bewerber um den Chefsessel im Nordenhamer Rathaus haben sich bisher gemeldet: Amtsinhaber Carsten Seyfarth (SPD) und sein Herausforderer Raoul Krippner (CDU). Bei der Frage, wer bei der Bürgermeisterwahl am 12. September die besten Chancen hat, spielt auch die mögliche Unterstützung aus anderen politischen Lagern eine große Rolle. Die NWZ hat sich in der Nordenhamer Parteienlandschaft umgehört, um zu erfahren, wie die Sympathien verteilt sind. Für Carsten Seyfarth kam dabei eine schlechte Nachricht heraus. Er muss sich auf Gegenwind von der Wählerinitiative Nordenham (WIN) einstellen, weil die mit seiner Amtsführung nicht zufrieden ist. Aber fest steht auch, dass die von Raoul Krippner erhoffte Schützenhilfe aus den Reihen der WIN und der FDP noch lange nicht beschlossene Sache ist.
CDU
Wer darf kandidieren? Wer Bürgermeister werden möchte, muss am Wahltag mindestes 23 Jahre alt sein, darf aber das 67. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Der Kandidat muss Deutscher oder Staatsangehöriger eines anderen Landes der Europäischen Union sein.
Welchen Fristen gelten? Wahlvorschläge müssen bis zum 48. Tag vor der Abstimmung im Rathaus eingereicht werden. Demnach endet die Frist am 26. Juli 2021.
Wer schlägt vor? Parteien, Wähler, wahlberechtigte Bürger oder der Bewerber selbst können Wahlvorschläge einreichen. Wer als Einzelbewerber antritt, muss dem Wahlvorschlag mindestens 180 Unterschriften wahlberechtigter Bürger beifügen. Solche Unterstützungsunterschriften sind nicht erforderlich, wenn der Vorschlag von einer Partei oder Wählergruppe stammt, die im Stadtrat vertreten ist.Wer ist wahlberechtigt? Bei der Bürgermeisterwahl dürfen alle Nordenhamer abstimmen, die am Wahltag das 16. Lebensjahr erreicht haben, seit mindestes drei Monaten in der Unterweserstadt leben und Deutscher beziehungsweise EU-Bürger sind.
Wer gewinnt? Wahlsieger ist, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält. Schafft das keiner der Bewerber, findet eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten statt.
Wie hoch ist das Gehalt? Der Bürgermeister der Stadt Nordenham wird nach der Besoldungsgruppe B4 für Hauptverwaltungsbeamte bezahlt. Das entspricht einem Grundgehalt von 8927,75 Euro im Monat.
In der CDU herrscht dicke Luft, weil die Stadtverbandsvorsitzende Sabine Dorn es wenig lustig findet, dass die Ratsfraktion mit Raoul Krippners Ernennung zum Bürgermeisterkandidaten vorgeprescht ist. Sie betrachtet diese Vorgehensweise, die auch nur sieben der zehn CDU-Ratsmitglieder mitgetragen hätten, als „undemokratisch und nicht korrekt“. Es sei nicht Sache der Stadtratsfraktion, einen Bürgermeisterkandidaten aufzustellen. Sondern dafür sei ein Beschluss der Mitgliederversammlung notwendig. Wann eine solche Parteizusammenkunft stattfinden soll, kann Sabine Dorn allerdings nicht sagen. Dabei verweist sie auf die unsichere Corona-Lage.
SPD
Der Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes Nordenham, Jürgen Hülsebusch, begrüßt es ausdrücklich, dass Carsten Seyfarth sich zu einer erneuten Kandidatur bereit erklärt hat. Seine offizielle Nominierung soll bei einer Mitgliedersammlung erfolgen, die der Stadtverband am 28. Mai abhalten will. Die Sozialdemokraten hoffen bei der Bürgermeisterwahl auf die Hilfe der Grünen, mit denen sie auch im Stadtrat zusammenarbeiten.
WIN
Die Wählerinitiative Nordenham schickt zwar keinen eigenen Kandidaten ins Rennen, aber macht deutlich, dass sie den SPD-Mann Carsten Seyfarth auf keinen Fall unterstützen will. WIN-Pressesprecherin Silvia Kerney nennt dafür die Gründe: „Carsten Seyfarth hat seine Zusagen nicht eingehalten“, betont sie, „er hatte ein gläserneres Rathaus versprochen, stattdessen ist es jetzt dichter vernagelt als je zuvor.“ Anstelle der angekündigten Transparenz habe immer mehr eine Hinterzimmerpolitik Einzug gehalten. Zudem wirft Silvia Kerney dem Bürgermeister vor, die SPD und die Grünen bevorzugt mit Informationen zu versorgen, während die restlichen Stadtratsfraktionen das Nachsehen hätten.
Ob die WIN einem anderen Bürgermeisterkandidaten zur Seite stehen will, lässt die Pressesprecherin offen. Mit dem CDU-Mann Raoul Krippner habe zwar inzwischen ein Treffen zum Meinungsaustausch stattgefunden, aber mehr auch nicht. „Wir sind gespannt, wer sich noch bewirbt“, sagt Silvia Kerney, „dann sehen wir weiter.“
FDP
Auch die FDP hat sich noch nicht auf einen Favoriten festgelegt. Stadtverbandsvorsitzender Michael Scherf hofft, dass Anfang März eine Mitgliederversammlung über die Bühne gehen kann. Dann soll über das Thema Bürgermeisterwahl und die Frage, wen die Freidemokraten unterstützen, diskutiert werden. Bei der Wahl vor fünf Jahren hatte sich die Nordenhamer FDP für Carsten Seyfarth ausgesprochen. Nun gelte es, die neue Lage zu bewerten. Einen eigenen Kandidaten werden die Nordenhamer Liberalen nach Angaben ihres Vorsitzenden jedenfalls nicht aufbieten. Die aus CDU-Kreisen verbreitete Darstellung, dass die FDP sich für Raoul Krippner aussprechen werde, bezeichnet Michael Scherf als „voreilig“.
