Burhave - Manche Geschichten vergisst man nicht. Diese hier begann als handfestes Drama, hatte aber zum Glück ein Happy End. Deshalb kann Astrid Unland sie auch guten Gewissens als Anekdote erzählen: Vor vielen Jahren steckte im Kindergarten in Burhave ein Mädchen seinen Kopf zwischen die Rückenlehne und die Sitzfläche eines Stuhls – und bekam ihn nicht wieder heraus. Es half alles nichts, der Vater der Kleinen musste mit der Säge anrücken und seine Tochter aus der misslichen Lage befreien.
Mehr als 15 Jahre ist der Vorfall her. Das Mädchen von damals ist heute eine junge Frau. Wenn sie ihre frühere Kita-Leiterin trifft, fragt sie immer, ob jemals wieder einem Kind eine solche Sache passiert sei. Astrid Unland schüttelt den Kopf und lacht. Nein, etwas so Kurioses habe sie seit dem tatsächlich nicht wieder erlebt.
32 Jahre Leiterin
Dabei sind viele Geschichten zusammengekommen in den 45 Jahren als Erzieherin und den 32 Jahren als Leiterin der Kita in Burhave, auf die Astrid Unland zurückblicken kann. Anlass zur Rückschau bietet der 22. Dezember. Er wird Astrid Unlands letzter Arbeitstag sein. Die 64-Jährige wechselt in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin ist die 27-jährige Julia Harzmann, die seit 2018 in der Kindertagesstätte an der Alma-Rogge-Straße tätig ist.
Astrid Unland hat ihre Ausbildung zur Erzieherin in Meppen absolviert. Für das Anerkennungsjahr ging sie nach Hamburg und blieb dort einige weitere Jahre, ehe es sie nach Butjadingen verschlug – ihr Mann hatte hier eine Stelle gefunden. Die heutige Kindertagesstätte war damals noch ein Spielkreis, dem die Vorschule nachgeschaltet war. Das änderte sich erst in den folgenden Jahren.
Das Arbeiten mit den Kindern, ihre Offenheit und Ehrlichkeit – das ist es, was Astrid Unland in all den Jahren an ihrem Job immer geliebt hat. Sie hat Generationen von Butjadingern zu einem guten Start ins Leben verholfen. Rund ein Viertel der Eltern, die jetzt morgens ihre Kinder in die Kita bringen, haben die Einrichtung früher selbst besucht. Und damals wie heute war Astrid Unland die erste Ansprechpartnerin.
Das ändert sich nun. Der Beginn der Weihnachtsferien ist für Astrid Unland gleichzeitig auch der Beginn ihres Ruhestands. Geht es im neuen Jahr wieder los, übernimmt Julia Harzmann das Steuer. Sie wuchs in Phiesewarden auf, hat am Nordenhamer Gymnasium Abi gemacht, anschließend ein Jahr als pädagogische Mitarbeiterin an der St.-Willehad-Schule in Nordenham gearbeitet und dann in Vechta bis zum Bachelor ein Studium der Erziehungs- und Sozialwissenschaften absolviert.
Spaß am Job
Eigentlich hatte Julia Harzmann geplant, noch ihren Master dranzuhängen. Doch es kam anders. Um Zeit zu überbrücken, heuerte sie bei der Kita in Burhave an. Drei Monate sollte das Gastspiel dauern. „Aber irgendwie bin ich dann hängengeblieben“, erzählt sie – und zwar ohne jedes Bedauern. „Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit und bin auch nie traurig, wenn ein Urlaub vorbei“, sagt die 27-Jährige. „Wo hat man das schon, dass alle lächelnd auf einen zukommen und sich freuen, dass man wieder da ist?“
Wie Astrid Unland – die sich künftig nur noch um ein Kind kümmern wird, nämlich ihren Enkelsohn – wird auch Julia Harzmann über die Betreuung der Jungen und Mädchen hinaus viele weitere Aufgaben zu bewältigen haben. Ihre Vorgängerin hat mal einmal hochgerechnet, dass eine Kita-Leiterin ungefähr zehn Jobs ausübt – die Liste reicht von der Köchin über die Hausmeisterin bis hin zur Psychologin.
Julia Harzmann schreckt das nicht ab. Im Gegenteil, sie freut sich auf ihre neue Aufgabe. Wer künftig zu ihrem Team gehören möchte, sollte sich in der Kita melden. Es wird dringend noch eine Erzieherin oder ein Erzieher in Vollzeit gesucht.
