Butjadingen - Ein Bahnstein mit der Kilometerangabe 9,8 ist nicht das einzige Relikt der Butjadinger Bahn, dass in diesen Tagen nach Hause zurückgekehrt ist. Das Original-Namensschild der Lok „Butjadingen“ wird künftig das Büro von Axel Linneweber zieren. Rolf Gerdes aus Horneburg, Eisenbahnenthusiast und der wohl größte Kenner der Geschichte der Butjadinger Bahn, hatte es dem Bürgermeister geschenkt.
Mit Lokomotiven, so Rolf Gerdes, sei es wie mit Schiffen: Sie bekommen einen Namen. „Wenn fertige Loks in der Fabrik an den Auftraggeber übergeben wurden, glänzte an beiden Seiten stets ein Messingschild mit dem Namen des Fahrzeugs“, weiß der Horneburger. Die Lokomotiven der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn etwa trugen Städtenamen aus dem Großherzogtum. Aber auch Tiernamen wie „Dachs“ oder „Iltis“ gab es. Jeder Name durfte aber nur ein einziges Mal vergeben werden, denn ansonsten wäre eine Lokomotive nicht eindeutig zu identifizieren gewesen.
Eingeschmolzen
Die Loks der Butjadinger Bahn hießen so wie die Ortschaften, die sie ansteuerten. Die meisten Namensschilder haben die Zeit nicht überdauert. Die Lokomotive „Eckwarden“ zum Beispiel wurde am 21. Juni 1939 an die Schwechat-Brauerei in Österreich verkauft. Das Lokschild mit den glänzenden Messingbuchstaben verblieb dabei an beiden Seiten der Dampflok. Und so erlitt es dasselbe Schicksal wie die Lok selbst: Nach 1945 wurde die „Eckwarden“ samt der Schilder in Österreich verschrottet und in einem Hochofen zu neuem Stahl eingeschmolzen.
Das Lokschild der „Butjadingen“ indes existiert noch heute, und es sieht fast wie neu aus. Ein Mitarbeiter aus der Betriebsleitung der Butjadinger Bahn, nämlich der Inspektor Heinrich Balz, hatte das Schild in Nordenham abgenommen, bevor die Lok verschrottet wurde. Zur Erinnerung an die gute alte „Tante Butjadingen“ verwahrte er das Schild bei sich zuhause.
Ähnlich handhabte es Heinrich Balz’ Sohn Karl Balz, ehe er das Schild 1998 Rolf Gerdes schenkte. Der befand nun, dass die Einweihung des neue gestalteten Bahndamms eine gute Gelegenheit sei, das Schild nach Butjadingen zurückkehren zu lassen. Und so überreichte er das Relikt bei der Einweihungsfeier an Axel Linneweber, der dafür inzwischen einen schönen Platz in seinem Büro gefunden hat.
Echte Schwergewichte
Rolf Gerdes besitzt noch Schilder weiterer Loks der Butjadinger Bahn: „Nordenham“, „Eckwarden“, „Burhave“ und „Stollhamm“. Dabei handelt sich allerdings um Nachbauten. „In der Fürst Stolberg Hütte in Ilsenburg habe ich im Mai 1999 Lokschilder der Lokomotiven der Butjadinger Bahn aus Grauguss gießen lassen“, erzählt er. Die hölzernen Positivformen für den Metallguss hatte Rolf Gerdes anhand von Fotos der Lokomotiven selbst angefertigt.
Zur Abholung der vier Schilder fuhr er mit dem Zug nach Ilsenburg. „Ich war der Meinung, dass die Lokschilder ihre Jungfernfahrt auch mit der Eisenbahn erleben müssen.“ Der Chef der Stolberg-Hütte übergab ihm feierlich die, so Rolf Gerdes, „wunderbar gelungenen Schilder“ – die allerdings den kleinen Schönheitsfehler hatten, das sie zusammen über 50 Kilo wiegen. Jetzt bereute Rolf Gerdes es, nicht mit dem Auto nach Isenburg gefahren zu sein.
Letztlich half ihm der Hütten-Chef, die sorgfältig verpackten Schilder zum Bahnhof zu schleppen, auf dass Rolf Gerdes mit seinen neuen Schätzen glücklich zurück nach Horneburg fahren konnte.
