Butjadingen - Der Fall der abgeschobenen Familie Hassun bewegt die Menschen in Butjadingen. Zahlreiche Unterstützer haben sich bereits dafür eingesetzt, dass die Familie zurückkehren kann. Es wurden Spenden gesammelt, eine Mahnwache abgehalten und alle Hebel in Bewegung gesetzt, den Fall noch mal genau zu prüfen.
Asyl gefordert
Anfang der Woche wurde die Abschiebung der Familie im Kreistag thematisiert. Obwohl viele Fragen offen blieben, wurde deutlich, dass die Butjenter nicht aufgeben wollen. Auch der Butjadinger Gemeinderat setzt sich nun dafür ein, dass die zuständigen Behörden alle Möglichkeiten prüfen, die Familie Hassun nach Butjadingen zurückzuholen und ihr in Deutschland Asyl zu gewähren. In der Ratssitzung am Donnerstagabend wurde eine entsprechende Resolution verabschiedet. Alle Gemeinderatsmitglieder stimmten dafür.
Die Familie Hassun ist vor mehr als zehn Jahren aus Syrien in die Türkei geflüchtet. Mithilfe einer UN-Organisation kam sie schließlich nach Portugal, wo sie den Schutzstatus erhielt. Nach anderthalb Jahren sollte sie jedoch die Flüchtlingsunterkunft verlassen und landete auf der Straße. Deshalb kam die Familie nach Deutschland und hat hier einen Asylantrag gestellt. Mehr als drei Jahre lebten die Eltern Sultana und Wahid mit ihren sechs Kindern in Butjadingen in Eckwarden. Die Kinder waren gut integriert. Sie lernten Deutsch, gingen in die Schule und waren beispielsweise im Karnevalsverein aktiv.
Zudem hatten die älteren Kinder eine berufliche Perspektive. Nach den Sommerferien sollte für die beiden Töchter Sedra und Bushra ein Ausbildungsprogramm in Brake starten. Die Zusage dafür hatten sie bereits. Der 18-jährige Ali hatte den Deutsch-Unterricht in Brake besucht. Kurz vor seiner anstehenden Prüfung wurde die Familie abgeschoben. Mit der Abschiebung nach Portugal wurde den Kindern erneut ihre vertraute Umgebung genommen. Die Familie befindet sich derzeit in einem Hotel in der Nähe von Lissabon. Eine Perspektive gibt es nicht.
Mehrere Empfänger
Die Resolution des Gemeinderates soll nun an den Landkreis Wesermarsch, das Land Niedersachsen und das Bundesamt für Migration sowie an die Abgeordneten aus Bund und Ländern und an das Außenministerium geschickt werden. „Wir hoffen, dass wir damit etwas bewirken können“, sagt Bürgermeister Axel Linneweber.
Währenddessen prüfen die vielen unterstützenden Butjenterinnen und Butjenter weiterhin alle Möglichkeiten, etwas für die Familie zu tun. Inzwischen wurde auch ein Anwalt eingeschaltet. Wer helfen möchte, kann über folgenden Link spenden: gofund.me/61497589
