Butjadingen/Horneburg - Der zu einem Erlebnisradweg ausgebaute alte Bahndamm zwischen Nordenham und Stollhamm-Mitteldeich ist um eine kleine Attraktion reicher. Es handelt sich um ein Relikt der Butjenter Bahn – und um einen Heimkehrer. Ein 114 Jahre alter Kilometerstein ist zurück an seinem angestammten Platz. Zu verdanken ist es Rolf Gerdes aus Horneburg.
Eisenbahnenthusiasten werden auf dem Bahndamm, der den früheren Verlauf der Butjenter Bahn markiert, nach Relikten der Butjenter Bahn Ausschau halten. Einige alte Eisenbahnschwellen an Hecktoren und vereinzelte Telegrafenmaste werden sie finden, aber einen historischen Kilometerstein, den gab es nicht. Bis jetzt.
Blickfang im Garten
Jahrzehnte stand der aus witterungsbeständigem Sandstein gehauene und circa 60 Kilo schwere Stein mit der Aufschrift 9,8 als Blickfang im Garten von Rolf und Ingrid Gerdes in Horneburg. Jetzt sitzt der Kilometerstein wieder an der Stelle in der Nähe des ehemaligen Sollhammer Bahnhofs, an der ihn der im August 2004 verstorbene Stollhammer Erwin Prietzel im Jahr 1982 aus einer Tiefe von 60 Zentimetern ausgegraben und dann an Rolf Gerdes übergeben hatte.
„Wenn Erwin Prietzel von seinem Stollhammer Grundstück am Bahndamm auf ein Feierabendbier zum Bahnhof ging, kürzte er den gerne Weg ab und querte auf einem schmalen Holzsteg den Bahngraben neben dem Kilometerstein 9,8“, berichtet Rolf Gerdes, „Erwin schätze die Butjadinger Bahn und die handwerkliche Qualität der Kilometersteine. Seine Eltern, die in Petrigau in Niederschlesien eine Gaststätte hatten, waren 1945 mit eben dieser Bahn nach Stollhamm gekommen“. Als die Butjenter Bahn aufgegeben wurde, sollte Kilometerstein 9,8 nicht verloren gehen. Also buddelte Erwin Prietzel ihn aus.
Frühjahrsputz
Rolf Gerdes hat den Stein nun nicht nur zurück nach Stollhamm gebracht. Er hat sich gegenüber der Gemeinde Butjadingen auch dazu verpflichtet, in zu regelmäßig pflegen. Einmal im Jahr, immer im Frühjahr, wird der Horneburger die eingemeißelte 9,8 mit schwarzer Farbe hervorheben und den Kilometerstein von Dreck und Patina befreien, so dass er – wie jetzt – in makellosem Weiß strahlt.
Rolf Gerdes, Jahrgang 1951, ist der Sohn des letzten Bahnagenten, der in Stollhamm tätig war, ehe die Butjadinger Bahn ab 1964 nur noch bis Abbehausen fuhr und 1968 ganz eingestellt wurde. Der Horneburger hat auf den Schienen der Bahn seine Kindheit verbracht und kennt ihre Geschichte wie kein Zweiter.
