Hannover/Butjadingen - Die niedersächsischen Umweltverbände sind angesichts der Ausbauziele der Landesregierung und der Planungen im Landesraumordnungsprogramm zur Offshore-Windenergie vor Niedersachsens Küste alarmiert. Bis 2035 sollen laut Umweltminister Olaf Lies über 30 Gigawatt Leistung über das Watten- und Küstenmeer an Land gebracht werden. Hinzu kommen die Pläne der Bundesregierung: Laut Koalitionsvertrag sollen bis 2045 in Nord- und Ostsee sogar 70 Gigawatt Leistung installiert werden.
Belastung der Meeresumwelt
Die Verbände fordern die Landesregierung auf, die Offshore-Windenergie naturverträglich im Sinne des europäischen Naturschutzrechtes auszubauen und dem Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes Niedersächsisches Wattenmeer Rechnung zu tragen. Die Offshore-Windenergie ist ein wichtiger Baustein im Energiemix der Zukunft und ein Ausbau aus Klimaschutzsicht notwendig, sind sich die Umweltverbände einig. Bei den aktuellen Plänen würden jedoch die technische Machbarkeit und vor allem die Auswirkungen auf das sensible und streng geschützte Wattenmeer ausgeblendet. Ein solch massiver Ausbau der Offshore-Windenergie würde eine massive Belastung der Meeresumwelt über und unter Wasser mit sich bringen. Neue, zusätzliche Kabelkorridore und Übergabestellen müssten mitten durch den Nationalpark Wattenmeer gebaut werden, der zunehmende Serviceschiffsverkehr für die Windanlagen würde zu weiteren Belastungen von Meer und Küste führen. Dies sei nicht mit den Schutz- und Erhaltungszielen eines Nationalparks und schon gar nicht eines Weltnaturerbes vereinbar.
Dass Niedersachsen künftig den Bau weiterer Windparks auch direkt im Küstenmeer ermöglichen will, ist für die Umweltverbände zusätzlicher Grund zur Sorge. Das Land will die Ende 2020 aufgelaufene Befristung des Eignungsgebietes Riffgat im Küstenmeer entfallen lassen und damit die Energiegewinnung im Küstenmeer zementieren, so die Auskunft der Verbände. Zudem soll Riffgat – obwohl nur vier Kilometer vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer entfernt – ein Vorranggebiet zur „Erprobung erneuerbarer Energieerzeugung auf See“ werden. Damit wären auch Wellenkraftwerke im Küstenmeer möglich. Die Umweltauswirkungen durch die Anlagen wären erheblich: Wertvolle Meeres- und Wattlebensräume würden zerstört und zerschnitten, beim Bau und der Wartung der Anlagen käme es zu erheblichem Unterwasserlärm mit Auswirkungen auf sensible Arten wie den Schweinswal.
Einzigartiges Ökosystem
Windenergieanlagen im Küstenmeer stellen vor allem aber für den Vogelzug eine massive Beeinträchtigung dar. Betroffen ist davon der Nationalpark als international bedeutsamer Vogelzugkorridor. Angesichts der weitreichenden Auswirkungen auf das Wattenmeer als einzigartiges Ökosystem fordern die niedersächsischen Umweltverbände einen naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windenergie unter Berücksichtigung des technisch Machbaren auf 15 Gigawatt bis 2030, begleitet durch ein umfassendes Monitoring, um die ökologischen Folgen zu erfassen und zu berücksichtigen. Bei der Festlegung von Ausbauzielen für Windenergie in der Nordsee sind außerdem alle Nutzungen mit ihren Auswirkungen auf das Ökosystem in Summe zu betrachten. Meeresschutz sei auch Klimaschutz. Eine intakte Meeresumwelt sei notwendig, um die Klimafunktion der Meere zu erhalten.
