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Sturmflut 1962 in der Wesermarsch Zwei Schaufeln für zehn Männer

Rolf Bultmann

BUTJADINGEN - Dass der zunehmende Sturm am Nachmittag des 16. Februar 1962 den Boden um den beiden dicken Lindenbäumen auf dem elterlichen Hof in Ruhwarden dicke Risse zufügte, habe ihn noch nicht ängstlich gemacht. Das soll wohl wieder gutgehen, habe er sich gedacht, berichtet Harm Bruncken. Der heute 74 Jahre alte Landwirt musste in den folgenden Stunden aber erkennen, dass diese alle bisherigen von ihm erlebten Sturmfluten vergessen ließ und erhebliche Schäden anrichtete, wobei Butjadingen aber glimpflich davonkam.

Gegen 22 Uhr seien er und seine Frau Annelore vom Nachbarn Benno Schild mit den Worten „Ihr liegt noch im Bett und wir saufen ab“ geweckt worden, erinnert sich Harm Bruncken. Gemeinsam sei man nach Tossens an den Deich gefahren. Dort bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Die Überreste der von der Sturmflut völlig zerstörten Tossenser Strandhalle, die 1955 am Wasser errichtet und 1959 um einen Pavillon erweitert worden war, drohten mit dem Wasser über den Deich zu schwappen.

Per Sirene alarmiert

Sie seien dann aber wieder nach Hause gefahren, wo Feuerwehrmann Harm Bruncken um 1 Uhr durch Sirenen alarmiert wurde. Einsatzort war der stark beschädigte und gefährdete Deich in Beckmannsfeld. „Wir waren mit zehn Mann vor Ort, aber nur mit zwei Schaufeln ausgerüstet. Eine Lampe auf unserem Fahrzeug diente uns als Scheinwerfer“, berichtet der 74-Jährige.

Um 2 Uhr erreichte die Flut ihren höchsten Stand und das Wasser schwappte mit den peitschenden Wellen über die Deichkuppe. Wenn der Mond zwischen den Wolken hervor kam, bot sich ein gespenstisches Bild. „Da uns niemand sagte, was wir tun sollen, hat uns Brandmeister Willi Vogelsang mit den Worten ,Was sollen wir hier, wir können den Deich nicht retten’ nach Hause geschickt“, so Bruncken.

Stromleitung gekappt

Der machte gegen 5 Uhr, als seine Eltern bereits beim Melken waren, eine dicke Wolke aus. Plötzlich gab es einen wahnsinnigen Funkenflug, der es für einen Moment taghell werden ließ. Eine Sturmböe hatten die beiden Lindenbäume gefällt. Ein Baum fiel zwischen Wohnhaus und Kälberstall, der andere gegen einen Strommast und riss die Stromleitung ab. Fünf Tage war der Bruncken-Hof teilweise ohne Strom. Die Melkmaschine wurde mit dem Deutz-Traktor betrieben und die gefüllte Kühltruhe zum Nachbarn gebracht.


Am 17. Februar war Harm Bruncken mit seinem Traktor in Beckmannsfeld im Einsatz, um Sandsäcke zu den Hubschraubern auf der Weide zu transportieren. Der 74-Jährige erinnert sich, dass Stollhamms Pastor Anton-Günther Gerdes gar kein Verständnis dafür hatte, dass am Nachmittag viele Landwirte zu ihren Betrieben zurückkehrten, um zu melken.

Harm Bruncken

ist ein gebürtiger Butjenter. Viele Jahre bewirtschaftete der heute 74-jährige Landwirt zunächst die elterliche, später eine eigene Landwirtschaft in Ruhwarden. Er gehörte den Vorständen mehrerer landwirtschaftlicher Organisationen an. Ehrenamtlich engagiert sich der Rentner im Bürgerverein Ruhwarden und als Gästeführer.
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