Butjadingen/Wesermarsch - Philip Heyelmann (43) hat in den letzten Tagen viel mit Leuten geredet. Manche seiner Gesprächspartnerinnen und -partner hatten Tränen in den Augen – sie plagt die nackte Existenzangst. Eine Angst, die der Butjadinger Filmemacher gut nachvollziehen kann. Wegen Corona sind auch ihm bereits etliche Aufträge weggebrochen. Weil die Krise aber die Inhaber mancher kleiner Dienstleistungsbetriebe und Einzelhandelsgeschäfte noch viel schlimmer trifft oder zu treffen droht, bietet Philip Heyelmann ihnen Hilfe an – mit der Kamera.

Wenn der Butjadinger mit Leuten redet, die nicht Händler sind, hört er meist zweierlei: Momentan könne man wegen Corona nicht vor Ort einkaufen, sei also auf den Online-Handel angewiesen, sagen die Leute. Wenn Corona vorbei ist, werde man selbstverständlich aber wieder lokal in den Geschäften vor Ort einkaufen, sagen sie außerdem.

Philip Heyelmann hält beide Aussagen für einen Irrglauben. Erstens: Die Geschäfte vor Ort seien zwar weitgehend geschlossen, die Inhaber seien aber dennoch für ihre Kunde da und böten trotz geschlossenen Ladens teils auch Lösungen, um ihren Kunden Waren zukommen zu lassen. Zweitens: Viele Geschäfte werde es nach der Krise nicht mehr geben, wenn jetzt alle Kunden nur noch online kaufen. Manche der Inhaber, das weiß Philip Heyelmann aus Gesprächen, haben nur für wenige Wochen finanzielle Rücklagen. Und sie haben keine Ahnung, was passieren soll, wenn die aufgebraucht sind.

Der Butjadinger möchte verhindern, dass es so weit kommt. Deshalb bietet er Geschäftsinhabern aus der ganzen Wesermarsch die Möglichkeit an, kostenlos einen Video-Clip von sich drehen zu lassen. Die Botschaft, die dabei vor allem rüberkommen soll, lautet: „Leute, wir sind noch da!“

Philip Heyelmann veröffentlicht die Clips auf seinem Youtube-Kanal; außerdem werden sie bei Radio-Weser TV laufen. Das soll aber nicht alles sein. Die Gefilmten bekommen Links zugeschickt, unter denen alle Clips online zu finden sind. Sie haben dann die Möglichkeit, sie selbst in den Sozialen Medien zu veröffentlichen. Der besondere Clou bei der Sache: Wer sich filmen lässt, gibt Philip Heyelmann das Versprechen, nicht nur seinen eigenen Film, sondern auch die Filme aller anderen möglichst bereit gestreut zu veröffentlichen. So ergibt sich nach der Überlegung von Philip Heyelmann ein Schneeballeffekt, durch den jeder Gewerbetreibende weit mehr als nur die Nutzer erreicht, die ihm in den Sozialen Netzwerken sowieso bereits folgen.

Acht Filme waren bis Montagvormittag online, drei weitere sind inzwischen dazugekommen. Montagnachmittag hat Philip Heyelmann, der nicht nur vom der Filmemachen lebt, sondern auch noch einen anderen Job hat, in Abbehausen und Ovelgönne gedreht. Für diesen Dienstag hat er zwei Termine mit Butjadingern vereinbart.


Seine Drehs legt Philip Heyelmann so, dass er keine großen Umwege fahren muss und entsprechend Zeit spart. Ans Schneiden macht er sich abends und gegebenenfalls nachts. Pro Clip muss der Butjadinger gut eine Stunde Arbeit investieren – und all das tut er, ohne auch nur einen Cent dafür zu verlangen.