Als Richter Ansgar Fischer vor fünf Jahren ans Nordenhamer Amtsgericht kam, da gab es nicht wenige, die ihn vor diesem Schritt warnten. Unter einigen Kollegen in Oldenburg gilt Nordenham als das „Outback“, die Anwaltschaft in der Stadt als zerstritten. Von diesen Vorurteilen hat sich der Vater von drei Kindern aber nicht abschrecken lassen. 2002 nahm Ansgar Fischer die Stelle in Nordenham an. „Ich habe das nie bereut“, sagt der heute 44-Jährige. „Und die Zusammenarbeit mit den Nordenhamer Anwälten empfinde ich als sehr angenehm.“
In Bremen ist Ansgar Fischer geboren und aufgewachsen. Mutter und Vater haben als Lehrer gearbeitet. Ansgar Fischer schlug dagegen die juristische Laufbahn ein. Nach dem Zivildienst studierte er in Marburg und Göttingen, bevor er sein Referendariat am Oberlandesgericht in Bremen aufnahm. Als besonders prägend bezeichnet Fischer seine Arbeit für eine Kanzlei, die sich schwerpunktmäßig mit Betreuungsrecht beschäftigte. In diesem Job hatte Ansgar Fischer viel mit schwerkranken Menschen zu tun. „Es gibt kaum einen Bereich, in dem die Justiz und das praktische soziale Leben so eng miteinander verzahnt sind.“
Nach dem Examen arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt in Bremen. Anschließend ging er zum Landgericht Lüneburg. Er wurde zunächst ins Ministerium abgeordnet und arbeitete später während seiner Assessorenzeit in verschiedenen Amtsgerichten im Lüneburger Bereich, bevor er eine Planstelle am Landgericht bekam.
Familiäre Gründe haben Ansgar Fischer allerdings bewogen, sich in Oldenburg zu bewerben. Obwohl die Arbeit als Amtsrichter einige Kollegen als beruflichen Abstieg werten würden, freut sich der 44-Jährige über die Vielseitigkeit, die ihm seine Stelle in Nordenham bietet. Das Erwachsenenstrafrecht bildet den Schwerpunkt seiner Arbeit.
Das größte Problem in der Stadt ist aus der Sicht des in Oldenburg lebenden Amtsrichters nach wie vor die Hartdrogenszene, die viele andere Straftaten wie Einbruch- und Ladendiebstähle nach sich zieht. Am meisten unter die Haut gehen dem Richter die menschlichen Tragödien, die oftmals damit verbunden sind.
Trotz eines Berufs, der ein hohes Maß an Ernsthaftigkeit und Seriösität erfordert, hat der Freizeitfußballer seinen Humor nie verloren. 1994 war Ansgar Fischer einer von mehreren Autoren des Buchs „Der Fall Entenhausen“. Darin beschäftigte sich der 44-Jährige unter juristischen Aspekten mit dem Treiben von Gustav Gans und den Panzerknackern.
Ansgar Fischer
Richter
